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Die Veranstalter buhlen wieder verstärkt um die Gunst der Reisebüros. Alle müssen genau rechnen: Reisebüros müssen aufs richtige Pferd setzen, Reiseveranstalter dürfen bei den Kommissionen kein Harakiri machen. Bild: Lukas from Pexels

Kommentar Wer hat den Grösseren?

Von Jean-Claude Raemy

Die Rede ist vom Steigerungsbonus, welcher in diesem Jahr ein ganz besonders wichtiges Element der Kommissionsmodelle zu sein scheint. Doch wer den Grösseren hat, könnte den Kürzeren ziehen.

In den vergangenen Tagen bzw. Wochen haben die Grossveranstalter allesamt ihre Kommissionsmodelle bekannt gegeben. Wer sich diese Modelle angeschaut hat bzw. darüber geschrieben hat, stellte zunächst mal fest, dass fast nichts Grundsätzliches geändert wurde, ausserdem ein paar prozentualen Grössenordnungen. Was jedoch auffiel: Die wenigen Änderungen wurden primär im Bereich der Steigerungsboni getätigt.

FTI machte den Auftakt und änderte das System der Steigerungsboni, bei welchen nun bis zu 3 Prozent Steigerungsbonus möglich sind. Auch bei TUI Suisse, welche kurz danach ihr Kommissionsmodell publizierte, beträgt der Steigerungsbonus neu 3 Prozent. Bereits kurz davor hatte Hotelplan Suisse ihr Modell präsentiert; dort galt, was allerdings nicht neu war, ein 3%-Steigerungsbonus auf den Touroperating-Umsatz der Marke Travelhouse. DER Touristik Suisse präsentierte als Letzter der Grossen das Kommissionsmodell; die wesentliche Neuerung darin war die Erhöhung des maximal möglichen Steigerungsbonus von 3 auf 4 Prozent.

Und nun gestern die überraschende Anpassung von Hotelplan Suisse: Neu gibt es plötzlich 5 statt 3 Prozent Steigerungsbonus auf die Touroperating-Umsätze der Marke Travelhouse. Plötzlicher Einfall oder Reaktion? Wohl eher Letzteres. Was ja auch nicht verboten oder unlauter ist.

Für die Reisebüros eigentlich ein höchst erfreuliches Signal. Die Reiseveranstalter greifen immer tiefer in die Schatulle beim Buhlen um die Gunst des Vertriebs. Kurzfristig profitiert der Vertrieb. Es zeigt aber auch, dass bei den Reiseveranstaltern der Verdrängungskampf mit noch härteren Bandagen geführt wird. Es ist nicht davon auszugehen, dass für höhere Steigerungsboni die Einkaufspreise nachverhandelt werden, sondern dass die höhere Ausschüttung aus eigenem Sack bezahlt wird und somit die ohnehin schon dünne Marge der Veranstalter weiter belastet. Oder vielleicht wird ja eine Marketingkampagne weniger durchgeführt. So richtig gut ist die Entwicklung aber nicht.