Reiseanbieter

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«Vtours ist ein profitabler, kreativer, innovativer und wachsender Reiseanbieter», sagt Thomas Stirnimann, CEO Hotelplan Group. Bild: TN

Vtours: Was steckt hinter dem Überraschungscoup von Hotelplan?

Mit dem deutschen Online-Anbieter Vtours holt sich die Hotelplan Group 400 Millionen Euro Umsatz ins Haus. CEO Thomas Stirnimann spricht von einer perfekten Ergänzung und hofft auf Synergien.

Am Montag gab die Hotelplan Group die überraschende Übernahme des deutschen Online-Anbieter Vtours bekannt. Vtours, mit 150 Mitarbeitenden in Aschaffenburg (D) und seit 2016 mit einem Ableger und vier Mitarbeitenden in Glattbrugg ZH tätig, generiert gemäss Hotelplan-Angaben 400 Millionen Euro im Jahr.

«Vtours ist für die Hotelplan-Gruppe die perfekte Ergänzung, um im deutschsprachigen Raum zu wachsen und im grössten Reisemarkt Europas Fuss zu fassen», sagt Thomas Stirnimann, CEO Hotelplan Group, auf Anfrage von travelnews.ch, «Vtours ist ein profitabler, kreativer, innovativer und wachsender – mehrheitlich online tätiger – Reiseanbieter».

Die neue Sparte innerhalb der Gruppe soll weiterhin eigenständig von CEO Achim Schneider geführt werden. Gleichwohl dürfte das Zusammenspiel mit den weiteren Gruppenbereichen eine Rolle spielen: «Wenn passende Synergien vorhanden sind, dann werden wir diese nutzen», sagt Stirnimann, «das Synergiepotenzial sehen wir vor allem im IT- sowie im Einkaufs- und Vertriebs-Bereich.»

Spanien, Griechenland und die üblichen Verdächtigen

Vtours produziert und vertreibt vor allem Badeferien im Mittelmeerraum. Der Direktverkauf dürfte sich nach Travelnews-Schätzungen auf 60 Prozent, der Vertrieb über Reisebüros auf 40 Prozent belaufen. Als einer der ersten X-Veranstalter wurde Vtours 2004 ins Leben gerufen – mit dem Fokus auf die Erstellung von Reiseangeboten in Echtzeit dank dem Direktzugriff auf Charter-Flugsitzplätze und Bettendatenbanken.

Auf die meistverkauften Vtours-Destinationen angesprochen, nennt Stirnimann die «üblichen Verdächtigen»: «Dazu gehören Spanien, Griechenland, Türkei, Ägypten aber auch Destinationen in der Karibik oder im Indischen Ozean.»

Für die Hotelplan Gruppe mit angespanntem Schweiz-Geschäft und bröckelndem Business in Grossbritannien kommt der Vtours-Umsatz wie gerufen. Und dieser generiert sich mehrheitlich in einem Land. «Die bisherigen Kunden stammen mit rund 95 Prozent grösstenteils aus Deutschland», verrät Stirnimann. Bisher zählte Hotelplan mehrheitlich auf Ferienwohnungs-Umsatz in Deutschland dank der Holiday Home Division (Interhome/Inter Chalet).

Einige Fragen bleiben

Im Gespräch mit deutschen Branchenkennern taucht ein Fragezeichen bei der genannten Umsatzzahl von 400 Millionen Euro auf, «eher 300 Millionen» schätzt ein Insider, der Vtours-Passagierzahlen aus dem Mittelmeer-Raum kennt.

Ob dieser Anteil künftig gehalten werden kann, ist zudem aus zwei Gründen fraglich. Zählte Vtours als unabhängiger Player bisher im Vertrieb auch auf die Reisebüro-Ketten grosser Anbieter, könnten diese nun mit dem Deutschland-Eintritt des Schweizer Reisekonzerns skeptischer und zurückhaltender werden. Zweitens hat vor zwei Jahren der Crash von JT Touristik, ebenfalls ein deutscher X-Veranstalter der ersten Stunde, gezeigt, dass seit dem Wegfall von Air Berlin und anderen Charter-Airlines die Luft und die Zugriffsmöglichkeiten für Echtzeit-Veranstalter dünner geworden ist.

Positiv dürfte die Hotelplan Group aber der neu erlangte Einkaufspower stimmen. In gewissen Mittelmeerländern habe Vtours bis 15 Mal mehr Kunden als Hotelplan, ist zu vernehmen. Was Hotelplan künftig beim Abschluss neuer Deals gehörig helfen könnte, um eben auch den hiesigen deutschen Mitbewerbern TUI Suisse und DER Touristik Suisse preislich die Stirn zu bieten.

(GWA)