Reiseanbieter

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Starten am Montag mit neu formierten Geschäftsleitungen in die zweite Jahreshälfte: Hotelplan Suisse und DER Touristik Suisse.

Kommentar Die künftigen CEOs rücken in Position

Von Gregor Waser

Hotelplan Suisse und DER Touristik Suisse starten die zweite Hälfte des Kalenderjahres mit einer neu zusammengestellten Geschäftsleitung. Die Neuformationen kommen nicht von ungefähr.

Es ist Transferzeit, die Zeit der Gerüchte und Spekulationen. In den Fussballligen dauert die Phase der Abgänge, Clubwechsel und Rückholaktionen noch einige Wochen an. In der Reisebranche sind schon zahlreiche Wechsel erfolgt. Neben Globetrotter Travel Service – mit Caroline Bleiker (53) neu in der GL – haben auch die beiden führenden Schweizer Reiseveranstalter ihre Geschäftsleitung neu formiert und starten am Montag, 1. Juli in neuer Konstellation in die zweite Hälfte des Kalenderjahres.

Wie schon vor einem Jahr: wenn Hotelplan Suisse zum 24-Stunden-Überraschtungstrip lädt, um Medienschaffenden die Kontaktgelegenheit mit den GL-Mitgliedern zu eröffnen, ist wenige Tage später schon einiges wieder auf den Kopf gestellt. Als Hotelplan Suisse vor einem Jahr nach Athen bat mit Kurt Eberhard an der Spitze, räumte dieser eine Woche später sein Pult. Nachdem Hotelplan Suisse vor zehn Tagen nach Belfast lud, sieht die GL eine Woche später schon wieder anders aus.

Kenny Prevost (56) gibt nun die Travelhouse-Spezialisten und seinen GL-Sitz ab und konzentriert sich auf «Sports». Mit dem doppelten Arbeitsbereich dürfte sich Prevost, der vor eineinhalb Jahren von Knecht Reisen zu Hotelplan Suisse stiess, jüngst übernommen haben. Mit Tim Bachmann (51) kehrt Hotelplans ehemaliger Badeferien-Chef nach einem eineinhalbjährigen Abstecher wieder zurück an die Sägereistrasse 20 in Glattbrugg. Er leitet ab Montag die Spezialisten und nimmt Einsitz in der Geschäftsleitung.

Wieso kommt Bachmann zurück?

Hinter der Rückholaktion von Tim Bachmann dürfte mehr stecken. Denn wie COO Daniel Bühlmann (61) sagt, werde er voraussichtlich noch zwei bis vier Jahre an der Spitze von Hotelplan Suisse stehen. Die Vakanz ist also absehbar. Unsere Spekulation: der neue CEO von Hotelplan Suisse heisst ab 2022 Tim Bachmann.

Dieser will nichts davon wissen, mit einer solchen Jobaussicht zu Hotelplan Suisse zurückgeholt worden zu sein und sagt am Telefon: «Für mich stellt die Leitung der Spezialisten eine tolle, neue Herausforderung dar – diese fehlte mir Ende 2017.» Seine Worte damals als scheidender Badeferien-Chef: «Ich freue mich auf neue Denkaufgaben». Und Denkaufgaben wird der smarte Touristiker nun als Spezialisten-Chef genügend erhalten.

Doch was sagt Thomas Stirnimann (57), CEO der Hotelplan Group und von Hotelplan Suisse, dazu, dass die Rückholung Bachmanns etwas mit der Nachfolge von Daniel Bühlmann zu tun hat? «Das ist eure Spekulation. Es ist immer schön, wenn man das Team verstärken kann. Unsere Strukturen sind klar geregelt und was in zwei Jahren sein wird, weiss ich heute noch nicht genau.» Wenn er etwas gelernt habe in den letzten 20 Jahren, dann das, dass es keinen Sinn mache, zu weit nach vorne zu blicken, «denn es kommt eh anders.»

Endlich eine Frau als CEO?

Eine ganz ähnliche Konstellation zeigt sich bei DER Touristik Suisse. Auch an der Herostrasse 12 in Zürich-Altstetten wird der CEO-Posten spätestens im Jahr 2022 neu besetzt. CEO Dieter Zümpel (62) hat die aufwändige Kuoni-Restrukturierung mehrheitlich abgeschlossen und startet am Montag ebenfalls mit einer im Organigramm gestärkten rechten Hand in die zweite Jahreshälfte: Verda Birinci-Reed (48) ist ab dem 1. Juli 2019 COO und verantwortet sowohl Badeferien wie Spezialisten. Sie hat massgeblich zum Turnaround beigetragen. Dass die Wahl als künftge CEO auf sie fällt, wäre der logische Schritt. Das einzige Fragezeichen: Will sie überhaupt an der Unternehmensspitze stehen? Spätestens in drei Jahren wissen wir mehr.

Was heute schon klar ist: sowohl Tim Bachmann wie Verda Birinci-Reed haben in den nächsten Monaten neue Challenges zu bestehen, was die Spezialisten betrifft. In Zeiten margenschwacher und buchungsflauer Badeferien wird das Gerangel um die lukrativen, individuellen Fernreisen immer grösser. Neben top Knowhow ist auch clevere Technologie gefragt. Und offensichtlich plant Travelhouse, neben dem Reisebüro-Vertrieb auch den Direktvertrieb zu pushen – eine auf den ersten Blick gute Massnahme, die aber auf den zweiten Blick den Mitarbeitenden nicht unbedingt schmecken dürfte. Es ist ein Unterschied, sich mit Reisebüro-Profis über die Details einer Fernreise-Buchung auszutauschen oder sich mit komplizierten Endkunden herumzuschlagen.

Diese Woche hat gezeigt, wie viel Dynamik im Fernreise-Markt steckt: technologie-getriebene Fernreise-Anbieter wie Tourlane tauchen auf und schielen in die Schweiz, Globetrotter stärkt den VR mit TO-Knowhow, ein auf Fernreisen spezialisierter Retailer wie Travel Worldwide schafft es, einige der besten Fernreise-Cracks zu sich zu holen, aber auch traditionelle Fernreise-Anbieter wie Vögele Reisen rüsten auf, um noch gezielter im Teich der individuellen Fernreisen fischen zu können.

Für Hotelplan Suisse/Travelhouse und die Spezialisten von DER Touristik Suisse werden die kommenden Monate im Fernreise-Bereich jedenfalls nicht einfacher. Da kann es nicht schaden, dass beide Reiseunternehmen den Spezialisten-Bereich stärken – mit Leuten an der Spitze, die nicht nur ein technologisches Flair haben, sondern auch das Händchen, die guten Leute im Team zu halten.