Reiseanbieter

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Diverse Flüge in Indien lassen sich jetzt leicht über Amazon suchen und buchen. Ein kleiner Schritt, der Grösseres vermuten lässt. Bild: Screenshot Amazon.com

Amazon steigt offiziell wieder ins Reisegeschäft ein

Zunächst einmal bietet der Online-Gigant nur eine Flugbuchungsmöglichkeit via Amazon Pay in Indien an. Doch dieser auf den ersten Blick unscheinbare Move versteckt Grösseres. Die Reisebranche muss diese Entwicklung nahe verfolgen.

Im Milliardenmarkt Indien können Konsumenten neu via der Online-Vertriebsplattform Amazon auch Flüge buchen - über dieselbe App, über welche man auch Güter einkaufen, Geld transferieren, Rechnungen bezahlen oder sein Handykonto aufladen kann. Für die Flugbuchungen kooperiert Amazon mit der Reiseplattform Cleartrip.

Warum soll dies jemanden hierzulande kümmern? Weil immer, wenn ein Onlinegigant die Fühler nach Reisedienstleistungen ausstreckt, die herkömmlichen Reiseanbieter ängstlich werden. Amazon war bislang nur «probeweise» in der Reisebranche tätig, zuletzt 2015 mit der nach wenigen Monaten wieder eingestellten Plattform «Amazon Destinations». Damals bot der Online-Händler Hotelbuchungen an, beendete das Angebot aber rasch wegen mangelnden Erfolgs. Dass man nun mit Flugvermittlung im notorisch margenschwachen Fluggeschäft in Indien mehr finanziellen Erfolg hat, ist unwahrscheinlich. Vermutlich muss man diesen Move aber als einen «Labortest» verstehen. Die Reise-Fachplattform «Skift» sieht darin alle Zeichen der gross angelegten Rückkehr in die Reisebranche.

Was ist speziell an den aktuellen Flugbuchungen?

Wie läuft die Flugbuchung in Indien ab? Kunden finden auf der Seite von Amazon Pay, entweder in der App oder auf dem Desktop, ein neues Icon «Flights». Dort sind Flüge der einheimischen Airlines Indigo, SpiceJet, Vistara UK und Go Air buchbar. So weit, so unspektakulär.

Spannender ist, dass Amazon beispielsweise bei einer Annullierung des Flugs keine Gebühren erhebt (bezahlt wird nur die Gebühr der Airline selber). Darüber hinaus gibt es Cash-Back-Angebote mit Rückvergütungen im Wert von bis zu 2000 Rupien (28.60 Franken). Diese Vorteile, welche die ohnehin schwache Marge wegfressen, werden aus Sicht von Amazon über die Mitgliedsgebühr bei Amazon Prime absorbiert.

Der Punkt ist aber hier nicht eine sofortige Profitabilität. Amazon versteht sich vielmehr als eine Art «Metasearcher für Alles», von Büchern über Filme und anderes bis eben hin zu Flügen - und vielleicht später auch noch mehr Reisecontent. Der Vorteil von Amazon ist der einfache Checkout, also bewährte und aus anderen Transaktionen bekannte Bezahlprozesse, sowie eine riesige Basis von Mitgliedern, welche das Unternehmen direkt ansprechen kann. Das Ziel ist klar: Die Suche nach Verbrauchsgegenständen, wozu mittlerweile ja auch Flüge gehören, soll auf Amazon geschehen - und nicht mehr auf Google. Das ist hier der Titanenkampf. Allerdings würde bei einem solchen Modell Amazon, wie Google auch, eben nur als Mittler und nicht als eigener Akteur auftreten.

Das Ziel ist überdies wohl auch eine «Super-App», wie Skift dies nennt: Eine Plattform, welche die Suche nach zahllosen Dienstleistungen aus diversen Industrien vereinfacht und in einem One-Stop-Shop anbietet, eine bekannte E-Commerce-Plattform mitsamt Bezahlfunktion, welche nun auch die Vermittlung von Flügen (zunächst eben nur in Indien) integriert. Man könnte auch dahingehend spekulieren, dass Amazon vor allem seinen Bezahlservice in Indien ausbauen will. Cleartrip wird überdies von diesem neuen Partner sicherlich auch stark profitieren können.

Falls der Labortest in Indien gut verläuft, steht wohl einem weiteren Ausbau um Hotels, Autos etc. nichts im Weg. Eher unwahrscheinlich bliebt hingegen ein Einstieg von Amazon ins Fluggeschäft, was ja beim Launch der (virtuellen) Airline Amazon Prime Air im Jahr 2015 befürchtet worden war. Diese wird wohl weiterhin Güter zwischen den Fulfillment-Centers von Amazon in den USA befördern.

(JCR)