Reiseanbieter

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«Leider müssen wir die Yalea-Gruppe auflösen»

15 Jahre lang organisierte Yalea Sprachreisen weltweit. Zuletzt hatte der Anbieter Standorte in der Schweiz, Deutschland und Chile. Nun ist alles aus und vorbei. Travelnews.ch hat mit dem CEO und Mitgründer, Richard Gabriel, über die Gründe gesprochen.

«Yalea has discontinued its operations» - Yalea hat seine Geschäftstätigkeit eingestellt. Das ist der einzige Satz, der auf der Webseite des Schweizer Sprachreiseanbieters noch zu lesen ist. Was ist passiert? Travelnews.ch konnte mit dem CEO und Mitgründer, Richard Gabriel, am Telefon sprechen.

«Ja, leider müssen wir die Yalea Gruppe auflösen», sagt er mit hörbarem Bedauern in der Stimme. «Wir haben Yalea vor 15 Jahren während dem Studium gegründet – seit dem haben wir unsere Firma mit viel Herzblut aufgebaut.» Lange lief auch alles gut, die Zeichen standen auf Wachstum. Im Laufe der Zeit gründete Yalea neben dem ersten Standort am Schanzengraben in Zürich auch Niederlassungen in Deutschland und Chile.

Erst im Oktober 2018 hatte Yalea Deutschland den Konkurrenten «Linguland Education GmbH» gekauft. «Dies geschah im Zuge unserer Wachstumsstrategie. Da wir aber nicht profitabel waren, machten wir eine Finanzierungsrunde. Vor dem Zukauf des Konkurrenten hatten wir die Zusage von einem Investor», erklärt Gabriel das Vorgehen. Doch schlussendlich machte der Investor einen Rückzieher - der Deal platzte.

Schweizer Kunden sind über den Garantiefonds abgedeckt

Aber auch andere Faktoren spielten eine Rolle: «Die Sprachaufenthalte der europäischen Kunden wurden immer kürzer, die Marge somit kleiner. Zusätzlich stiegen die Werbekosten – eine doppelt negative Kombination», wie Gabriel sagt. Auch die Währungseffekte bekam das Unternehmen zu spüren. Gerade England sei der stärkste Markt für Sprachaufenthalte – das Pfund habe sich in den letzten Jahren gegenüber dem Schweizer Franken aber enorm abgeschwächt.

Eine positive Nachricht hat der Schweizer aber doch noch zu vermelden: Linguland Education wurde von den ehemaligen Eigentümern zurückgekauft und ist seit einigen Tagen wieder unabhängig von Yalea. Dasselbe Schicksal wie der Schweizer Niederlassung winkt auch der deutschen und chilenischen Yalea: Alle Gesellschaften werden in den nächsten Wochen und Monate liquidiert. Zu diesem Zweck hält sich Gabriel derzeit in Chile auf.

«Betroffen sind über alle Standorte gesehen Kunden im tiefen dreistelligen Bereich – Schweizer Kunden sind ab Montag (11.3.) über den Garantiefonds abgedeckt.» Gabriel habe derzeit nur noch etwa 20 Fälle offen. Durch den Verkauf der Linguland Education habe man wieder Mittel, um die wenigen «harten Fälle» im Ausland lösen zu können.

Verkauf der Technologie geplant

«Eine gute Lösung für alle betroffenen Kunden zu finden, ist mir sehr wichtig. Für diejenigen, die ihren gebuchten Sprachreiseaufenthalt noch nicht oder nur teilweise bezahlt haben, organisiere ich beispielsweise Direktzahlungen an die jeweilige Schule. Für die anderen suche ich nach alternativen Lösungen», versichert Gabriel.

Ausserdem führe er Gespräche über den Verkauf des Buchungplattform-Systems, dies habe man mit viel Liebe zum Detail programmieren lassen. Genauso wie die eigene E-Learning-Plattform, die jeden Monat über 100‘000 Besucher zähle und wo man ebenfalls mit einem interessierten Käufer in Kontakt stehe.

(LVE)