Reiseanbieter

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Seit 22 Jahren bei Manta Reisen, seit einem Jahr Geschäftsleiter: Thomas Meier, hier in einer der Lounges von DER Touristik Suisse an der Herostrasse in Zürich-Altstetten. Bild: TN

«Künstlich errichtete Inseln finden bei uns keinen Platz»

Von Gregor Waser

Seit einem Jahr ist Thomas Meier Geschäftsführer von Manta Reisen. Im Interview äussert er sich über das Geschäft mit dem Indischen Ozean, die schönsten Tauchspots und die Gewichtung der Nachhaltigkeit bei Manta Reisen.

Herr Meier, Sie sind ein Manta-Urgestein und haben und vor einem Jahr die Geschäftsleitung übernommen. Wie haben Sie Ihre Karriere bei Manta Reisen bisher erlebt?

Thomas Meier: Seit 1997 bin ich nun schon dabei! Die Zeit war sehr abwechslungsreich, lehrreich und voller Herausforderungen –  zunächst noch mit Amy Stierli, dann mit Marcel Bürgin, später mit Andy Zgraggen. Ich konnte stets aktiv an der Entwicklung von Manta mitwirken, langweilig war es nie. Ich hatte ursprünglich eine Reisebüro-Lehre absolviert, später arbeitete ich im Business Travel, und Tauchen zählte damals schon zu meinen Hobbys. Bei Manta fand ich dann meinen Traumjob als Product Manager Tauchen. Unter Andy Zgraggen avancierte ich offiziell zum stellvertretenden Geschäftsführer. Zusammen waren wir ein gutes Gespann. Im Januar 2018 durfte ich dann die Leitung von ihm übernehmen.

Welche neuen Aufgaben kamen hinzu?

Als Leiter der Produktion von Manta hatte ich klar zugeteilte Verantwortlichkeiten. Mit der Ernennung zum Geschäftsführer kamen weitere Bereiche dazu. Natürlich beschäftige ich mich nun auch mit der strategischen Ausrichtung und Weiterentwicklung, der Definierung und Förderung unserer Schwerpunktthemen. Auch die Positionierung von Manta ist ein spannendes Feld, schliesslich haben wir in-house bei DER Touristik Suisse nun drei Marken, die den Indischen Ozean anbieten.

Vor drei Jahren war nur Manta Reisen im Indischen Ozean präsent. Wie stellen sich die drei Marken heute nebeneinander auf?

Für DER Touristik Suisse ist das Rezept erfolgreich, mit mehreren Marken an einer Destination zu operieren. Mit gut positionierten Brands kann man als Marktführer auf den Malediven viel erreichen. Die Generalisten Helvetic und Kuoni sind vertrauenswürdig und profitieren von einem grossen Bekanntheitsgrad. Helvetic besticht durch ein tolles Preis-/Leistungsverhältnis und Familienfreundlichkeit, Kuoni bietet Qualität, ein breites Portfolio im oberen Segment zum fairen Preis. Da bleibt auch noch genügend Platz für Manta, den Spezialisten. Wir sind am Puls der Destination, bieten Individualität und gehen in unseren Services in die Tiefe – auch unter die Wasseroberfläche.

«Aktuell zeichnet sich auf den Malediven ein Schub neuer Produkte ab, welche den Markt mit zusätzlichen Kapazitäten fluten werden»

Sind Kuoni und Manta nicht sehr nahe beieinander positioniert?

Natürlich gibt es Überschneidungen, vor allem im Bereich Viersterne plus. Punkto Sortiment decken wir bei Manta jedoch alle Facetten einer Destination ab, bieten auch Gästehäuser, Schiffe und Tauchkreuzfahren an. Wir konzentrieren uns nicht nur auf den Verkauf von Hotels, wir können durch unser Know-How die Möglichkeiten der gesamten Destination ins Zentrum stellen und massgeschneiderte Kundenerlebnisse kreieren. An Land, oder insbesondere auch im Wasser. Die Individualität der Kunden steht im Vordergrund. Das Manta-Team verfügt über Destinations- und Produktekenntnisse, die weit über den Standard hinausgehen. Zudem bieten wir bewusst nicht 100 Inseln an, sondern eine Selektion mit hohem qualitativen Versprechen – und diese Inseln kennen wir aus dem Effeff. Und dies wird in Zukunft bestimmt noch wichtiger. So zeichnet sich aktuell auf den Malediven ein Schub neuer Produkte ab, welche den Markt mit zusätzlichen Kapazitäten fluten werden. Ob sie alle die enormen Herausforderungen meistern, qualitativ bestehen können, wird sich zeigen. Um die richtigen Inseln fürs anspruchsvolle Schweizer Klientel zu kennen, ist unser Know-how gefragt.

Manta hat zwei ganz unterschiedlich funktionierende Bereiche. Wie wirkt sich das im Alltag aus?

Auf der einen Seite steht der Destinationsspezialist für den Indischen Ozean. Hier nutzen wir für Einkauf, Produktion und Verkauf zahlreiche Synergien mit dem Mutterhaus DER Touristik. Die Systeme und Prozesse unterscheiden sich enorm vom Bereich Tauchreisen weltweit, das wir als komplexes Nischenprodukt völlig losgelöst in-house produzieren und abwickeln. In beiden Bereichen jedoch steht und fällt vieles mit dem Know-How und der Leidenschaft unserer Mitarbeiter, die den Unterschied zum Generalisten für den Kunden greifbar machen.

Wie schwierig ist es, gute Mitarbeiter anzuheuern und zu behalten? Und wieviele Leute arbeiten bei Ihnen?

Zum Glück ist die Fluktuation bei uns relativ gering, obwohl das Durchschnittsalter im Verkauf doch unter 30 Jahren liegt – eine Generation, die sicher ein bisschen flüchtig ist und gerne noch das eine oder andere Neue ausprobiert. Ich bin also zufrieden, wie konstant unsere Mitarbeiter sind und dass wir auf einen breiten Stamm langjähriger Fachkräfte bauen können. Aber klar: die Suche nach neuen Leuten wird stets schwieriger. Derzeit sind wir 33 Personen in Zürich und 2 in Lausanne, wo wir seit 2015 ein Verkaufsbüro für die Romandie betreiben. Für den bestmöglichen Service an der Destination haben wir ein Team von 4 eigenen Reiseleitern auf den Malediven. Weitere Optionen sind in Prüfung.

Bei Ihnen benötigen die Mitarbeiter wohl ja auch Taucherfahrung.

Das Tauchteam besteht aus passionierten Tauchern, Taucherfahrung ist ein Must. Für den Bereich Indischer Ozean ist Tauchen ein Wunschkriterium, das aktuell rund ein Drittel der Mitarbeiter erfüllt. Wir investieren viel, um fundiertes Wissen bei unseren Mitarbeitern zu verankern, schicken sie auf Studienreisen und schulen sie intensiv. Zudem wollen wir fördern, dass sie ihre Ferien an unseren Zielen verbringen. Am Ende profitieren alle vom persönlichen Destinations-Know-How.

Zum Job bei einem Spezialisten für den Indischen Ozean gehören auch Besuche vor Ort: Thomas Meier im Constance Ephelia in Mahé auf den Seychellen. Bild: HO

Und wie läuft das Geschäft im Moment?

2018 war ein gutes Jahr, da können wir wirklich zufrieden sein. Nicht nur die Umsatzziele haben wir erreicht, auch die qualitativen Vorgaben. In diesem Jahr sind die Buchungseingänge generell noch etwas unter den Erwartungen. Bei den grossen Destinationen Malediven und Mauritius liegen wir etwas unter Vorjahr, bei kleineren Zielen wie Sri Lanka oder am Roten Meer verzeichnen wir hingegen erfreuliche Zuwächse.

Mit welchen Erwartungen reisen Sie an die ITB Berlin?

Als Plattform für den Austausch mit unseren Leistungsträgern ist die ITB für mich und unsere Product Manager ein Fixpunkt in der jährlichen Agenda. Im Vordergrund steht die Zusammenarbeit mit unseren Partnern. Die Messe bietet aber auch wertvolle Gelegenheiten zur Pflege bestehender oder zur Knüpfung neuer persönlicher Beziehungen.

«Einen Boom sehen wir bei Tauchkreuzfahrten. Man lebt auf dem Schiff unter Gleichgesinnten und gelangt meist auch an Riffe, die ausserhalb des Radius von Tagestouren liegen.»

Welches sind die jüngsten Tauchtrends?

Wir bieten eine breite Palette von Tauchparadiesen rund um den Äquator an, angefangen von den Galapagos Inseln über die Karibik, den Indischen Ozean bis hin nach Ozeanien. Ein anhaltender Trend ist Indonesien, insbesondere Raja Ampat vor Westpapua im Osten des Landes. Hier findet man die artenreichsten Tauchgebiete des Planeten und stets wieder neue Tauchresorts oder Tauchkreuzfahrtschiffe. In den benachbarten Nord-Molukken haben wir seit kurzem neu das Sali Bay Resort im Programm: landschaftlich grandios mit perfekten, intakten Tauchgründen. Da bist du weit und breit der einzige Taucher, off the beaten track, wie auf den Malediven vor 50 Jahren. Einen Boom sehen wir aktuell im Roten Meer und im Bereich der Tauchkreuzfahrten. Man lebt auf dem Schiff unter Gleichgesinnten und gelangt meist auch an Riffe, die ausserhalb des Radius von Tagestouren liegen. Den Ausbau dieser Sparte beobachten wir fast auf der ganzen Welt. Ein anhaltender Trend bei uns ist übrigens auch das Schnorcheln. Da nehmen Gäste grosse Aufwände auf sich, um spannende, intakte Schnorchelgründe zu entdecken. Und wir haben das perfekte Programm dazu.

Manta Reisen wird in diesem Jahr 40 Jahre alt. Ist der Spirit der Gründer-Crew noch spürbar? Und steigt eine grosse Feier?

Der Gründer war Hans Stadtmann. Seine Vision kenne ich jedoch nicht mehr. Stark geprägt hat das Unternehmen Amy Stierli in den 90ern. Ihre Vision ist schon noch ein Stück weit spürbar. Sie legte grossen Wert auf persönliche Kenntnisse und Verbindungen, wie auch auf das Thema Unterwasserwelt. Das ist in der DNA von Manta Reisen bis heute verankert. Und mir liegt viel daran, dies so weiterzuführen. Und ja, natürlich haben wir noch Pläne für unser Jubiläumsjahr! Wir berichten zu gegebener Zeit.

Was halten Sie von der Entwicklung auf den Malediven mit neuen Resorts und künstlichen Inseln?

Ich bin schon etwas besorgt über die jüngste Entwicklung. Die Destination geniesst grosse Popularität, verzeichnet weltweit eine konstant steigende Nachfrage. Die Resorts operierten über Jahre mit enormen Jahresauslastungen von über 80%, bei guter Rentabilität. Nun drängen stets neue Hotels in den Markt, die Nachfrage nach Resortinseln ist enorm. Insbesondere für die zentralen Atolle, die gut und schnell von Male aus erreichbar sind. Dies führte jüngst zur Genehmigung von zahlreichen Projekten, um Lagunen aufzuschütten  und hier künstliche Luxusinseln zu kreieren. Ich hätte mir eine langsamere und vor allem nachhaltigere Entwicklung gewünscht. Im Portfolio von Manta finden komplett aufgeschüttete Inseln keinen Platz! Wir wollen diesem Trend entgegenwirken, unsere Kunden und Partner sensibilisieren. Die Malediven sind ein Naturparadies – und das sollten sie auch bleiben. Natürlich gibt es auch positive Aspekte der Entwicklung, wie der Bau der zweiten Piste am Airport, der Ausbau seiner Infrastruktur und die Förderung des lokalen Transportwesens.

Welche weiteren nachhaltigen Bemühungen verfolgen Sie?

Mit der Zertifizierung von TourCert anfangs 2018 hat die Nachhaltigkeit für uns eine neue Dimension erhalten. Wir haben uns verpflichtet, das Thema ernst zu nehmen und wo immer möglich, weiter voranzutreiben. Nach einer intensiven Analyse arbeiten wir seither an einem Verbesserungsprogramm, welches auf alle Bereiche unserer Unternehmung eingeht. Sowohl bei internen Abläufen und Prozessen, wie auch in Zusammenarbeit mit unseren Leistungsträgern. Wir haben bereits einiges getan. Wir fördern und unterstützen NGO’s, sensibilisieren Kunden und Agenten auf diversen Kanälen. Neu weisen wir in den Katalogen auf die Nachhaltigkeit hin, zertifizierten Hotels aus und führen innovative Beispiele auf, wie soziale oder ökologische Verantwortung von Leistungsträgern gelebt wird. Dies soll Kunden, aber auch andere Partner anregen, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Braucht es den kanadischen Lachs wirklich im Indischen Ozean? Will ich eine Delphin-Safari unter diesen Umständen tatsächlich unterstützen? Wir wählen unsere Partner bereits seit Jahren sehr sorgsam aus. Mit der Erarbeitung eines Kriterienkataloges für Hotels- und Leistungsträger geben wir dem Thema weiteres Gewicht. Neben dem, was wir selbst tun können, wollen wir vor allem auch sensibilisieren, dass es noch andere wertvolle Faktoren gibt bei der Hotelauswahl, als nur Preis und Infrastruktur. Am Schluss muss der Kunde entscheiden. Aber wir fördern das Thema gleichwohl weiter.