Reiseanbieter

fespo_30.jpg
Bildergalerie
9 Bilder
Das Gastland Mongolei mit zahlreichen Artisten prägte die diesjährige Fespo. Bilder: Fespo

Kommentar Das war die Fespo 2019

Von Gregor Waser

Haben die Ferienmessen im Digitalzeitalter ausgedient? Von wegen. Die Fespo 2019 konnte die Bedeutung der persönlichen Begegnung eindrücklich unterstreichen.

Die viertägige Fespo 2019 ist Geschichte. Am Sonntagabend schloss die Messe Zürich ihre Tore, nachdem 65'000 Besucherinnen und Besucher, gleich viele wie im Vorjahr, sich von den vielen Ferienideen inspirieren liessen.

Zweifel standen im Vorfeld im Raum. Mit der Deutschen Zentrale für Tourismus wendete sich eines der langjährigen Flaggschiffe von der Fespo ab. Begründet wurde der Entscheid mit einer Verlagerung der Marketingaktivitäten in den digitalen Bereich. Ein wegweisender Entscheid für die Fespo? Auch die Uhrenmesse hinterfragt derzeit das Format, die Muba in Basel findet gar das letzte Mal statt.

Trotz der vielen Fragezeichen konnte die diesjährige Fespo nun den Beweis erbringen, dass zumindest in der Ferienindustrie, die Live-Begegnung sehr wichtig ist. Viele Fespo-Aussteller haben es verstanden, den Kontakt mit den Besuchern zu knüpfen.

Eindrücklich wie an den Ständen vom Reisebüro Mittelthurgau und von TUI Suisse sich die Leute drängten und gleich vor Ort zur Tat schritten und eine Reise buchten. Schlangenstehen bei Universal Reisen oder ITS Coop Travel: wer geschickt Preise verlost, kann über grossen Zuspruch am Stand zählen – und die Leute beim Anstehen gleich in ein Gespräch verwickeln. Australien-Anbieter Move Reisen zog ebenfalls ein gutes Fazit. Zahlreiche konkrete Offerten lagen auf dem Tisch, aus denen etliche Buchungen hervorgehen dürften.

Der gute Mix – trotz prominenten Abwesenden

Dass 2019 als guter Jahrgang für die Fespo eingehen wird, hat mit mehreren Faktoren zu tun:

  • Den Messeorganisatoren um Messeleiter Stephan Amstad ist es gelungen, eine grosse Bandbreite an spannenden und motivierten Ausstellern zu gewinnen – allen voran mit dem Gastland Mongolei war an der Fespo ein überraschendes Reiseziel präsent mit beeindruckenden Darbietungen und interessanten Gesprächspartnern. Die Mongolei zu toppen wird schwierig im nächsten Jahr.
  • Nach dem letztjährigen Traumsommer scheint die Schweizer Bevölkerung noch nicht gebucht zu haben. Die von schlechtem Wetter geprägten Fespo-Tage waren nun die ideale Gelegenheit für viele Besucher, sich dem Thema Ferien anzunehmen.
  • Unter den Ausstellern waren auch solche auszumachen, die in der digitalen Welt ihr Glück nicht gefunden haben. Oder wie es einer der Aussteller sagte: Ich mag nicht mehr für den Google-Klick «Costa Rica» fünf Franken aufwerfen, da bringt mir eine Messe mehr.

Kehren bei den Ausstellern die Digital-Muffel wieder an die Reisemessen zurück? Mal schauen. Es fehlten an der diesjährigen Fespo weiterhin zahlreiche prominente Länder und Organisationen, die ihr Vermarktungsglück anderswo suchen. Von Schweiz Tourismus keine Spur, Österreich, Frankreich und die USA fehlten ebenso, auch die Swiss.

Zuhören ist die halbe Buchung

Auch für travelnews.ch hat sich die zweite Live-Teilnahme gelohnt. Wir waren mit dem gesamten Redaktions- und Sales-Team vier Tage lang in der Halle 4 präsent und freuten uns über viele interessante Begegnungen und Gespräche.

Zugegeben, live vor Ort zu arbeiten, hat seine Tücken. In 30 Minuten sollte der Newsletter raus, noch sind zwei Artikel offen, Bilder sollten runtergeladen werden, und am Stand stehen wartende Gäste, möchten sich den Wettbewerb erklären lassen – oder ganz einfach über ihre letzte Reise sprechen. Blick auf die Uhr, noch 25 Minuten bis zur Deadline, der ältere Herr erzählt von seiner Asien-Rundreise und dass der Aufenthalt in der Halong-Bucht viel zu kurz ausgefallen sei. Und in der Brunei würde er nicht mehr stoppen. Die Zeit drängt.

Doch die Gespräche, wenn teils auch langatmig, sind gut. Denn nirgends sonst erfährt man so persönlich, wie die Reisenden ticken, was sie beschäftigt, welche Art von Reisen sie anspricht. Aussteller, die genau hinhören und sich die Zeit nehmen, passende Antworten und Angebote zu präsentieren, erleben an einer Reisemesse erfolgreiche Tage. Das Hinhören ist für Reiseprofis im Digitalzeitalter umso wichtiger geworden. Klickmüde Reisesuchende schätzen den Expertenaustausch jedenfalls sehr.