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Für Buchungsfehler wird die Reisebranche demnächst noch mehr zur Kasse gebeten. Bild: Adobe Stock

Swiss führt im April eine «ADM Fee» ein

Von Jean-Claude Raemy

Im Rahmen einer Harmonisierung innerhalb der Lufthansa Group wird ab April auf ADMs eine Beabreitungsgebühr von 20 Franken erhoben. Die Reisebranche dürfte alles andere als erfreut sein.

Die Lufthansa Group hat angekündigt, dass die Gebühren für die Ausstellung eines Agency Debit Memo (ADM) per 1. April 2019 harmonisiert werden. Aktuell handhaben die Konzern-Airlines ihre ADMs hinsichtlich Höhe, Bearbeitungsgebühr oder Frequenz unterschiedlich zueinander - bei SWISS gab es bisher noch nicht einmal eine Bearbeitungsgebühr.

Neu wird ab dem 1. April Folgendes gelten: Bei SWISS wird eine «ADM Fee» von 20 Franken pro ADM eingeführt. Bei Lufthansa wird dieselbe Gebühr von aktuell 10 auf 20 Franken erhöht. Bei Brussels Airlines wird die Gebühr von 15 auf 20 Franken erhöht. Bei Austrian Airlines wird die aktuelle Gebühr von 35 Franken vorerst belassen und später harmonisiert.

Künftig werden dafür Korrekturen für mehrere Tickets in einem ADM aggregiert; der Upload via BSPlink erfolgt einmal am Tag (ausser bei Brussels Airlines, wo die ADM weiterhin einmal pro Monat zusammengefasst hochgeladen werden). Die grundsätzlichen ADM-Richtlinien bleiben unagetastet; die neue Gebührenstruktur wird mit der nächsten «Booking & Ticketing Policy» der Lufthansa Group, die am 1. Februar publiziert wird, offizialisiert.

In der Mitteilung erklärt die Lufthansa Group, dass es ein Ziel für 2019 sei, die ADM-Problematik gemeinsam mit dem Vertrieb anzugehen, um künftig die generelle Anzahl ADMs zu reduzieren - «gemeinsam» scheint in diesem Fall aber eine unilaterale Erhöhung des «Bussgeldes» in Form eines ADM zu sein. Bei Zweifeln über die Rechtmässigkeit einer Buchung sollen sich Agenten am besten mit dem Agency Support der Lufthansa Group in Verbindung setzen.

Rage oder Resignation bei der Reisebranche?

Vor allem bei den grossen Ticketbrokern ist man alles andere als erfreut. Noch ist es etwas früh für offizielle Stellungnahmen, aber Travelnews weiss, dass die Reaktionen auf die Ankündigung irgendwo zwischen Frust und Resignation schwanken. «Man ist es sich von der Lufthansa-Gruppe nicht mehr anders gewohnt», lautet etwa die Reaktion einer Broker-Mitarbeiterin. Die neue Gebühr dürfte die Broker viel Geld kosten, aber nicht nur sie: Wenn eine Filiale oder ein unabhängiger Vertriebspartner den Buchungsfehler begeht, wird das ADM natürlich weiter belastet. Unter dem Strich muss sich also die Reisebranche generell an höhere Kosten für Flugticketbuchungen gewöhnen. Buchungen, für welche sie in den meisten Fällen auch nicht kommissioniert wird, nota bene.

Luc Vuilleumier, Präsident des Reisebüro-Verbands STAR, nimmt wie gewohnt kein Blatt vor den Mund: «Mich wundert es, dass nicht gleich 200 Franken verlangt werden. Das Einholen von ADM ist längst eine 'Money-Machine' geworden, wo die Reisebranche für allerkleinste 'Vergehen' gemolken wird. Der Aufwand ist für Swiss doch eh gering, weil man das Einholen der ADM längst ausgelagert hat.»

In der Regel richtete sich die Höhe des ADM bislang an der Art des «Vergehens» - und solche Vergehen sind angesichts der hochkomplexen Ticketausstellungs-Regelungen schnell einmal passiert. Manchmal sind die ADMs aber auch absurd: Vuilleumier erzählt, dass er teils schon ADM in Höhe von 20 Rappen erhalten habe. Dafür könnte nun also eine Bearbeitungsgebühr von 20 Franken erhoben werden. Sinnvoller wäre wohl, wenn es technologisch gar nicht mehr möglich ist, ein Ticket ausserhalb der eigentlichen «Ticketing Rules» zu buchen. Solange aber dies noch möglich ist, wird der Vertrieb zur Kasse gebeten.