Reiseanbieter

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Die Online-Plattform Klazz.com will deutlich günstigere Sprachreisen anbieten. Bild: Screenshot

Klazz und die Neuerfindung der Sprachreise

Von Gregor Waser

Das Schweizer Startup Klazz, eine reine Online-Plattform, will Sprachreisen günstiger anbieten, dank einem neuartigen Konzept ohne Agentur und Schulen – und hat eben 800'000 Dollar an Neuinvestitionen verzeichnen können.

Vor zwei Jahren gründete Oliver Flueckiger zusammen mit Magdalena Olszewska und Investor Roland Zeller die Firma Klazz mit der Idee, Sprachreisen auf eine neue, direktere Art anzubieten. Im letzten Jahr legte Klazz los und verzeichnet bisher bereits 200 Buchungen von Studenten. Jetzt schaltet das Zürcher Startup einen Gang höher. In diesem Sommer konnte Klazz neue Investitionen im Umfang von 800'000 Dollar verzeichnen.

Oliver Flueckiger.

Klazz ist eine reine Online-Plattform und funktioniert so: Wenn der Schüler auf Klazz bucht, kann er die Gastfamilie mitbuchen – das Produkt einer Agentur ist integriert –, dann erhält der Schüler Zugang zur Klazz-App, auf der die ganze Sprachreise koordiniert werden kann. Nach der Buchung erfolgt in der App online ein Sprachtest, basierend darauf wird der Schüler in die richtige Klasse eingeteilt. Ein Klick auf klazz.com zeigt Preise ab 319 Franken für den einwöchigen Unterricht und 199 Franken pro Woche bei einer Gastfamilie, bei einem Aufenthalt von vier Wochen.

«Wir bilden die Klassen in London, unserer bisher einzigen Destintation», erläutert Oliver Flueckiger, «und dort haben wir keine eigenen Räumlichkeiten, sondern wir mieten Meetingräume in Co-Working-Spaces hinzu. Das funktioniert sehr gut, weil diese Co-Working-Spaces über eine sehr tolle Infrastruktur verfügen, angefangen vom schönen Interieur bis zu kostenlosem Kaffee. Und man kommt mit echten Leuten in UK in Kontakt, nicht wie bei anderen Sprachreisenanbieter, wo man nur internationale Studenten trifft».

Neben der herkömmlichen Katalog-basierten Sprachreiseagentur benötigt Klazz auch keine teuren Schulzimmer, sondern arbeitet direkt mit Englischlehrern zusammen. Durch den Wegfall dieser beiden Stufen will der Online-Anbieter deutlich günstiger im Markt auftreten, gleichwohl «ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis anbieten», wie Flueckiger unterstreicht.

Vorerst Fokus auf Englisch

Im Moment ist Klazz in der Schweiz, Frankreich, Italien, Deutschland, Österreich und Belgien präsent. «Wir werden in diesem Jahr noch weitere Märkte hinzunehmen, zudem zwei weitere Destinationen neben London – vorerst konzentrieren wir uns aber bei den Sprachen auf Englisch», sagt Oliver Flueckiger, der Business Administration studierte und selber schon als Lehrer an Universitäten und Fachhochschulen tätig war.

Als reiner Online-Anbieter setzt Klazz auf eine aktives Feedback-System. Wöchentlich werden alle Schüler befragt und am Ende des Kurses folgt noch eine detailliertere Umfrage. Das Feedback sei durchs Band bisher sehr gut, sagt Flückiger, 4,9 Sterne lautet derzeit die Wertung auf Facebook.

Und wie ist er zwei Jahre nach Gründung mit dem Launch zufrieden? Kam alles so raus, wie es sich die Gründer anfangs vorgestellt haben? «Bei einem Startup kommt es immer ein wenig ander als man meint. Am Anfang etwa hatten wir Zweifel, ob Co-Working-Spaces wirklich für unsere Idee taugen. Doch jetzt stellen wir fest: das passt wirklich gut.» Gerade der Kontakt zu Locals etwa im Pausenraum werde sehr geschätzt.

Eine Zusammenarbeit mit Reisebüros sei bisher nicht angedacht, sagt Flueckiger, doch Klazz sei offen für alle möglichen Partnerschaften. «In Italien etwa verfügen wir über erste Partnerschaften mit Universitäten, die uns ihren Schülern empfehlen. Aber wir sind auch offen für Tests mit Schweizer Reisebüros.»