Rail & Road

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Dr. Sascha Meskendahl, CRO von Blacklane, anlässlich des Gesprächs mit travelnews.ch in einer Limousine an der ITB: «Unsere Fahrzeuge sind nie älter als drei Jahre.» Bild: TN

«Im Transfergeschäft schlummert noch viel Potenzial»

Von Jean-Claude Raemy

Bis Ende 2018 wird Blacklane in über 300 Städten «Black Car Services» anbieten können. CRO Sascha Meskendahl äussert sich zu den Gründen des Firmenerfolgs.

2011 wurde die Blacklane GmbH in Berlin als Portal für Chauffeur- und Fahrdienstleistungen gegründet. Seither hat das Unternehmen einen beispiellosen Wachstumskurs hingelegt: Blacklane-Dienstleistungen sind aktuell in 257 Städten in 50 Ländern buchbar. Was sind die mittelfristigen Ziele des Unternehmens? Travelnews.ch hat in Berlin den Chief Revenue Officer des Unternehmens, Sascha Meskendahl, in einem der Black Cars zum Gespräch getroffen.

Laut Meskendahl ist es natürlich ein Ziel, global aktiv zu sein. Nach erster Expansion in Deutschland und im DACH-Raum ist man mittlerweile gut unterwegs, um weitere Orte zu erobern. Das Ziel sei, bis Ende 2018 bereits in 300 Städten präsent zu sein, mit weiterem geplantem Ausbau in Gebieten, wo man bislang noch wenig präsent sei, etwa Lateinamerika oder Afrika. «Wir bauen ein Netzwerk auf, weil unsere Kunden ja nicht nur von Zuhause an den Flughafen, sondern auch am Zielort vom Flughafen zum Hotel oder anderen Bestimmungsorten gefahren werden wollen», erklärt Meskendahl. Die wesentlichen Stichworte hierbei seien «Kundenzufriedenheit» und «Vertrauen».

Für ersteres sorgt ein hochwertiges Produkt: Die Fahrzeuge von Blacklane sind nie über drei Jahre alt und sind in den Kategorien Business bzw. Business Van/SUV und First Class buchbar. Die Fahrzeuge sind allesamt Premium-Marken wie Mercedes, BMW, Audi, Lexus oder Cadillac, und in der Regel schwarz, ausser in sehr heissen Regionen wie dem arabischen Raum, wo Silber und Weiss als Edelfarben für Fahrzeuge gelten. Im Übrigen gehören die Fahrzeuge nicht Blacklane: «Wir arbeiten über Partnerschaften – jeweils nur mit lizenzierten und versicherten professionellen Chauffeurs», so Meskendahl.

So gesehen ist Blacklane also eine Art «Edelversion» von Uber. Tatsächlich besticht auch hier die einfache Buchbarkeit, via Desktop oder App: Start- und Zielort eingeben (wobei automatisch geprüft wird, ob dort auch ein Blacklane-Service vorhanden ist), schon erhält man Preisvorschläge für die verschiedenen Kategorien. Es handelt sich dabei um All-Inclusive-Tarife, berechnet auf Basis der kürzesten Strecke, welche unabhängig der effektiven Fahrdauer und Fahrstrecke unverändert bleiben. Der Fahrpreis beinhaltet sämtliche Steuern, Zölle, Gebühren sowie Trinkgeld. Der Clou: Am Flughafen gibt es einen persönlichen Abholservice mit Namensschild sowie 60 Minuten kostenlose Wartezeit; bei der Abholung zuhause sind «nur» 15 Minuten Wartezeit inkludiert. Man kann also bargeldlos bezahlen, erhält im Nu eine Bestätigung der Buchung und vor der Abholung auch die Kontaktdaten des Fahrers per SMS und E-Mail. Eine kostenlose Stornierung ist bis eine Stunde vor Abholung möglich. «Simple, seamless, cashless», könnte man sagen. So geht moderne Vertrauensbildung.

Aber auch für die Fahrer selber ist Blacklane eine Bereicherung. «Früher mussten Black Cars nach erledigtem Auftrag, etwa einer Fahrt an den Flughafen, in vielen Ländern häufig leer wieder zurück zum Ausgangspunkt», führt Meskendahl aus, «wenn sie aber über Blacklane einen Folgeauftrag erhalten haben, dürfen sie dank dem so genannten Taxischutz dort warten. Damit schliesst man Lücken im Angebot der Fahrer, sprich, wir verbessern ihre Marge.» Dies sei besonders wichtig, weil es sich – im Gegensatz etwa zu Uber – nicht um private, sondern um gewerbliche Fahrer handle.

Breit gefächerter Vertrieb

Angesichts dessen, was inkludiert ist, sind die Blacklane-Preise ziemlich vernünftig, und liegen laut Meskendahl meist auch unter dem, was beim Service «Uber Black» verlangt werde. Am 22. März kostet ein Transfer vom Opernhaus Zürich an den Flughafen Zürich in der Business Class 65 Euro – eine normale Taxifahrt für diese Strecke schlägt mit etwa 55 Franken zu Buche. Im Visier von Blacklane sind natürlich hauptsächlich Geschäftsreisende und «High-End-Kunden», welche die Sicherheit und den Komfort dieser Transferart schätzen und dafür etwas mehr ausgeben.

Viele Blacklane-Kunden buchen direkt – doch gebe es auch Kooperationen mit diversen Geschäftsreiseunternehmen (TMCs), so Meskendahl. Dazu sei man auch über OTAs wie etwa Expedia buchbar. Gegenüber weiteren Vertriebskanälen sei man offen: «We want to be on all shelves», erklärt Meskendahl in bestem Neudeutsch, «im Transfergeschäft liegt für viele Akteure in der Reisebranche noch viel Potenzial brach.»

Das wissen natürlich auch die grossen GDS. Bei Amadeus etwa ist die «Schliessung der Reisekette» mittels Anbieten von Transferdienstleistungen ein wichtiges Geschäftsfeld, und der GDS-Gigant kooperiert seit längerem mit Blacklane. Und so war es auch Amadeus, welche gemeinsam mit dem Verband Acriss und Blacklane die Etablierung von Standards für professionelle Fahrdienste zum Ziel erklärt hat.

Immer mehr spannende Dienstleistungen

Im Übrigen kann man mit einer Blacklane-Buchung auch Meilen sammeln. Bisher war das mit den Programmen «Miles & More» (Lufthansa Gruppe und Partner), «Enrich» (Malaysia Airlines) und «Asia Miles» (Cathay Pacific) möglich; seit Neustem ist nun auch «Krisflyer» (Singapore Airlines) ein Blacklane-Partner. Dafür muss lediglich die «KrisFlyer»-Mitgliedsnummer im Blacklane-Account hinterlegt werden. 

Meskendahl verweist auch noch auf den «Blacklane PASS». Dieser ist eine klassische «Convenience»-Dienstleistung, welcher das Erlebnis am Flughafen für Blacklane-Kunden möglichst angenehm gestalten soll. Für einen fixen Preis kümmert sich ein Blacklane-Agent am Flughafen bei Ankunft oder Abflug um alles – von Gepäck-Handling über eine Fast-Track-Immigration hin zur Fast-Track-Security und der effizienten Hilfe bei Transfers. Dieser Dienst wird bereits in 500 Flughäfen weltweit angeboten und erfreut sich laut Meskendahl steigender Nachfrage.

Wer steckt eigentlich hinter Blacklane?

Mitbegründer sind Jens Wohltorf (CEO), früher in aller Welt für die Boston Consulting Group in Berlin tätig, sowie Frank Steuer (CTO), früher Geschäftsführer von SemperLink. Beide waren also Vielreisende, welche früh die Notwendigkeit eines zuverlässigen und globalen Fahrservices erkannt hatten. Doch ohne fremde Hilfe geht es ja nicht – zu den Investoren zählen namhafte Unternehmen wie der Autobauer Daimler (welcher schon an drei Investitionsrunden mit dabei war), aber auch die Alfahim Group aus Abu Dhabi, die Investmentbank Alstin von Carsten Maschmeyer sowie diverse «Business Angels». Blacklane ist also auf einem soliden Fundament gebaut – und mehr als bereit für den nächsten Expansionsschritt.