Rail & Road

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In ein paar Wochen schon sind die giftgrünen Züge in Deutschland unterwegs. Bild: HO

Flixbus gibt in Zukunft auch auf der Schiene Gas

Der Fernbus-Anbieter steigt nach einer mehrmonatigen Testphase in den Schienenverkehr ein. Die neuen Flixtrain-Züge im firmeneigenen Grün sind ab Mitte März in Deutschland unterwegs.

Flixbus baut sein Angebot weiter aus: Der Fernbus-Anbieter will Passagiere in Zukunft nicht nur auf der Strasse, sondern auch auf den Schienen befördern. Ab dem 24. März starten die ersten Flixtrain-Züge auf der Strecke Hamburg–Essen–Düsseldorf–Köln den Linienbetrieb, bevor ab Mitte April grüne Züge auf der Linie Stuttgart–Frankfurt–Hannover–Berlin verkehren werden. Die Deutsche Bahn bekommt damit den ersten ernsthaften Wettbewerber im Fernverkehr.

Im August 2017 übernahm Flixbus den damals insolventen Zugbetreiber Locomore, dessen Züge als Test auf der Strecke Berlin–Stuttgart dienten. Man habe die günstige Gelegenheit genutzt, bei einem insolventen Zugbetreiber einzusteigen und auszuprobieren. Flixbus-Chef André Schwämmlein sagt: «Die Testphase hat super funktioniert. Wir sind mit den Zahlen auf der Strecke Berlin–Stuttgart sehr zufrieden, vor allem mit dem Passagieraufkommen» Seit der Übernahme der Streckenvermarktung im Sommer 2017 habe Flixbus bereits mehr als 150'000 Tickets verkauft.

Flixtrain zunächst nur in Deutschland unterwegs

Ende März werden die Züge zwischen Köln und Hamburg täglich unterwegs sein – ausser mittwochs. Ab April soll dann der Zug von Stuttgart nach Berlin fahren, wobei ab Sommer 2018 auf der gleichen Strecke ein weiterer Zug folgt.

Über die Gründe für den europäischen Fernbusmarktführer, jetzt auch auf der Schiene unterwegs zu sein, sagt Schwämmlein: «Mit dem Zug sind wir plötzlich für Kunden relevant, für die wir bisher nicht interessant waren. Davon profitiert auch unser Fernbusangebot. Wir denken durchaus darüber nach, das Geschäft mit Fernzügen auszubauen.»

Nun investiert Flixbus nach eigenen Angaben einen einstelligen Millionenbetrag in den Aufbau des Flixtrain. Zum Start gibt es Billete ab 9.99 Euro. In Boomzeiten sollen die Tickets nicht mehr als 99 Euro kosten. «Wir werden auf jeden Fall mit extrem attraktiven Preisen in den Markt gehen», lässt Schwämmlein verlauten. Bis auf Weiteres will sich Flixtrain ausschliesslich auf Deutschland konzentrieren. «Grenzüberschreitender Verkehr ist wegen der unterschiedlichen Systeme kompliziert, da setzen wir auf den Bus», so Schwämmlein weiter.

Konkurrenz für die Deutsche Bahn

Der Vorstoss von Flixbus in den Schienenverkehr ist wahrlich ein Paukenschlag. Bislang sind sämtliche Versuche, der Deutschen Bahn Paroli zu bieten, gescheitert. Doch mit Flixbus versucht sich nun ein erfolgreicher Mobilitätsanbieter, der aufgrund von finanzkräftigen Inverstoren das Zeug dazu hat.

Flixtrain setzt auf gebrauchte Züge und will sich qualitativ zwischen dem ICE, der Deutschen Bahn und dem eigenen Fernbus positionieren. Betrieben werden die Züge von dem tschechischen Unternehmen «Leo Express» und dem deutschen «Bahn Touristik Express». Als Konkurrenz zum ICE und der Deutschen Bahn sieht sich Flixbus aber nicht. «Wir fahren bis Sommer 2018 drei Züge. Die Deutsche Bahn hat alleine 280 ICE-Züge in ihrer Flotte. Unsere ersten Angebote sollten eigentlich keine Panik im Bahntower auslösen», sagt Schwämmlein. Man darf gespannt sein auf die Reaktion von DB-Seite.

(YEB)