Rail & Road

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Franz Hörl (links) und Berno Stoffel: die beiden Verbandschefs haben trotz der Konkurrenzsituation einen guten Draht zueinander. Bilder: TN

Österreichische und Schweizer Bergbahnen im Kreuzverhör

Von Gregor Waser

«Sind Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst?» – Bei einem Podiumsgespräch mussten Franz Hörl, Obmann des Fachverbandes Seilbahnen Österreich, und Berno Stoffel, Direktor Seilbahnen Schweiz, kritische Fragen beantworten.

Im Zweimonatsrhythmus laden die Swiss Travel Communicators (STC) ihre Mitglieder zu einem stets gut besetzten Podiumsgespräch ein. Gestern schalteten sich zum Event im Sorell Hotel Zürichberg neben den anwesenden STC-Mitgliedern auch zahlreiche österreichische Gäste via Zoom hinzu. Schliesslich standen mit Franz Hörl, dem Obmann des Fachverbandes Seilbahnen Österreich, und Berno Stoffel, dem Direktor der Seilbahnen Schweiz, zwei spannende Persönlichkeiten und direkte Konkurrenten auf der Bühne. Weiter ergänzten Lukas Widmer vom NGO «Protect our Winters» sowie die beiden STC-Moderatoren Vanessa Bay und Dominik Buholzer die Runde.

Während die Seilbahnen Schweiz von lockeren Corona-Auflagen profitierten und im vergangenen Winter gar die Saison 2018/2019 übertrafen, waren die Rahmenbedingungen und Auflagen für die Seilbahnen Österreich deutlich schwieriger – und kurzfristig ändernd. Der Lockdown im November und verspätete Saisonstart verhagelte die Saison. Entsprechend erzürnt zeigte sich Franz Hörl, der auch schon als politischer Pitbull-Terrier der Tiroler Volkspartei bezeichnet wurde, dass am 13. Dezember über Nacht eine 2g+ Regel eingeführt wurde – und bald schon, wie er erfahren musste, etwa viele niederländische Wintersportler plötzlich im Kanton Graubünden auf den Pisten standen.

Bald schon sahen sich Stoffel und Hörl Klimavorwürfen ausgesetzt und der Frage, wie die Bergbahnen künftig auf die Klimaerwärmung und möglichen Schneemangel reagieren werden. Die Zillertalbahn soll zur S-Bahn werden, nannte Hörl ein Beispiel, um dem grössten CO2-Problem, nämlich der An- und Abreise zu begegnen. Berno Stoffel sieht bei diesem Punkt nicht zuletzt auch die SBB im Zugzwang, die soll mit Zusatzzügen und mehr Platz ein besseres Freizeitangebot für Skitouristen schaffen. Weiter verwies Stoffel auf Angebote wie den Magic Pass, der in der Westschweiz zahlreiche Skigebiete mit verschiedenen Höhenlagen vereint und so den Abo-Inhabern die Möglichkeit bietet, bei Schneemangel höhergelegene Skiegebiete zu nutzen.

Lukas Widmer von «Protect our Winters» bezeichnete diese Massnahmen sowie die ständig neuen und noch besseren Schneeanlagen als blosse Symptombekämpfung, ob die Bergbahn-Betreiber denn keine neuen Ansätze hätten? Stoffel entgegnete: «Der Klimawandel hat bei uns eine hohe Priorität, das geht über die Themen Wasser, Biodiversität, Baukultur bis hin zum Energiesparen mit Fotovoltaik.» Es werde heute schon viel gemacht.

Ausverkauf und Mitarbeitermangel

Was man denn vom neuen Andermatt-Betreiber Vail Resorts halten soll? Und ob ein weiterer Ausverkauf anstünde? Stoffel, der einst in Theologie doktoriert hatte, zeigte sich gelassen und sprach von einer Veränderung zum Guten. Sawiris habe seine Stärken bei Wasser und Sand, Vail Resorts beim Thema Ski. Und auch Franz Hörl befürchtet keinen Ausverkauf der Heimat.

Ein weiteres brisantes Thema: der Mitarbeitermangel. Hier möchte Berno Stoffel auch neue Ansätze prüfen, bis hin zur Etablierung eines Campus. Künftige Branchenmitarbeitende müssten sich weiterentwickeln können. Auch die Seilbahnen Österreich kämpfen mit fehlendem Personal – Hörl: «Früher hatten sich die Burschn aus dem Dorf noch darum gerissen, auf der Pistenraupe zu sitzen», dem sei nicht mehr so. Und auch gegen den Schwund junger Scheesportler kämpfen die Seilbahnen beider Länder. Konnten in den 90er-Jahren in Österreich noch 300'000 Jugendliche und Kinder erstmals auf den Schnee gelockt werden, sei diese Zahl bis 2019 auf 170'000 gesunken – eine ähnliche Entwicklung wie in der Schweiz. Bei diesem Punkt schöpft Berno Stoffel Hoffnung, die Initiative «Go Snow» habe jüngst wieder viele Schulklassen mobilisieren können.

Fragen aus dem Publikum und von den zugeschalteten Online-Teilnehmenden ergänzten die spannende Diskussionsstunde – mit der Erkenntnis: die Herausforderung für die Bergbahnen werden nicht kleiner.