Rail & Road

apollo_britz2.jpg
THL - mit der Marke Britz und weiteren - und der bisherige Konkurrent Apollo wollen fusionieren. Bilder: Britz/Apollo/Montage TN

Gewichtiger Merger im Motorhome-Business

Die australischen Anbieter Apollo und THL (mit den Marken Britz, Maui etc.) wollen fusionieren. Die bisherigen Konkurrenten sehen aufgrund ihrer ähnlichen Geschäftsmodelle im Zusammengehen die besten Überlebenschancen.

Im Motorhome-Business bahnt sich eine Elefantenhochzeit an. Die australische Apollo Tourism & Leisure Ltd. (Apollo) und die neuseeländische Tourism Holdings Ltd. (THL) haben an der australischen Börse ASX einen Merger-Vorschlag eingereicht. Als Teil der vorgeschlagenen Fusion würden die beiden Firmen ihre jeweiligen globalen Fahrzeug-Netzwerke erweitern, einschliesslich der Vermietung, des Verkaufs, der Herstellung und des Service von Wohnmobilen.

THL, 1984 gegründet und seit 1986 an der neuseeländischen Börse gelistet, bot ursprünglich Helikopter-Touren, Schiffsausflüge und andere Transportleistungen im neuseeländischen Tourismussektor an, konzentrierte sich aber im Laufe der Jahre immer stärker auf das Motorhome-Segment, in welchem es mit den folgenden Marken präsent ist: Maui, Britz, Road Bear (Akquisition 2010), El Monte (Akquisition 2016), Mighty, Mighway, KEA Campers (Australien und Neuseeland) und Caravans International Munro. Dazu ist das Unternehmen weiterhin auch im touristischen Sektor tätig, allerdings nur in Neuseeland, während man mit dem Motorhome-Geschäft in ganz Ozeanien und Nordamerika aktiv ist. Am 9. Dezember hatte THL eine Marktkapitalisierung von rund 438 Millionen NZL-Dollar (298 Millionen Franken).

Apollo wurde 1985 gegründet und war bis 2016 im Alleinbesitz der Familie Trouchet, welche auch nach dem Börsengang 2016 noch Mehrheitseigentümerin (53,4% der Aktien) ist und der Fusion ausdrücklich zugestimmt hat. Auch Apollo ist primär im Motorhome-Business in Ozeanien, Nordamerika und Europa tätig und erreichte zuletzt eine Marktkapitalisierung von 103 Millionen AUS-Dollar (73,8 Millionen Franken). Für den Aufbau des Geschäfts in Europa, 2019 angestossen, ist übrigens der Schweizer Daniel Künzi verantwortlich (Travelnews berichtete).

Genau diese Ähnlichkeit von Business und Marktdurchdringung, aber auch die gegenseitigen Ergänzungsmöglichkeiten, führten nun zur Fusionsabsicht, wie Luke Trouchet von Apollo in einem Schreiben an Partner festhält, welches Travelnews vorliegt: «Die beiden Unternehmen haben ähnliche Geschäftsbereiche und gleichgesinnte Kulturen, und wir glauben beide fest an das Potenzial des globalen Wohnmobilmarktes. Der vorgeschlagene Zusammenschluss würde uns eine bessere Plattform bieten, um die laufenden Auswirkungen von Covid-19 zu bewältigen, unseren Gästen weiterhin die bestmögliche Kombination von Produkten, Dienstleistungen und Preisen zu bieten und die Wiedereröffnung des globalen Reisemarktes besser zu nutzen. Mit einem vielfältigeren Markenportfolio, einer starken Präsenz in den wichtigsten Wohnmobil-Reisemärkten und einer solideren Bilanz wird das fusionierte Unternehmen besser in der Lage sein, die kurzfristigen Wachstumschancen zu nutzen, wenn die Grenzen wieder geöffnet werden und der grenzüberschreitende Tourismus wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht.»

Lukrativer Deal für die Aktionäre

Luke Trouchet wird im Sog der Fusion in den THL-Vorstand eintreten und mit seinem Bruder Karl Trouchet weiterhin «eine beträchtliche Beteiligung halten und beabsichtigen, langfristige Aktionäre der kombinierten Gruppe zu sein». Für die Apollo-Aktionäre ist der Deal ohnehin lukrativ: Die Apollo-Aktionäre würden nach Abschluss des Deals 25 Prozent des fusionierten Unternehmens besitzen. Im Rahmen der vorgeschlagenen Transaktion würden sie eine voll eingezahlte Stammaktie von THL für jede 3,68 Aktie von Apollo erhalten. Laut Apollo bedeutet dies für die Apollo-Aktionäre einen Wert von 0,736 Dollar pro Aktie, basierend auf dem Schlusskurs der THL-Aktien am 9. Dezember, was einem Aufschlag von 32,6 Prozent gegenüber dem Schlusskurs der Apollo-Aktien am selben Tag entspricht. Insgesamt wird Apollo damit mit rund 137 Millionen Dollar bewertet, was etwa 34 Millionen Dollar mehr ist als die Marktkapitalisierung des Unternehmens am 9. Dezember.

Letztendlich erwarten THL und Apollo, dass das fusionierte Unternehmen eine EBIT-Steigerung von 16,2 bis 18,1 Millionen Dollar pro Jahr erzielen wird und dass die beiden Unternehmen insgesamt eine Flotte von etwa 7000 Fahrzeugen besitzen werden. Obwohl die Transaktion noch von den Aufsichtsbehörden und den Aktionären genehmigt werden muss, wird erwartet, dass sie noch vor Ende des Geschäftsjahres 2022 abgeschlossen sein wird.

Die Konsolidierung im Motorhome-Bereich geht also weiter und inzwischen stechen als Grosse nur noch Cruise America und THL/Apollo hervor; natürlich gibt es noch eine Fülle kleinerer Anbieter/Marken. Durch die Abschottung von Australien/Neuseeland und bis vor Kurzem auch der USA war das Geschäft vor allem auf den Domestic-Markt beschränkt und musste im internationalen Bereich empfindliche Einbrüche verzeichnen. Es wird aber langfristig von einem weiteren Wachstum des RV-Marktes ausgegangen.

(JCR)