Rail & Road

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Ein Astoro am Zürcher Hauptbahnhof: Die SBB wollen künftig weiterhin auf Nachhaltigkeit und Kundenzentriertheit setzen. Bild: © SBB CFF FFS

So will die SBB aus der Coronakrise finden

Die SBB hat ihre Strategie 2030 vorgestellt. Dieser zufolge sollen die SBB flexibler und effizienter werden sowie gezielt und intelligent dort wachsen, wo die Bahn stark ist. In einer ersten Etappe bis 2025 stehen die Robustheit des Bahnsystems und die finanzielle Stabilität im Zentrum.

Die Schweizerische Bundesbahn (SBB) befindet sich in einer anspruchsvollen Phase. Die Mobilität wird gemäss den neusten Prognosen des Bundes weiterhin zunehmen, auch dank klimafreundlichem Reisen. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis nach Flexibilität - das Reiseverhalten wird weniger berechenbar. Die Coronakrise hat entsprechende Trends akzentuiert und Arbeitsformen verändert. Zudem belasten die Folgen des Virus die finanzielle Lage nach wie vor, der Effizienzdruck steigt.

Die Antwort der SBB darauf: Mehr Robustheit im Bahnsystem und schrittweise mehr Flexibilität in Produktion und Angebot. Dies wurde im Rahmen der Vorstellung der Strategie «SBB 2030» erörtert. Diese setzt einerseits auf Kontinuität und stelle Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Sicherheit ins Zentrum; andererseits wolle man wirtschaftlich stabil sein und bis 2030 die Kundenbedürfnisse viel besser antizipieren als heute.

Wohin die Reise konkret gehen soll, führte SBB CEO Vincent Ducrot aus: «Bis 2030 wollen wir schrittweise unser Angebot flexibler gestalten; Basis bleibt der bewährte Taktfahrplan. So machen wir die Schiene attraktiver gegenüber dem motorisierten Individualverkehr.» Entsprechend setzt die SBB die Strategie in zwei Etappen um. Bis 2025 will sie die Corona-bedingt sehr angespannte finanzielle Lage bewältigen, den Betrieb und Fahrplan stabilisieren und die Kundenorientierung erhöhen. Die erste Etappe hilft, in einem zweiten Schritt die nachfolgenden Ziele bis 2030 zu erreichen.

Kundenorientierter und flexibler

Basierend auf dem bewährten Taktfahrplan will die SBB für ihre Kundschaft das Angebot künftig flexibler gestalten als heute. Entsprechende Angebote will sie bis 2030 schrittweise ausbauen. Beispielsweise wird der Fahrplan künftig für Freizeitreisende am Wochenende anders sein als für Pendler unter der Woche oder er wird je nach Jahreszeit punktuell angepasst. Solche Angebote existieren bereits heute: So reisen Wintersportler an Wochenenden im Verbier Express direkt von Genf nach Le Châble, Sonnenhungrige mit Extrazügen an Feiertagen direkt ins Tessin.

Basis für die flexibleren Angebote von morgen sind eine robuste Infrastruktur und ein qualitativ hochstehender Bahnbetrieb. Daran arbeitet die SBB intensiv – in der Planung und in der Bahnproduktion. Notwendig sind auch mehr Reserven im Fahrplan, und zwar aufgrund immer mehr Reisenden und immer mehr Bauarbeiten. Nur so kann die Pünktlichkeit nachhaltig verbessert werden.

Bahnfahren soll 2030 auch einfacher, bequemer und attraktiver werden. Beispiele: Bessere Kundeninformation im Störungsfall, barrierefreier Zugang zur Bahn, neues und einheitliches Rollmaterial oder modernisierte Züge, die Bedürfnissen wie dem zunehmenden Velotransport Rechnung tragen. Zudem will die SBB unterschiedliche Mobilitätsformen in ihrer digitalen Plattform und in den Bahnhöfen integrieren. Das Bahnsystem flexibilisiert die SBB mithilfe der Digitalisierung im Kerngeschäft, von der Planung bis zur Bahnproduktion. Dank Immobilienentwicklung auf eigenen Grundstücken stellt die SBB zudem langfristig stabile und wiederkehrende Erträge sicher und reduziert die Kosten bis 2025 weiter, indem sie die Effizienz erhöht. Ziel ist die langfristig robuste Finanzierung eines bedarfsgerechten Service public im Öffentlichen Verkehr.

Neue Angebote ins Ausland

Die SBB will dort wachsen, wo die Bahn ihre Stärken hat: Über schnelle, längere Distanzen für Reisende und Güter sowie in den Agglomerationen. In Richtung Ausland schafft die SBB mit neuen Angeboten wie dem Nachtzug nach Amsterdam eine klimafreundliche und wettbewerbsfähige Alternative zu Flugzeug und Auto. In Zusammenarbeit mit der ÖV-Branche will sie Preise und Sortiment vereinfachen. Bahnhöfe, die Visitenkarten der SBB, sollen als attraktive Verkehrsdrehscheiben den Öffentlichen mit dem Individualverkehr vernetzen.

Auch ökologische Ziele werden gesetzt: Die SBB soll bis 2030 klimaneutral sein und die Kreislaufwirtschaft stärken. Die klimafreundliche und ressourcenschonende Bahn – im Vergleich zu Flug, Bus und E-Auto unschlagbar – leiste einen grossen Beitrag zum Klimaziel 2050 der Schweiz: Jährlich vermeidet die Schweiz dank des Schienenanteils am Verkehr den Ausstoss von fünf Millionen Tonnen CO2, was zehn Prozent ihrer Gesamtemissionen entspricht.

(JCR)