Rail & Road

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Stand heute reicht eine Maske zum Einsteigen in eine Bergbahn - doch was gilt morgen? Bild: Engelberg.ch

Kommentar Ungeschicktes Vorpreschen der Schweizer Seilbahnen

Von Gregor Waser

Freie Fahrt für Ungeimpfte, haben die Schweizer Seilbahnen gestern signalisiert. Vorschnell – denn entschieden ist noch nichts.

Während Österreich schon am 21. September klare Tatsachen schuf, mit welchen Massnahmen die kommende Wintersaison erfolgen soll (3G-Regel), stehen die Schweizer Wintersportorte und die Schneesportlerinnen und Sportler bisher im Ungewissen. Kann nur mit einem Zertifikat ins Bergbähnli gestiegen werden oder reicht eine Maske wie im letzten Winter?

Die Wintersaison steht an, die ersten Skigebiete wie Diavolezza legen am nächsten Samstag los. Und viele möchten ihre Winterferien buchen, dies aber mit der Gewissheit tun, welche Rahmenbedingungen denn nun herrschen.

Den verstärkten Druck darüber verspürt auch der Verband Seilbahnen Schweiz – und ist nun gestern an seiner Generalversammlung vorgeprescht mit der Bekanntgabe, dass auf den Winter hin keine Änderungen gegenüber den aktuellen Schutzbestimmungen für Bergbahnen eingeführt werden, die Maske in geschlossenen Kabinen reicht.

Verwirrung bleibt gross

Die schnellen, lauten Online-Medien haben die Message gleich aufgenommen und meldeten sogleich, dass auf diesen Winter hin keine Zertifikatsplicht kommt.

Nur stimmt das so nicht. Am Nachmittag nannte Patrick Mathys vom BAG das Vorgehen der Seilbahnen als vermessen. Weder Seilbahnen noch BAG entschieden über das kommende Vorgehen, einzig der Bundesrat.

Ja, was nun? Können wir die Skiferien nun buchen oder nicht? Die Verwirrung bleibt gross. Das ungeschickte und vorschnelle Vorgehen der Seilbahnen – aus dem Druck heraus, endlich Tatsachen zu liefern – ist kontraproduktiv. Zwar präzisierte Seilbahn-Präsident Hans Wicki abends dann noch, die Aussage der Seilbahnbetreiber beziehe sich einzig auf den aktuellen Stand: «Wir haben nie gesagt, es gibt kein Zertifikat.»

Die Unsicherheit bleibt. Wer sich bereits auf Zertifikats-befreite Skiferien gefreut hat (35 Prozent der Schweizer Bevölkerung ist ungeimpft), dürfte sich vor den Kopf gestossen fühlen, wenn in wenigen Wochen dann doch anders entschieden wird (bei starker Zunahme der Hospitalisationsrate). Nachdem sich Österreich und wohl auch Deutschland und Italien für das Zertifikat in den Skigebieten aussprechen, steht die Schweiz aktuell wieder als Insel da, wird erneut für Ärger bei den Nachbarn sorgen und – auch nicht gut – als zertifikatsfreie Insel wahrgenommen werden und ungeimpfte Touristen anziehen.