Rail & Road

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Im Inland statt zu fliegen vermehrt auf die Schiene: Die Luftfahrt hilft in Deutschland dabei aktiv mit. Bild: DB

Auch Deutschland will mehr Zug statt Flug

Die Deutsche Bahn und der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) haben einen Aktionsplan für Zusammenarbeit und mehr Klimaschutz vereinbart. Damit sollen mittelfristig innerdeutsch 4,3 Millionen Flugpassagiere auf die Schiene umsteigen. Merke: Kooperation ist besser als Verbote.

Vor wenigen Tagen beschrieb Travelnews, wie Frankreich per politischem Willen einen Teil der Inlandflüge verbieten will. Sämtliche innert 2,5 Stunden per Zug miteinander verbindbaren Städte dürfen im Inlandverkehr nicht mehr als Flugroute durchgeführt werden, so sieht es der Gesetzesentwurf vor. Ein relativ schwacher Gesetzesentwurf, welcher zudem mit Verboten operiert, statt die Verkehrsträger mit an Bord zu nehmen.

Deutschland macht es mit einer ähnlichen Initiative deutlich besser. Dort haben nämlich die wichtigste Bahngesellschaft, die Deutsche Bahn (DB), sowie der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) - in welchem Lufthansa Group, Condor, weitere Airlines sowie die wichtigsten Flughäfen Deutschlands Mitglieder sind - einen gemeinsamen Aktionsplan vorgestellt, der es in sich hat. Es geht um  die stärkere Vernetzung der Verkehrsträger mit dem Ziel einer Absenkung der Treibhausgas-Emissionen im Verkehrssektor. In der Erklärung kündigen die beiden Parteien an, mit einer Reihe von Massnahmen die Schnittstellen zwischen den Verkehrsträgern und das Mobilitätsangebot so zu verbessern, dass sich mehr Reisende für die Schiene entscheiden, insbesondere bei der Anreise zu Drehkreuzflughäfen. Will heissen: Weniger Inlandsflüge, insbesondere weniger Zubringerflüge zu den wichtigen Flug-Hubs.

BDL und DB sehen das Potenzial, dass sich gut 20 Prozent der innerdeutsch mit dem Flugzeug Reisenden stattdessen für die Schiene entscheiden. Dieses Potenzial wollen die Partner in den folgenden Jahren heben: Mit attraktiven Angeboten und dem fortlaufenden Infrastrukturausbau sollen rund 4,3 Millionen Fluggäste für den Umstieg auf den Zug gewonnen werden. Im Jahr 2019 hat die Luftverkehrsbranche rund 23 Mio. Reisende verzeichnet, davon 8 Mio. im Zubringerverkehr und 15 Mio. auf reinen Inlandsreisen. Im Ergebnis liesse sich der Anteil des innerdeutschen Luftverkehrs an den CO2-Emissionen in Deutschland um ein Sechstel reduzieren.

Drei Kernpunkte im Aktionsplan

Im Fokus des Aktionsplan sind drei Kernentwicklungen hinsichtlich dem Ausbau des Bahnangebots und einem vereinfachten Umsteigen von Zug auf Flug. Konkret:

Wachsendes Angebot an Zubringerzügen zu internationalen Flügen:
Das Angebot Lufthansa Express Rail wird um weitere innerdeutsche Strecken wachsen. Dort, wo die Passagiere das Angebot annehmen und vermehrt auf die Schiene umsteigen, kann die Luftverkehrswirtschaft folgerichtig Flugfrequenzen reduzieren und auch Verbindungen einstellen, wie etwa auf der Verbindung Köln-Frankfurt oder zuletzt auf der Strecke Berlin-Nürnberg. Die schnellen Bahnverbindungen sollen v.a. Zubringerflüge zu grossen Drehkreuzen sowie den Individualverkehr mit dem PKW zum Flughafen auf die Schiene verlagern.

Leichteres Umsteigen zwischen Flug und Zug:
Eine optimierte Wegführung und Beschilderung werden Reisenden den Umstieg zwischen Flugzeug und Bahn einfacher machen. Der Umstieg am Flughafen zwischen dem Zug und dem Sicherheitsbereich des Flughafens soll für intermodale Kundschaft verbessert werden. Dabei soll auch die Gepäckhandhabung einfacher werden. Den Start hierfür macht der Flughafen Frankfurt/Main.

Schnellere Zugverbindungen zwischen Metropolen:
Der Bund baut mit der DB die Bundesschienenwege zur etappenweisen Realisierung des Deutschlandtakts aus. Dies ermöglicht kürzere Reisezeiten und bundesweit aufeinander abgestimmte Anschlusszüge. Der Aktionsplan berücksichtigt leistungsstark ausgebaute, attraktive Schienenverbindungen insbesondere zwischen den Metropolen und bessere Umsteigebeziehungen im Nahverkehr. So kann der Bedarf für Inlandsflüge auf immer mehr Strecken überflüssig gemacht werden.

Der richtige Weg

Bemerkenswert ist an dieser Initiative, dass die Vertreter von Flughäfen und Airlines Hand reichen beim Versuch, mehr Menschen zum Umsteigen auf die Schiene zu bewegen und so den Klimaschutz im Verkehrsbereich zu fördern. Damit zeigen sie Verantwortungsbewusstsein, ohne jedoch Grundsatzdiskussionen über den Flugverkehr aufkommen zu lassen. Primär geht es um eine kundenfreundliche Anbindung der Flughäfen an das Schienennetz, womit für kurze und mittellange Wege zum Flughafen vermehrt auf Schiene statt auf Auto oder gar Flugzeug gesetzt wird. Es ist «aktiver Klimaschutz» der Verkehrsträger - und nicht ein (dazu noch zahnloses) Verbot von Behördenseite.

Aktuell sind in Deutschland fünf Flughäfen mit dem Fern- und Nahverkehr verbunden (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Köln/Bonn und Leipzig/Halle) sowie weitere sieben Flughäfen mit dem Nahverkehr (Dresden, Friedrichshafen, Hamburg, Hannover, Lübeck, München und Stuttgart). Der Flughafen Stuttgart wird ab Dezember 2025 an den Fernverkehr angebunden, und auch Bayern prüft eine weitergehende Anbindung des Flughafens München. Das ist letztlich auch für den Schweizer Markt von Interesse - wobei unsere Landesflughäfen Zürich und Genf bereits sehr gut an das Verkehrsnetz angeschlossen ist. Basel arbeitet noch dran...

Alle Details zum DB/BDL-Aktionsplan gibt es unter diesem Link.

(JCR)