Rail & Road

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So sehen die Schlafkabinen von Ridecabin aus, einem Nachtbus-Anbieter an der US-Westküste. Der «Nachtbus der Zukunft» von Twiliner könnte ähnlich aussehen. Bild: Ridecabin

Twiliner, der Schweizer Nachtbus mit Schlafzimmern

Ein Schweizer Startup mit prominenten Partnern im Rücken denkt den Nachtbus für Europa-Strecken neu. Was halten Sie davon?

Busreisen mit bequemen Liegepositionen sind in Asien und Südamerika bekannt. Sogar mit lay-flat-seats in Schlafkapseln operiert der Anbieter Ridecabin an der US-Westküste. Jetzt greift auch ein Schweizer Unternehmen gemäss der «Handelszeitung» die Idee auf und will einen neuartigen Nachtbus lancieren, der ab der Schweiz europäische Ziele bedienen soll.

Twiliner nennt sich das Zürcher Startup, das auf prominente Partner zählen kann. Der Förderfonds der Migros unterstützt das Projekt und im Beirat von Twiliner sitzen Heinrich Marti, Geschäftsleiter des Busunternehmens Ernst Marti AG sowie Urs Rickenbacher, Geschäftsleiter der Lantal Textiles AG, führender Hersteller von Fahrzeug-Textilien. «Gemeinsam mit Partnern entwickeln und betreiben wir einen emissionsarmen und komfortablen Nachtreisebus, der aus der Schweiz in die europäischen Stadt- und Businesszentren fahren wird», lautet die Message von Luca Bortolani, Business Developer, auf der Webseite von Twiliner.

In Nachhaltigkeitszeiten, in denen Lowcost-Flüge einen schalen Beigeschmack haben, dürfte das Projekt auf Interesse stossen. Als Konkurrenz zu Nachtzügen sieht sich Twiliner nicht. «Wir möchten Nachtzüge nicht konkurrieren, sondern ergänzen», sagt Bortolani. Es sollen Strecken bedient werden, die nicht im Angebot von Nachtzügen stehen. Im Sommer 2022 soll's losgehen.

Noch keine Zulassung

Noch stehen aber Hürden im Weg. Twiliner hat dem Bundesamt für Strassen (Astra) die Lösung vorgestellt, stiess aber auf taube Ohren. Denn bis dato gibt es für Schweizer Strassen noch keine Zulassung für den Transport liegender Passagiere. «Wir bleiben dran», lautet hierzu die Twiliner-Message.

Der Nachtreisebus der Zukunft soll eine Kapazität von 16 Passagieren haben und dank Gas oder Biodiesel auf einer Strecke wie Zürich - London 180 Kilogramm CO2 einsparen im Vergleich zu einer Flugreise. Weitere Trümpfe sind die Privatsphäre an Bord, die Rede ist von «kleinen Schlafzimmern», die einem von Nackenhustern oder hektischen Telefonaten eines Sitznachbarn schützen. Zudem wartet der Nachtbus mit schnellem Internet, Mahlzeiten, Minibar und einem Unterhaltungssystem auf.

Eine gewisse Skepsis schlägt Twiliner von Mobilitätsxperte Thomas Sauter-Servaes entgegen. Der Leiter des Studiengangs Verkehrssysteme an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) sagt zur «Handelszeitung»: «Spannende Sache, aber schwierig umzusetzen. Um ein junges Publikum anzuziehen, müssten die Preise mit jenen der Billigflieger konkurrieren können.» Auch Mobilitätsexperte Kurt Metz haut die Idee nicht um: «Twiliner müsste gegenüber bestehenden Verkehrsmitteln wie Bahn, Bus und Flug wenigstens einen entscheidenden Vorteil bieten. Einen solchen Nutzen kann ich bisher nicht ausmachen».

Doch die Flexibilität, gerade bei der Streckenplanung, könnte für Twiliner zu einem Trumpf werden. «Ein Bus bringt dich praktisch von Tür zu Tür, womit du dir die Anfahrt zum Bahnhof oder Flughafen sparen kannst. Die Reisezeit kannst du zum Arbeiten, Ausruhen, Essen oder Schlafen nutzen», lautet das Twiliner-Argument.

(GWA)