Rail & Road

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Freie Fahrt für Aerosole: ein verbreitetes Bild, SBB-Passagiere ohne Maske, weil sie sich gerade verpflegen. Bild: SBB

Ohne Maske kurz etwas zu sich nehmen, ist erlaubt – wie lange noch?

Dass Schlaumeier im Zugabteil von Bern nach Zürich eine Stunde lang an einem Bier oder Kaffee nippen – ohne Maske, versteht sich –, bringt Mitpassagiere in Rage und die SBB in Zugzwang.

Jede SBB-Pendlerin, jeder SBB-Pendler kann darüber ein Lied singen. Mit der Maskenpflicht auf dem Schweizer Bahnnetz ist es nicht zum Besten bestellt.

Die Erlaubnis, die Maske kurz abzunehmen, um etwas zu essen oder zu trinken, sorgt bei Mitpassagieren für Unmut. In den Schweizer Medien kursieren derzeit zahlreiche Beispiele darüber, wie sich Passagiere einen Deut um die Maskenpflicht scheren.

Neulich im Intercity von Zürich nach Chur: Ein Paar richtet sich gemütlich in seinem Abteil ein, isst, trinkt und plaudert ununterbrochen. Die Masken haben beide abgelegt. Nach einer Stunde bittet sie ein anderer Zugpassagier, die Masken wieder aufzusetzen, schildert Radio «SRF3» das Beispiel. Das Pärchen weigert sich. Das sei erlaubt. Schliesslich seien sie am Essen.

Weil die Bars und Clubs geschlossen sind, bestreiten mehrere Jugendliche im Grossraum Zürich ihren Ausgang im Zug. Sie decken sich mit Alkohol ein und fahren mit der S-Bahn mehrmals dieselbe Strecke hin und her, berichtet der «Tagesanzeiger».

Wo liegt die Grenze?

Gegen die Corona-Verordnung verstossen sowohl das essende Pärchen wie auch die Jugendlichen. Schliesslich ist das Ausziehen der Maske zum Trinken oder Essen im Zug nur für kurze Zeit erlaubt. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) nimmt auf SRF-Anfrage Stellung: «Fälle, in denen diese Ausnahme offensichtlich für längere Mahlzeiten oder Trinkgelage missbraucht wird, müssten vom Bahnpersonal analog der Maskenpflicht behandelt werden. Also ansprechen und wenn nötig büssen.»

Doch wo liegt die Grenze zwischen kurz etwas zu sich nehmen und einem Ess- und Trinkgelage? Wie soll das kontrolliert werden? Am einfachsten und konsequentesten wäre wohl ein generelles Trink- und Essverbot in der Bahn. Doch davon möchten Bund und SBB absehen.

Die Kritik ob all der Schlaumeier, die den gummigen Maskenparagraphen ausnutzen, wächst. Die Angst vor Aerosolen in der Zugwagenluft wird in diesen Tagen der Ausbreitung des Mutantenvirus immer grösser. Immerhin sucht nun das BAG mit den SBB und mit Postauto Schweiz das Gespräch, um die Fälle zu besprechen. Man prüfe eine Flyer- oder Plakatkampagne, lautet eine mögliche Massnahme. Ob sich die Schlaumeier davon abhalten lassen?

(GWA)