Rail & Road

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Die Ferienform «Camper» ist behaftet mit Vorurteilen. In ihrem pesönlichen Jahresrückblick bricht Sabine Denzel eine Lanze für die Ferien auf vier Rädern. Bild: Adobe Stock

Mein 2020 Ferien im Camper – die andere Art zu reisen

Von Sabine Denzel

Dieses verrückte Jahr benötigte neue Ferienideen. So verbrachte Sabine Denzel ihre diesjährigen Sommerferien.

Drei Kinder, Ferienzeit und die Liste der Länder mit Reiseverboten ändert sich ständig. Das Risiko, in ein Land zu reisen, das plötzlich auf der Liste der Länder mit anschliessender Quarantäne landet ist uns anfangs Sommer zu gross, daher fallen für uns Flugreisen in diesem Jahr aus. Bleibt also nur die Reise mit dem eigenen PKW, so dass man gleich reagieren kann, sollte sich etwas ändern.

Dieses Jahr entscheiden wir uns für eine Ferienart, die im Trend liegt – Ferien im eigenen Camper. Auch wenn man vielleicht nicht gleich einen eigenen Camper kauft –w as im übrigen gar nicht so einfach ist, denn die Lieferfristen sind so lang, dass man diesen dann eher für die Ferien im kommenden Jahr einplanen sollte –, Vermieterfirmen gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Vom T5 Camper, wie man sie beispielswiese in der Schweiz problemlos bei Citypeak Camper mieten kann über eine grosse Flotte von Campervans (unser Tipp: bei Indiecamper bekommen auch kurzentschlossene noch etwas) bis hin zu grösseren Wohnmobilen, die auch für eine 5-köpfige Familie geeignet sind: wir sind bei Reisemobile Melzer in Jestetten DE fündig geworden.

Nun kamen die vielen Vorurteile auf uns zu – alles viel zu eng! Die ständige Fahrerei! Selber kochen!  Gut, mit einem Vorurteil muss man leben können, ein Camper mit wenigen Quadratmetern ist durchaus eng. Wenn morgens zwei Pubertierende, ein Kleinkind und zwei Erwachsene aufstehen und sich anziehen, dann geht das nur im Schichtbetrieb – immer abwechselnd. Doch gerade in den Sommermonaten ist ein Camper nur der Ort zum schlafen – gelebt wird ausserhalb. Und auch in den Herbst und Wintermonaten ist ein Leben im Camper durchaus kuschelig und gemütlich.

Der Weg ist das Ziel

Das Vorurteil der ständigen Fahrerei ist ebenfalls Ansichtssache. Es kommt darauf an, wie man die Ferien angeht. Im PKW fährt man normalerweise in einem Rutsch durch, bis man am Ferienziel angekommen ist. Dann gehen die Ferien los. Das ist natürlich auch in einem Camper so machbar. Durchfahren bis zum gebuchten Campingplatz und erst dann die Ferien beginnen.

Das muss aber nicht so sein. Der Weg ist das Ziel. Stellplätze für Camper, bei denen auch mal nur eine Nacht verbracht werden kann, gibt es eigentlich in jeder Stadt. Und wenn nicht, dann kann auch einmal ein Wanderparkplatz zum Übernachten genutzt werden, wichtig ist natürlich nur, dass die Regeln eingehalten werden, also nicht in Parkverboten übernachten und – das sollte selbstverständlich sein – auch der Abfall wieder mitgenommen wird.

So können mit einem Camper wunderbar Rundreisen unternommen, verschiedene Sehenswürdigkeiten und Städte angefahren werden. Und wenn ein Ort schön ist, dann bleibt man eben noch ein bisschen. Doch auch Campingplätze bieten gerade wenn man mit Kindern unterwegs ist mittlerweile ein vergleichbares Unterhaltungsprogramm wie viele Hotelanlagen. So haben wir für unsere zwei Wochen Brandenburg für Hin- und Rückweg jeweils Zusatzübernachtungen unterwegs eingeplant, so dass wir jeweils nur vier Stunden am Tag gefahren sind.

Das Vorurteil selber kochen steht natürlich auch im Raum. Und ja, ich habe hier wirklich auch keine Lust dazu, es sollten ja auch für mich Ferien werden. Hier ist es natürlich auch eine Frage des Budgets. Eine Variante ist – warum selber kochen, wenn es so viele leckere Restaurants unterwegs gibt? Wenn beispielsweise Lieferando auch bis direkt an den Camper liefert? Wenn es gerade für Männer – ja, jetzt spiele ich mit Vorurteilen – ganzjährig eigentlich das grösste ist, ein paar Stücke Fleisch auf den Grill zu werfen? All das ist im Camper möglich. Mein Mann hat uns mit Schweinefilet im Speckmantel verwöhnt, der Lieferando-Service hat uns in Berlin Sushi und in Bayern indisches Essen bis direkt an die Campertüre geliefert und beim aktuellen Lockdown in Deutschland besteht sogar die Möglichkeit, vor einem Restaurant im eigenen Camper zu speisen.

Weitere Vorteile der Camperferien

Wo sonst kann man kurzfristig noch entscheiden, ob die Wettervorhersage es zulässt, dass Ferien im Norden angebracht sind oder ob man doch lieber Richtung Süden fährt?

Gibt es eine Reiseart, die  so Corona-sicher ist wie diese? Bei der Reise kommt man mit niemanden in Kontakt wenn man das nicht möchte, der Abstand wird gewahrt und man hat die eigenen vier Wände mit dabei.

Camperferien sind im Trend und viele Länder bauen ihre Infrastruktur entsprechend aus. Wem Campingplätze zu voll sind – Landvergnügen in Deutschland oder France Passion in Frankreich bieten eine grosse Sammlung von Stellplätzen bei Winzern und auf Bauernhöfen. Stellplätze mit und ohne Strom sind mittlerweile in fast allen grösseren Gemeinden vorhanden.

Länder, die vielleicht sonst nicht unbedingt auf der Liste stehen locken nun durchaus, warum nicht einmal Polen entdecken? Auch Tschechien ist ein Land mit wunderschönen Campingplätzen und vielen Sehenswürdigkeiten.

Ein Argument, das für uns noch wichtig ist, zu unserer Familie gehört auch unser Hund, der natürlich bei Camperferien mitreisen darf und bei den meisten Campingplätzen auch herzlich willkommen ist, im Gegensatz zu vielen Hotels.

Mein Fazit nach diesem Jahr mit Camper-Ferien: wir werden dies immer wieder machen! Deswegen steht nun auch bei uns im Hof unser eigener Campervan, denn auch übers Wochenende gibt es so viele schöne Ecken, die es wert sind, entdeckt zu werden. Immer mit dem eigenen kleinen Zuhause auf Rädern.