Rail & Road

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Einmalige Spielerei oder eine Fortbewegungsart für die Zukunft? Bild: Screenshot Adventures Overland

Eine Busreise durch 18 Länder über 70 Tage

Das indische Reiseunternehmen Adventures Overland lanciert eine Bustour von Delhi nach London, welche durch insgesamt 18 Länder führt. Der Clou: Man kann den Dienst als Hop-Off/Hop-On, also für Teilstrecken, buchen.

In den 60er Jahren gab es sie bereits, die interkontinentalen Busreisen. Diese führten von London via Frankreich, Italien, Jugoslawien, Bulgarien, Türkei, Iran und Pakistan nach Indien - für wenig Geld, dafür über mehrere Wochen hinweg. Beliebt waren diese Reisen vor allem bei den Hippies, welche in Indien auf der Suche nach dem Sinn des Lebens waren. Mit dem Aufkommen der günstigen und deutlich schnelleren Flugreisen wurde diese Reiseform aber obsolet.

Doch nun soll es ein Revival geben. Allerdings in anderer Richtung: Der indische Reiseanbieter Adventures Overland lanciert den «Bus to London». Dieser startet in Delhi und führt nach London, jedoch nicht auf direktestem Weg, sondern innert 70 Tagen und über eine Distanz von rund 20'000 Kilometern durch 18 Länder. Die Reise klingt gelinde gesagt abenteuerlich: Ab Delhi geht es zunächst ostwärts nach Myanmar, dann via Bangkok (Thailand) und Laos quer durch ganz China (via Chengdu und durch die Gobi-Wüste) bis nach Kirgisistan, weiter der Seidenstrasse entlang über Usbekistan und Kasachstan nach Russland. Nach der Querung von Westrussland inklusive Stopp in Moskau geht es dann via Lettland und Litauen nach Polen, über die Tschechische Republik (Prag) nach Deutschland (Frankfurt) und von dort aus via den Niederlanden, Belgien und Frankreich schliesslich durch den Eurotunnel nach England und London.

Das Spannende daran: Die Busreise, welche im Mai 2021 losgehen soll, ist als Hop-Off/Hop-On konzipiert, also so, wie zahlreiche Stadtrundfahrts-Bustouren, mit dem Unterschied, dass man hier international fährt. Will heissen: Man muss sich nicht 70 Tage im Bus antun, sondern kann auch Teilstrecken fahren. Insgesamt stehen vier Teilstrecken zur Auswahl. Für die Gesamtstrecke werden nur 20 Tickets verkauft, zum stolzen Preis von umgerechnet rund 18'450 Franken. Hey, immerhin ist der Bus topmodern: Geboten werden neigungsfähige «Business-Sitze» mit viel Beinfreiheit, private Ablagefächer, Wifi, individuelle Entertainment-Systeme mit AUX- und USB-Ports sowie natürlich genügend Auflademöglichkeiten.

In Zeiten, in denen wieder etwas weniger geflogen wird und sich viele Personen Gedanken dazu machen, weniger und dafür länger zu reisen, ist dies ja vielleicht eine gangbare Alternative. Der neue Reisestandard wird es aber kaum werden.

(JCR)