Rail & Road

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André Wildberger (sitzend) hat mit seinem Team von Twerenbold Reisen das Angebot an Schweiz-Reisen ausgebaut. Bild: Twerenbold

«Die Arbeit von Monaten war von einem auf den anderen Tag zunichte gemacht»

André Wildberger, Geschäftsführer der Twerenbold Reisen AG, nennt im Interview die Massnahmen zur Krisenbewältigung und sagt, welche Neuerungen das Reisebus-Unternehmen geplant hat.

Herr Wildberger, über wieviele Reisebusse verfügt Twerenbold Reisen insgesamt? Wieviele davon sind bereits wieder im Einsatz?

André Wildberger: Wir haben 67 Reisebusse und 13 sind seit dem letzten Wochenende wieder im Einsatz. Ab dem nächsten Wochenende vom 18. und 19. Juli sind bereits wieder 33 unterwegs.

Wie haben Sie die letzten vier Monate erlebt?

Noch zu Jahresbeginn waren wir sehr positiv gestimmt, gab es bis Februar doch einen Buchungsrekord. Ende Februar sollte mit unserer grossen Musikreise nach Mailand inklusive Sondervorstellung in der Mailänder Scala die Reisesaison 2020 eingeläutet werden. Doch dann brach Corona in Norditalien aus und wir mussten uns entscheiden, die Reise kurzfristig abzusagen. Uns war klar: Das wird ein spezielles Jahr. Wir sollten leider Recht behalten und die Coronawelle rollte über ganz Europa – die Arbeit von Monaten war von einem auf den anderen Tag zunichte gemacht. Praktisch jeden Tag gab es neue Meldungen, auf die es zu reagieren galt. Besonders schmerzhaft ist dies natürlich unter dem Aspekt, dass wir dieses Jahr unser 125-jähriges Firmenjubiläum feiern und dazu einige exklusive Reisen und Anlässe geplant waren.

Mit welchen Massnahmen hat Twerenbold Reisen auf die Krise reagiert?

Die meisten Twerenbold-Busse wurden abgemeldet, das spart Versicherungsprämien und Strassenverkehrsabgaben. Ab April wurde Kurzarbeit für die Mitarbeitenden eingeführt und soll nun ab September reduziert werden. Während dem Lockdown wurde auf Homeoffice umgestellt. Zudem haben wir strukturelle Anpassungen in die Wege geleitet und im Moment werden personelle Abgänge nicht ersetzt. Die Annullation der vielen Reisen war administrativ eine grosse Herausforderung, die wir jedoch – so zeigen die Rückmeldungen unserer Kunden – gut gemeistert haben. Viele haben sich für eine Umbuchung oder einen Gutschein anstelle einer Barerstattung entschieden. Für den nun erfolgten sanften Saisonstart haben wir ein umfassendes Schutz- & Hygienekonzept erarbeitet, welches unsere Gäste schützt und gleichzeitig ein optimales Reiseerlebnis ermöglichen soll.

«Wir werden die ausgefallen Jubiläumsreisen im 2021 nachholen»

Wie gut schaffen Sie es derzeit, Ihre Kunden für eine künftige Reise wieder zu gewinnen?

Unsere schnelle und klare Kommunikation sowie der Umgang mit Rückerstattungen werden von unseren Kunden sehr geschätzt und spiegelt sich in zahlreichen Umbuchungen wider. Was Neukunden betrifft gibt es da natürlich unterschiedliche Typen. Manche würden am liebsten sofort wieder los reisen, andere sind da schon etwas zurückhaltender. Aufgrund der dynamischen Entwicklungen in dieser Krise ist dies aber auch verständlich. In den letzten Monaten haben die Menschen gelernt, wie schnell sich eine Situation ändern kann. Was weiterentfernte Auslandsreisen, wie zum Beispiel Griechenland oder Spanien betrifft, wartet man lieber ab und bucht dann kurzfristig oder man bucht schon fürs nächste Jahr. Unsere neuen Schweiz-Reisen als auch Reisen ins nahegelegene Ausland, wie etwa Österreich oder Deutschland, finden hingegen guten Anklang.

Welches sind die Veränderungen, mit denen Twerenbold Reisen aus der Krise hervorgehen wird?

Wir konnten in dieser Phase einige Projekte, insbesondere im Bereich der Digitalisierung, gut vorantreiben. Strukturelle Anpassungen werden zudem dafür sorgen, dass wir künftig am Markt noch schneller und zielgerichteter agieren können.

Sind Neuerungen geplant?

Wir haben unser Angebot an Schweiz-Reisen erweitert. Auf Tagesausfahrten steuern wir seit Ende Juni beliebte Schweizer Attraktionen wie das Brienzer Rothorn, das Entlebuch und Kemmeriboden-Bad, die Furka, das Jungfraujoch, Vals oder Gruyères an. Auf den Spätsommer und Herbst hin kommen viertägige Rundreisen ins Engadin, Lavaux, Tessin und Berner Oberland hinzu. Auch bei unseren Veloreisen gibt es neue viertägige E-Bike-Reisen in der Schweiz, die ins Schaffhauserland, Engadin und in die Region Jura & Drei-Seenland führen. Ein besonderes Highlight erwartet unsere Gäste auf einer neuen E-Bike-Tour ins Allgäu: Der Twerenbold Veloreisen-Botschafter und mehrfache Bahnweltmeister Franco Marvulli wird vom 13. bis 16. September 2020 mit dabei sein und unterwegs mit Tipps und seiner Sportbegeisterung für zusätzlichen Drive sorgen. Da unser 125. Jubiläumsjahr nicht so stattfinden konnte wie geplant, wird es zudem eine Neuauflage geben: 125+1. So werden wir alle ausgefallen Jubiläumsreisen inklusive der grossen Musikreise nach Mailand mit Sonderkonzert in der Scala di Milano 2021 nachholen.

Bei Twerenbold Reisen wird der Betrieb in diesen Tagen wieder hochgefahren – mit einer angepassten Destinationsauswahl. Bild: Twerenbold

(GWA)