Rail & Road

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«Ob sich das Geschäft durch die Grenzöffnung erholt, hängt noch von vielen Faktoren ab», sagt Thorsten Lehmann, Geschäftsführer von Sunny Cars. Bild: HO

«Erste Anzeichen, dass die Buchungen für Mietwagen langsam zurückkommen»

Von Gregor Waser

Thorsten Lehmann, Geschäftsführer von Sunny Cars, äussert sich im Interview zum Krisenjahr und sagt, dass das Bedürfnis nach Hygiene steigt.

Herr Lehmann, wie hat sich die Corona-Krise bei Sunny Cars ausgewirkt?

Thorsten Lehmann: Wir haben im März, April und Mai einen Rückgang des Geschäfts um ca. 95% registrieren müssen. Im Juni sehen wir erste Anzeichen dafür, dass die Buchungen langsam zurückkommen. Das Aufkommen macht derzeit, je nach Tagesform, 20% bis 25% der Vorjahresbuchungen im gleichen Zeitraum aus. Mit Buchungseingang Juni liegen wir aktuell bei einem Minus von 80% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auf das gesamte Geschäftsjahr gesehen (seit dem 1. November 2019) liegen wir mit ca. 60% im Minus. Wir haben einen Grossteil der Bestandsbuchungen rückabwickeln müssen und Neubuchungen blieben weitgehend aus. Derzeit haben wir im Vergleich zum Vorjahreszeitraum rund 330'000 Buchungen weniger zu Buche stehen.

Mit welchen Massnahmen haben Sie reagiert?

Ein Teil der Mitarbeiter befindet sich in Kurzarbeit oder baut Urlaub ab. Je nach Abteilung wird eine Leistung zwischen 70% und 20% erbracht. Entlassungen hat es keine gegeben, beobachten die Geschäftsentwicklung vor weiteren Entscheidungen aber noch bis Mitte Juli. Wir wollen gerade mit Blick auf unsere geschätzten Kollegen und Kolleginnen umsichtig und verantwortungsbewusst handeln. Wir haben vor allem die vergangenen drei Jahre viel für unsere Mitarbeiter getan und sehen, dass die Leistungsbereitschaft unglaublich gestiegen ist. Jeder einzelne ist uns auch weiterhin wichtig, daher warten wir die weitere Entwicklung wie gesagt ab.

«Die Frage ist, ob es überhaupt ausreichend Kunden gibt, die Lust auf Ferien haben.»

Welche Bedeutung hat die Grenzöffnung des Schengenraums von Anfang Woche für Sunny Cars? Mit welcher Buchungsentwicklung rechnen Sie bis Ende Jahr?

Ob sich das Geschäft durch die Grenzöffnung erholt, hängt noch von vielen Faktoren ab. Beispielsweise ist noch offen, wie viele Flugkapazitäten in der nächsten Zeit zur Verfügung stehen werden. Und ob es überhaupt ausreichend Kunden gibt, die Lust auf Urlaub haben. Für das aktuelle Jahr rechnen wir mit einem Rückgang um 70% im Vergleich zum Geschäft des Vorjahres. Um ein genaues Bild zu erhalten, werden wir uns mit der tatsächlichen Prognose für das restliche Jahr und für 2021 aber noch einige Wochen zurückhalten.

Sind für die kommenden Wochen spezielle Aktionen geplant, um den Reisebüros wieder zu mehr Mietwagen-Buchungen zu verhelfen?

Das hängt stark davon ab, ob und wie schnell sich das Geschäft weiter erholt. Wenn wir sehen, dass das Buchungsvolumen signifikant zunimmt und auch wieder intensiver gereist wird in die relevanten Mietwagenziele, werden wir diesen Prozess sicher aktiv unterstützen.

«Wir arbeiten nur mit Partnern, die ein schlüssiges und verantwortungsvolles Hygienekonzept umsetzen.»

Wie erfolgen Sie die Situation bei den einzelnen Mietwagen-Unternehmen? Hertz etwa hat grosse Probleme. Rechnen Sie mit einer Marktbereinigung?

Hertz darf man nicht falsch interpretieren. Für den Kunden ändert sich im Grunde ja nichts, da unter Chapter 11 alles seinen – nach aussen hin – normalen Weg geht. Generell wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen, wer im Vorfeld der Krise gut gewirtschaftet hat und sie leichter meistert als ein Wettbewerber. Mit Blick auf Sunny Cars sind wir optimistisch – unsere Herangehensweise der vergangenen Jahre hat uns vor Schlimmerem bewahrt.

Welche weiteren Entwicklungen stehen der Mietwagen-Branche bevor?

Klar ist, dass das Bedürfnis nach Hygiene steigt. Wir stehen zu diesem Thema mit allen Partnern im Austausch und sehen hier gegenüber den Kunden einen hohen Informationsbedarf. Deshalb stellen wir alle zielgebietsrelevanten Informationen in strukturierter Form zur Verfügung. Für uns ist es wichtig, nur mit Partnern zu arbeiten, die vor Ort zur Sicherheit der Kunden auch ein schlüssiges und verantwortungsvolles Hygienekonzept umsetzen. Wie immer sind unsere Partner also handverlesen.