Rail & Road

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Roger Müri, Geschäftsführer von Eurobus Swiss-Express, beklagt die Rahmenbedingungen für Fernbusse in der Schweiz. Bild: TN

Eurobus Swiss-Express ist am Ende

Eurobus stellt das Schweizer Fernbus-Angebot nach 17 Monaten ein. Mitte November endet der Betrieb.

Nach knapp eineinhalb Jahren ist Schluss. Der Fernbusanbieter Eurobus stellt sein innerschweizerisches Angebot mit dem Namen «Swiss-Express» per Mitte November 2019 ein. Betroffen sind sechs Busse, die auf drei öffentlichen Linien in der Schweiz unterwegs sind. Ob es zu Entlassungen kommen wird, ist unklar.

Der letzte Betriebstag werde der 15. November sein, teilt Eurobus mit. Die laufende Konzession für die täglichen Verbindungen St. Gallen-Zürich-Lausanne-Genf, Zürich-Bern-Montreux sowie Zürich-Basel-Luzern-Lugano mit jeweils mehreren Zwischenhalten sei vom Bundesamt für Verkehr (BAV) nach einem entsprechenden Gesuch auf Mitte November aufgehoben worden.

Für Kundinnen und Kunden mit einem gebuchten Ticket ab dem 16. November werde eine Lösung gesucht. Sie erhalten ihr Geld in den kommenden Wochen wohl zurück. Gespräche mit dem Vertriebspartner Flixbus laufen.

Vergebliches Warten auf Fortschritte

Zwar seien die Passagierzahlen in den vergangenen Monaten gestiegen, zudem hätten die Kunden positive Rückmeldungen gegeben, die Nachfrage sei aber immer noch deutlich unter den Erwartungen geblieben, schreibt der Fernbusanbieter. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA kritisiert Roger Müri, Geschäftsführer des Schweizer Geschäfts von Eurobus, die schwierigen Rahmenbedingungen: «Diese machen es einem Pionierunternehmen in einem neuen Markt sehr schwer.» Die Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz werde damit erschwert.

«Damit Fernbusse in der Schweiz ihre Rolle als sinnvolle Ergänzung des öffentlichen Verkehrs finden können, muss es neue Regeln geben», sagt Müri. Heute könnten private Anbieter zu wenig schnell und zu wenig flexibel auf die effektive Nachfrage reagieren. Zudem fehle eine Praxis im Umgang mit neuen Konzessionsgesuchen im öffentlichen Fernverkehr.

So sehe sich das Unternehmen beispielsweise bis heute gezwungen, Teilstrecken oder Fahrpläne beizubehalten, für die praktisch keine Nachfrage bestehe. Die Kritik gilt unter anderem dem Bund, der die Konzessionen ausstellt: Eine im Juli 2019 eingereichte Anpassung des Fahrplans an die Kundenbedürfnisse auf den bestehenden Strecken habe bis dato nicht umgesetzt werden können, moniert Müri.

Zudem sei über gewünschte Angebotserweiterungen, wie die im öffentlichen Verkehr als Ergänzung zur Bahn erstmals geplanten Nacht- und Frühanbindungen an die Flughäfen, bis heute noch nicht entschieden worden. Die SBB hatten Anfang Woche vor den Medien betont, sie wollten solche Linien «in Zusammenarbeit mit Eurobus» realisieren.

Hintertüre bleibt offen

Nicht zuletzt aus Umweltgründen müsse er nun auf die Notbremse treten, sagt Müri. «Es ist ökologisch und ökonomisch nicht sinnvoll, auf Teilstrecken mit sehr wenigen Fahrgästen, unnötig Ressourcen zu verbrauchen.» Das sei gerade mit Blick auf die aktuelle Klimadebatte nicht mehr zu verantworten.

Müri bedauert den Schritt sehr. Sein Team habe «viel Geld und Zeit» in die Arbeit investiert. Eurobus lässt sich jedoch langfristig eine Hintertüre offen: Das Projekt «Schweizer Fernbus» werde weiterverfolgt. Das private Personentransportunternehmen sprach deshalb auch von einem vorübergehenden Rückzug, der Betrieb werde nur «vorerst» eingestellt.

Nun ist Schluss – nachdem Roger Müri erst im März 2019 mit Stolz die neuen geräumigen, mit WLAN ausgestatteten Fernbusse vorstellte:

(nau/TN)