Rail & Road

AMsterdam Centraal_bruno-van-der-kraan.jpg
Der Bahnhof Amsterdam Centraal soll vermehrt Reisende auf dem Weg nach Brüssel verzeichnen - mit Hilfe der Fluggesellschaft KLM. Bild: Bruno van der Kraan

KLM ersetzt Flüge durch Züge

Die Airline legte schon vor zwei Monaten ihren Passagieren nahe, für Kurzstrecken den Zug statt das Flugzeug zu nehmen. Nun wird es konkret: Ab März 2020 wird das Flugangebot zugunsten des Zugs reduziert. Das hat aber nicht nur Umweltschutz-Hintergründe.

Die niederländische Fluggesellschaft KLM ist nicht nur in Sachen Onlinebuchbarkeit und Social-Media-Präsenz Vorreiterin - sie hat auch frühzeitig wichtige Airline-Themen wie die CO2-Debatte und Nachhaltigkeit erkannt und für sich zu nutzen verstanden. Bereits im Frühjahr dieses Jahres, als sich in den Niederlanden eine neue Luftverkehrssteuer abzeichnete und lautstark ein Verbot von Kurzstreckenflügen gefordert wurde, ging KLM die Sache proaktiv an und forderte die eigenen Kunden auf, vermehrt auf den Zug umzusteigen. Dies wurde im Video «Fly Responsibly» festgehalten (bei Sekunde 52):

Allerdings reicht es nicht, nur aufzufordern. Um die Gewohnheiten der Menschen zu ändern, müssen entweder finanzielle Anreize geschaffen oder aber das Angebot geändert werden. KLM hat nun letzteren Schritt gewählt: Ab dem 29. März 2020 wird eine der bislang fünf täglichen Verbindungen zwischen Amsterdam und Brüssel (Distanz: Rund 210 Kilometer) ersetzt, und zwar indem KLM Sitzplatzkapazität auf dem Thalys anbietet, dem Hochgeschwindigkeitszug, der unter anderem auch Amsterdam und Brüssel miteinander verbindet.

«Ab 2020 machen wir einen grossen Schritt vorwärts und ersetzen eine tägliche Kurzstrecken-Flugverbindung durch eine umweltverträglichere Bahnfahrt», erklärte Thalys-CEO Bertrand Gosselin, «wir wollen damit das Fundament für ein nachhaltiges Transportsystem für das 21. Jahrhundert legen, welches wir alle gemeinsam aufbauen müssen». KLM hatte bereits zuvor angekündigt, dass das Unternehmen durchaus dafür sei, Kurzstreckenflüge durch Bahnangebote zu ersetzen, «sofern letztere die Geschwindigkeit, die Zuverlässigkeit und den Komfort der Flugreise matchen». Der Entscheid, Flugfrequenzen zugunsten eines verbesserten «Air&Rail»-Produkts im Thalys (buchbar über klm.com) abzubauen, sei ein erster Schritt.

Cleverer PR-Schachzug von KLM oder unternehmerisches Harakiri? Die Zusammenarbeit mit der holländischen Staatsbahn NS (Nederlandse Spoorwegen) und dem Thalys ist jedenfalls nicht ganz neu, sondern wird nun bloss intensiviert und erstmals mit einem konkreten Angebotsabbau mit Zugempfehlung verbunden. KLM hatte anfangs Jahr auch bereits angekündigt, in eine neue Produktionsstätte für Bio-Treibstoff zu investieren. So gesehen sind die Umweltbemühungen sicher aufrichtig.

Allerdings hat KLM gleich selber einen weiteren Grund für die Empfehlung von Bahnreisen angegeben: Am Hauptflughafen Amsterdam-Schiphol ist nämlich die Anzahl Slots begrenzt. Indem Kurzstreckenflüge durch Bahnangebote ersetzt werden, können die wenigen Slots vermehrt für Langstreckenflüge verwendet werden, wobei der Bahnverkehr weiterhin für genügend Zubringer zu diesen Flügen sorgt.

(JCR)