Rail & Road

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Verstopfte Strassen, hohe Kosten: Die «Freiheit im eigenen Auto» hat ihren Preis. Bild: Adobe Stock

Teurer als Sie denken: die Autoreise in die Ferien

Nach wie vor reisen viele Schweizer mit dem Auto in die Ferien. Doch wie hoch sind die Kosten dafür effektiv? Vor der Reise lohnt sich ein Blick auf die Kostentabellen.

Die Schweizer Babyboomer schwelgen gern in Erinnerungen an Ferien in Italien, Spanien, Frankreich oder anderswo, bei denen die Hinreise ganztägige Autofahrten bei sengender Hitze mit sich brachte. Das Auto bot stets eine günstige Ferientransport-Variante für Familien: Alles dabei, vor Ort mobil, eigenes Tempo. Da nahm man den gelegentlichen Stau und Fahrtkosten für Benzin und Strassengebühren auf sich - Schlaue tankten kurz vor oder nach der Grenze (je nach dem wo es billiger war) oder fuhren auch mal Überland, um Autobahnkosten zu sparen.

Mit dem Niedergang der Flugtarife wurden selbst Familienferien in Zielen, welche eigentlich gut mit dem Auto erreichbar wären, erschwinglich. Natürlich gibt es auch Zug-Alternativen. Mit dem jeweiligen Nachteil, dass man vor Ort nicht mobil ist und möglicherweise dann wiederum ein Auto mieten muss. Was ist also die beste Variante? Vergleiche sind schwierig und sehr situativ; sie hängen von Anzahl und Alter der Personen ab (bei Flügen), von der Gepäckmenge, von den Daten etc. Eigentlich muss also jeder für sich genau durchrechnen, welche Transportvariante die günstigste ist, sofern dies das entscheidende Kriterium ist.

Bei Flügen und Bahnen ist es kompliziert genug, und doch findet man relativ schnell online einen Preis. Schwieriger wird's bei der eigenen Planung der Autoreise. Da gibt es diverse Hilfsmittel - die wir hier gerne präsentieren.

Bald wird auch in Deutschland bezahlt

Grundsätzlich sind in den meisten europäischen Ländern Abgaben zu zahlen: In Form von Vignetten (also am Auto angeklebte Nachweise über eine Bezahlung für die generelle Strassennutzung) oder in Form einer Maut (also einer situativen Bezahlung, die sich nach der Länge der zurückgelegten Strecke und/oder dem befahrenen Streckenabschnitt richtet). Letzteres passiert entweder an Maut-Stationen oder elektronisch über Transponder - wobei das Fehlen eines Transponders nicht vor Bezahlung schützt: Hier verhält es sich wie mit den Bussgeldern, sprich, die Autonummern werden aufgenommen und die Rechnung über europaweit tätige Inkassostellen ausgestellt. Letzteres wiederum passiert zum Beispiel oft bei den so genannten «City-Gebühren», also einer Maut für die Fahrt mit dem Auto ins Stadtinnere. Im Übrigen ist das rechtzeitige Bezahlen von Vorteil: Oftmals gibt es dafür gar einen Rabatt; umgekehrt bei Nichtbezahlung heftige Mahngebühren.

Eben, es geht nicht nur um Autobahngebühren, wie in der Schweiz das unbeliebte Wort «Maut» oft umgedeutet wird, sondern auch um Gebühren für das Passieren von Tunnels, Brücken oder eben Zufahrten ins Stadtzentrum. Immer noch nicht überall angekommen ist zudem die Pflicht für Umweltplaketten, über die wir bereits mehrfach berichtet haben.

Auch in diversen deutschen Städten existiert die Umweltplakettenpflicht. Es ist also nicht so, dass Deutschland völlig frei von Gebühren ist - es ist zwar nebsten den Benelux-Ländern eines der ganz wenigen EU-Länder, in denen keine Autobahn-Maut für Autos oder Wohnmobile erhoben wird. Doch bis Oktober 2020 soll sich dies ändern.

Nicht zu vergessen: Viele Gebühren richten sich nach Achszahl, Gesamtgewicht und/oder Gesamthöhe des Fahrzeugs sowie teils auch an der Anzahl Insassen. Und natürlich macht es einen Unterschied aus, ob man nur mit dem Auto oder aber mit Anhänger oder gar Wohnmobil unterwegs ist.

Das sind die wichtigsten Links

Benzin

Ein wichtiger Faktor, nebst den herkömmlichen Abnützungskosten, ist das Benzin. Eine Übersicht über die durchschnittlichen Benzinpreise in Europa (regelmässig aktualisiert) bietet beispielsweise der TCS auf seiner Webseite. Überlegen Sie sich im Vorfeld den Routenverlauf und erstellen Sie eine Art Tankstrategie wie in der Formel 1, um möglichst kostengünstig unterwegs zu sein.

Vignette und Maut

Hier bietet Autoscout24 einen guten Überblick. Für die 10 gemäss Autoscout24 beliebtesten Autoreiseziele Europas gibt es detaillierte Infos zu mautpflichtigen Strecken im jeweiligen Land, Informationen zu Vignetten/Mautgebühren für jeden Fahrzeugtyp sowie länderspezifische Notrufnummern.

Sogar für elf Länder und alles auf einer Seite ist der Überblick des TCS.

Wer in etwas weiter entfernte Länder wie Norwegen oder Weissrussland mit eigenem Auto reist, findet auch beim ADAC eine gute Übersicht.

Bussen

Man muss kein Temporowdy sein, um mal etwas zu schnell gefahren zu sein. Oder es drohen Bussen wegen Falschparkieren, Handy am Steuer, Alkohol am Steuer oder auch Banaleres wie Überladung. Die diesbezüglichen Bussgelder sind in den europäischen Ländern sehr unterschiedlich. In der Schweiz und in den nordischen Ländern sind sie vergleichsweise hoch; manchmal muss übrigens sofort bezahlt werden (Polizisten haben inzwischen oft Kreditkartenterminals dabei; unbedingt Quittung verlangen!).

Einen guten Überblick über durchschnittliche Bussgelder für Verkehrsübertritte liefert die ADAC-Website.

Fazit

Es lohnt sich, die anfallenden Kosten vor der Reise genau zu berechnen, zumal diese sich nicht einfach über vorbezahlte Leistungen (bzw. fix reservierte, wo die Kosten schon klar sind) einfach zusammentragen lassen. Die vielen anfallenden Kosten müssen dann durch die Anzahl im Auto mitreisender Personen geteilt werden, um eine klare Preisübersicht zu erhalten.

Die reine Anreise dürfte nicht selten zugunsten von Zug oder gar Flug ausfallen. Aber man ist dafür vor Ort mobil und kann möglicherweise ganz leicht und günstiger etwas ausserhalb von Zentren übernachten. Es gilt wie immer: Für das optimale Ferienerlebnis ist die gute Vorbereitung wesentlich.

(JCR)