On The Move
Schweizer buchen Frühling statt Hochsommer
Der Motor der Schweizer Reisebranche läuft rund. Individualreisen auf der Langstrecke laufen sehr gut («Wir kommen kaum nach»).
Bei den Badeferien sind die Randmonate April, Mai, September und Oktober gut gebucht. Sorgen bereiten aber noch die Hochsommer-Monate Juli und August. Für die heisseste Phase des Jahres ist bei den Badeferien noch eine Zurückhaltung auszumachen. Travelnews hat mit vier Reiseveranstaltern gesprochen.
Gute Nachfrage für Mai und Juni
«Die Buchungseingänge für die Badeferien-Saison Sommer 2026 liegen derzeit leicht über dem Vorjahresniveau», erklärt Janine Zimmerli, Mediensprecherin von Dertour Suisse (Kuoni, Helvetic Tours, Hotelplan). Doch die Verteilung ist ungleichmässig. Man verzeichne viele Frühbuchungen für Mai, Juni, September und Oktober. Dieser Trend zu den Randmonaten bestätigt auch Sarah Weidmann, Geschäftsführerin von Smeraldo Tours mit Italien und den Kanarischen Inseln im Angebot: «Sehr stark sind bei uns aktuell die Monate Mai und Juni gebucht.»
Auch für die Türkei zeigt sich dieses Muster. Deniz Ugur, CEO von Bentour Reisen, stellt fest: «April und Mai sind sehr gut gebucht, September und Oktober ebenfalls bereits gut.» Dass die Nachfrage insgesamt stabil bleibt, unterstreicht auch Dzeladin Zulic, Head of Sales von Coral Travel, der eine «kontinuierlich steigende Nachfrage» aus der DACH-Region beobachtet und den Fokus verstärkt auf höherwertige Produkte wie etwa die Ketten Grecotel oder Ikos legt.
Die Juli- und August-Lücke
Obwohl die Gesamtzahlen stimmen, klafft in der Hochsaison noch eine Lücke. «Für die Monate Juli und August rechnen wir mit einem stärkeren Last-Minute-Geschäft», sagt Janine Zimmerli. Besonders deutlich wird dies bei Bentour Reisen. Deniz Ugur verweist auf einen zusätzlichen Faktor, der die Reiseplanung beeinflusst: «Für die Fussball-WM-Monate Juni und Juli, aber auch im August gibt es noch viele Plätze zu buchen. In der Türkei bewegen wir uns auf ein stärkeres Last-Minute-Jahr hin.»
Auch bei Italien-Spezialist Smeraldo Tours ist die Zurückhaltung für den Hochsommer spürbar.Während der Juli noch Potenzial habe, wird der August – der klassische Ferienmonat der Italiener – von Schweizern eher gemieden. «Rund um Ferragosto sowie wegen der insgesamt höheren Hotelkosten wird dieser Monat eher vorsichtig geplant», erklärt Sarah Weidmann.
Kampf um die Familien und Preise
Um die noch freien Kapazitäten im Juli und August zu füllen, setzt die Schweizer Reisebranche auf gezielte Angebote. «Die ganze Industrie versucht gegen Last-Minute zu arbeiten, Last-Minute ist das letzte Ventil», betont Deniz Ugur. Er wird die Branchenmesse ITB Berlin (3. bis 5. März 2026) nutzen, um Sonderpreise auszuhandeln, da sich die Türkei preislich dem Niveau von Griechenland und Spanien annähere.
Auch Coral Travel sieht im Sommer noch ungenutztes Potenzial, insbesondere bei einer Kernzielgruppe: «Verstärkt möchten wir auch Familien gewinnen, teilweise vermissen wir die noch», hält Dzeladin Zulic fest. Mit speziellen Kampagnen und neuen Vereinbarungen mit Hotels will man hier Boden gutmachen.
Die Gewinner-Destinationen 2026
Trotz der abwartenden Haltung für den Hochsommer kristallisieren sich klare Favoriten heraus: Griechenland, Ägypten und Zypern sind laut Dertour Suisse hoch im Kurs. Smeraldo Tours punktet mit massgeschneiderten Mietwagenrundreisen auf Sardinien, Sizilien und in Apulien. Überraschend stark zeigen sich die Malediven, Mauritius und die VAE als Ganzjahresziele, was sowohl Dertour Suisse als auch Coral Travel bestätigen.
Die Reiselust der Schweizerinnen und Schweizer bleibt damit ungebrochen, doch das Buchungsverhalten verändert sich. Immer mehr Reisende weichen auf Frühling und Herbst aus. Wer im Juli oder August verreisen möchte, findet derzeit noch eine grosse Auswahl – und könnte von zusätzlichen Angeboten profitieren, die in den kommenden Monaten erwartet werden.