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Honduras und El Salvador: Die neuen Alternativen zu Costa Rica?
Reto SuterKaum eine Frage beschäftigt Schweizer Reiseveranstalter so sehr wie diese: Welche neuen Destinationen lassen sich entdecken, bevor sie zum Mainstream werden? Gesucht sind Reiseziele abseits der bekannten Pfade. Orte, die noch authentische Erlebnisse versprechen und selbst erfahrene Reisende überraschen können.
Gerade in Mittelamerika ist die Ausgangslage speziell: Seit Jahren fungiert Costa Rica als strahlender Leuchtturm mit beeindruckender Natur, verlässlicher Infrastruktur und einer stabilen Sicherheitslage. Entsprechend hoch ist die Nachfrage. Aber viele, die das Land bereits bereist haben, halten inzwischen Ausschau nach Alternativen.
Darauf reagiert nun Dorado Latin Tours. Der Mittel- und Südamerika-Spezialist von Dertour Suisse nimmt laut einer Mitteilung Honduras und El Salvador neu ins Programm auf – zwei Länder, die mit kolonialen Städten, Maya-Stätten, Nationalparks und Karibikinseln wie Roatán locken.
Sicherheitslage hat sich verbessert
«Beide Länder überzeugen durch ihre kompakte Grösse, bieten Reisenden viele authentische und zum Teil weniger touristische Einblicke in Kultur, Geschichte und Natur», sagt Gabriela Stauffer, CEO von Dorado Latin Tours, zu Travelnews.
El Salvador zähle seit mehreren Jahren zu den Ländern mit den höchsten Besucher-Zuwachszahlen weltweit. «Ein aufstrebendes Land, das durch beeindruckende Vulkan-Landschaften und koloniale Städte überzeugt», so Stauffer.
Honduras wiederum punkte mit einer reichen Natur, Traumstränden an der Karibikküste und kulturellem Erbe wie der Maya-Stätte Copán. «Beide Länder verfügen über Wachstumspotenzial und könnten in Zukunft stärker in Erscheinung treten», sagt die Lateinamerika-Kennerin.
Ein zentrales Hindernis für viele Reisende war bisher die Sicherheitslage, die lange Zeit von Bandenkriminalität geprägt war. Doch auch hier zeichnet sich ein Wandel ab. «Wir sehen deutliche Fortschritte», so Gabriela Stauffer, die erst kürzlich in El Salvador unterwegs war.
Seit dem Amtsantritt von Präsident Nayib Bukele im Jahr 2019 verzeichne das Land einen signifikanten Rückgang der Kriminalitätsraten. «Die Sicherheitslage hat sich deutlich verbessert und ist einiges stabiler als zuvor.» Auch in Honduras sei die Gewaltkriminalität in den vergangenen Jahren rückläufig: «Die zunehmende Stabilität in Honduras ermöglicht es Reisenden, sich sicherer im Land zu bewegen.»
Auch andere Veranstalter sehen Potenzial
Dorado Latin Tours ist nicht der einzige Schweizer Lateinamerika-Spezialist, der Honduras und El Salvador stärker ins Blickfeld rückt. Auch Latin America Tours beobachtet die Entwicklung aufmerksam und prüft, wie sich die beiden Länder künftig im Angebot positionieren lassen.
«Honduras haben wir rund um die Reisemessen neu als Destination auf unserer Website aufgeschaltet», sagt Alessandra Schnyder, Geschäftsführerin von Latin America Tours, auf Anfrage. «Wir stehen aktuell mit unserer Agentur vor Ort in engem Austausch, um neue Rundreisen auszuarbeiten. Momentan bieten wir Honduras vor allem in Kombination mit Guatemala an.»
Reine Honduras-Routen seien bereits in Planung. «Hier sehen wir deutliches Potenzial.» Zwar dürfte das Volumen kaum an Costa Rica heranreichen, doch durchaus so weit, dass sich der Aufwand für Markteintritt und Produktaufbau lohne, erklärt Schnyder.
Beim Aufbau neuer Destinationen verlässt sich Latin America Tours nicht allein auf lokale Partner, sondern sammelt bewusst eigene Eindrücke. Reiseberaterin Diana Picado Heim besuchte im Oktober eine Reisemesse in Honduras und nutzte die Gelegenheit, sowohl Roatán als auch das Landesinnere zu bereisen.
Besonders das Inland habe sie beeindruckt – landschaftlich, kulturell und durch die Begegnungen mit den Menschen, berichtet Schnyder. «Roatán bleibt aus unserer Sicht eher eine Destination für den US-Markt und für Tauchfans, während das Landesinnere deutlich mehr Individualreisende anspricht.»
El Salvador hingegen ist bislang noch nicht Teil des Portfolios. «Wir befinden uns aktuell in einer internen Evaluationsphase, ob wir die Destination ebenfalls ins Portfolio aufnehmen möchten. Gerade mit Blick auf die steigenden Besucherzahlen der letzten Jahre sehen wir hier ein spannendes Entwicklungspotenzial», so die Geschäftsführerin. Zusätzlich gewinne El Salvador international als Surf-Destination zunehmend an Profil.
Euphorie ist nicht überall gleich gross
Etwas zurückhaltender beurteilt Brasa Reisen das Potenzial von Honduras und El Salvador. «Die Sicherheitslage hat sich in beiden Ländern zwar spürbar verbessert», bestätigt Reto Kindlimann, CEO von Brasa Reisen. Eine stärkere Nachfrage sei jedoch bislang ausgeblieben.
Gerade in El Salvador gebe es beim touristischen Angebot noch Luft nach oben, vor allem was die Infrastruktur betreffe. Deshalb setzt Brasa Reisen eher auf Guatemala. Das Land sei zuletzt etwas in Vergessenheit geraten, berge aber aus seiner Sicht ein grösseres touristisches Potenzial, so Kindlimann. Guatemala sei infrastrukturell weiter entwickelt als Honduras und El Salvador, was sich für Reisende unmittelbar bemerkbar mache.
Anfragen, die sich ausschliesslich auf Honduras oder El Salvador beziehen, gehen laut Kindlimann kaum ein. Meist würden beide Länder im Rahmen von Mittelamerika-Rundreisen gebucht und nicht als eigenständige Reiseziele nachgefragt. «Wer eine Alternative zu Costa Rica sucht, sollte eher Nicaragua, Panama oder Kolumbien ins Auge fassen», sagt Kindlimann. «Diese Destinationen bieten derzeit die besseren Voraussetzungen.»
Zwischen Aufbruchsstimmung und vorsichtigem Abwarten zeigt sich in der Branche kein einheitliches Bild: Die verbesserten Sicherheitsbedingungen öffnen zwar neue Türen, doch ob daraus ein nachhaltiger Boom entsteht, ist noch offen. Klar ist vorerst nur: Der Wettlauf um die nächsten Trenddestinationen hat begonnen – und nicht alle setzen dabei auf dieselben Karten.