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Warum Mini-Kreuzfahrten immer gefragter sind
Florida erlebt einen Boom bei Kurzkreuzfahrten. Zwei-, drei- und viertägige Cruises sind so gut nachgefragt wie noch nie. Die privaten Inselziele der Reedereien sind mit ein Grund, dass Minikreuzfahrten so gefragt sind.
Waren kurze Kreuzfahrten früher ein Markt für ältere Schiffe, hat Royal Caribbean seit 2024 auch brandneue Schiffe wie die Utopia of the Seas im Einsatz für Kurztrips. Und Carnival Cruises wird ab 2027 die Mardi Gras, ein neues Schiff des Excel-Klasse, auf Kurzstrecken einsetzen. Auffallend ist, wie Enwicklungen im US-Markt zeigen, dass Kurzkreuzfahrten vor allem auch Millennial- und Gen-Z-Gäste ansprechen.
Doch wie entwickeln sich Kurzkreuzfahrten auf europäischen Routen und im Schweizer Markt? Travelnews hat mit MSC Cruises, Costa Crociere und einem Kreuzfahrt-Experten die Situation beleuchtet.
Wachsendes Interesse bei MSC Cruises
«In der Schweiz stellen wir ein wachsendes Interesse für Mini-Kreuzfahrten fest», sagt Sylvia Bachert, PR Manager DACH bei MSC Cruises, «da sich kürzere Kreuzfahrten gut als 'Städtereise' eignen und diese liegen nach wie vor im Trend».
Bei MSC sind zahlreiche Routen und Angebote zu finden. Mit der MSC Magnifica etwa von Genua via Marseille nach Barcelona für vier Nächte. Oder mit der MSC Splendida führt einer weiteres Kurzrouting von Livorno via Cagliari, Palermo nach Malta für drei Nächte. Ebenfalls im Angebot: eine Fahrt mit drei Übernachtungen mit der MSC Armonia von Venedig via Kotor nach Brindisi.
«Diese Mini-Kreuzfahrten eignen sich besonders gut für Kreuzfahrteinsteiger, die erst mal sehen wollen, ob ihnen das Erlebnis Seereise gefällt», sagt Sylvia Bachert dazu. Die meisten der Abfahrten seien allerdings Restkontingente, wenn die Kabinen bei Turnusrouten zwischen den Zustiegshäfen verteilt werden. «Daher sind es meistens Touren im westlichen Mittelmeer, da es hier in fast jedem Hafen einen Zustieg gibt».
Costa-Minicruises bei Gruppen und Vereinen beliebt
Ein Blick auf das Angebot von drei- bis sechstägigen Kreuzfahrten bei Costa Crociere zeigt: Die Costa Fascinosa fährt im April sowie Mitte Oktober/Anfang November regelmässig Minikreuzfahrten, die Diadema & Pacifica allerdings nur punktuell. «Deshalb gibt es nur ein beschränktes Angebot an Minikreuzfahrten», sagt Ulrike Soukop, General Managerin Österreich & Schweiz von Costa Crociere, «denn der Hauptfokus liegt eindeutig bei den 7-Tage-Routen».
«Die Minikreuzfahrten werden gerne von Freunde-Gruppen, Vereinen oder von Firmen gebucht; auch von Kreuzfahrt-Neulingen, die die Atmosphäre kennenlernen möchten. Einige buchen eine kurze Kreuzfahrt, um die Zeit zur nächsten längeren Reise an Board zu überbrücken. Einige verbinden auch eine Minikreuzfahrt mit einem zusätzlichen Aufenthalt in einem Hotel». Dank der schnellen Verbindung zwischen Zürich und Genua eigne sich eine Minikreuzfahrt für eine entspannte, kurze Auszeit, fügt Ulrike Soukop weiter an.
Zielgruppenverständnis wichtig
Doch was sagt Kreuzfahrt-Experte Joel Lendenmann über Mini-Kreuzfahrten? Der Gründer des Reisebüros Cruise Expert und langjährige Sales Representative von MSC Cruises findet, dass Mini-Kreuzfahrten grundsätzlich eine attraktive Möglichkeit darstellen, klassische Städtereisen – etwa nach Barcelona, Hamburg oder Rom – sinnvoll zu ergänzen. Gleichzeitig erfordere ihre Empfehlung jedoch ein hohes Mass an Zielgruppenverständnis.
«In der Praxis werden Mini-Cruises häufig als sogenannte 'Schnupperkreuzfahrten' für Kreuzfahrt-Neulinge vermarktet. Aus fachlicher Sicht halte ich diesen Ansatz jedoch für problematisch. Aufgrund der kurzen Reisedauer ist die Atmosphäre an Bord meist deutlich dynamischer, teils auch hektischer und organisatorisch dichter getaktet als bei klassischen 7-, 10- oder 14-tägigen Kreuzfahrten», sagt Lendenmann. Mini-Kreuzfahrten würden daher das eigentliche Kreuzfahrterlebnis nur eingeschränkt abbilden und könnten bei Erstkunden ein verzerrtes oder negatives Bild erzeugen. Im ungünstigsten Fall führe dies sogar dazu, dass potenzielle Neukunden dem Produkt Kreuzfahrt dauerhaft verloren gehen.
«Das grösste Potenzial sehe ich daher weniger im Einstiegssegment, sondern vielmehr in klar definierten Zielgruppen: etwa bei Firmenveranstaltungen, Incentive-Reisen, in Kombination mit Städte- oder Strandaufenthalten sowie bei erfahrenen Kreuzfahrtgästen, die bewusst eine kurze Auszeit suchen und die besonderen Eigenschaften von Mini-Cruises kennen und schätzen.»
Insbesondere im Bereich Corporate Incentives und Firmenreisen in Europa ortet Joel Lendenmann ein bislang noch nicht ausgeschöpftes Marktpotenzial: «Mini-Kreuzfahrten bieten hier eine aussergewöhnliche, effiziente und emotional wirksame Plattform für Teambuilding, Meetings und Kundenbindung – mit deutlich höherem Erlebniswert als klassische Hotel- oder Tagungsformate.»
Fazit: Grosses Potenzial – mit klarer Zielgruppenlogik
Mini-Kreuzfahrten haben sich vom Restprodukt für ältere Schiffe zu einem eigenständigen Angebotssegment entwickelt – zumindest in Märkten wie Florida, wo neue Schiffe, private Inseln und kurze Distanzen ideale Voraussetzungen schaffen. In Europa und im Schweizer Markt zeigt sich zwar ebenfalls ein wachsendes Interesse, das Angebot bleibt jedoch selektiv und stark von bestehenden Turnusrouten abhängig.
Die Aussagen der Reedereien verdeutlichen: Mini-Kreuzfahrten erfüllen unterschiedliche Bedürfnisse – von der kurzen Auszeit über Gruppen- und Firmenreisen bis hin zur Kombination mit Städtereisen. Gleichzeitig mahnt der Kreuzfahrten-Experte zur Differenzierung. Als Einstieg in die Welt der Kreuzfahrten eignen sich Kurztrips nur bedingt, da sie das klassische Kreuzfahrterlebnis kaum abbilden.
Ihr eigentliches Potenzial liegt vielmehr in klar definierten Zielgruppen – etwa bei erfahrenen Kreuzfahrern, Firmenkunden oder Reisenden, die bewusst eine kompakte, intensive Reiseform suchen. Entscheidend für den nachhaltigen Erfolg von Mini-Kreuzfahrten ist damit weniger die Reisedauer als die passgenaue Ansprache der richtigen Kundschaft.