On The Move

Auf dem neuen USA-Katalog von Knecht Reisen ist gleich auch der Kontakt zur USA-Abteilung zu finden. Bild: TN

Tabubruch auf der Katalog-Rückseite

Gregor Waser

Neuerdings sind auf den Katalogen einiger Reiseveranstalter gleich auch der direkte E-Mail- und Telefonkontakt festgehalten – für unabhängige Reisebüro-Wiederverkäufer ein No-Go. Knecht Reisen reagiert auf die Reisebüro-Kritik.

Jede Reisebüro-Lehrperson im ersten Lehrjahr kennt diese Aufgabe: Auf den neu eintreffenden Katalogen muss auf der Rückseite der eigene Agentur-Sticker platziert werden – stapelweise, stundenlang. Schliesslich soll der Kunde im Reisebüro Meier oder Müller auch die Kontaktdaten seiner lokalen Beraterin vorfinden, wenn er ein Exemplar von Kuoni, TUI oder Knecht Reisen mit nach Hause nimmt.

Während Direktanbieter wie Migros Ferien schon lange ihre Nummern aufdrucken, hielten sich klassische Veranstalter bisher zurück. Ein weisses Feld für den Stempel oder Kleber des Reisebüros war der Standard. Doch dieser Konsens bröckelt.

Nicht im Sinn einer Partnerschaft

In diesen Tagen sind nun die neuen Kataloge USA, Glur und Neuseeland & Südsee von Knecht Reisen an Reisebüros ausgeliefert worden: auf der Rückseite mit einem prominenten Verweis auf die Direktbuchungsmöglichkeit bei den jeweiligen Abteilungen – in einer Grösse, die sich nicht so leicht überkleben lässt. Zudem ist auch die Webseite von Knecht Reisen prominent festgehalten.

Knecht Reisen steht mit diesem Vorgehen – oder aus Reisebüro-Sicht, Tabubruch – nicht alleine da. Auch auf der Rückseite des Kataloges von Private Safaris ist der Direktkontakt unübersehbar.

Travelnews hat mit zwei Reisebüro-Profis gesprochen, die über den Vermerk der Direktkontakte irritiert sind. «Ungewöhnlich, da bin ich sehr überrascht», sagt eine Reisebüro-Angestellte aus dem Kanton Schaffhausen zum neuen Knecht-Katalog. Und ein Reisebüro-Profi aus der Innerschweiz spricht von einem «absoluten No-Go», dies sei nicht im Sinn einer Partnerschaft.

Knecht Reisen reagiert mit zwei Varianten

Ob die neuen Knecht-Kataloge versehentlich so gedruckt wurden, möglicherweise für die Verwendung in den eigenen Filialen – was ja ok wäre – oder ob es sich um eine bewusste Platzierung des eigenen Kontakts handelt, wollte Travelnews von Knecht Reisen erfahren.

Sebastian Kickmaier, CEO Knecht Reisen, nimmt Stellung: «Wir haben ein neues Katalogcover entwickelt. Dass dies so gut ankommt, freut uns enorm.» Es bestätigt: «Die Modernisierung war der richtige Schritt. Gleichzeitig haben wir einige Feedbacks zur Rückseite wahrgenommen – und nehmen sie ernst.»

«Wir standen in Diskussion mit einigen Reisebüros und haben ihnen unsere Gedanken erklärt. Der Katalog liegt ja im Reisebüro auf. So gingen wir davon aus, dass Kundinnen und Kunden, die ins Reisebüro kommen, ohnehin den persönlichen Kontakt und die Beratung im Reisebüro ihres Vertrauens haben. Die Kontaktinfos auf der Rückseite sollten lediglich eine Ergänzung sein, kein Ersatz und schon gar keine Konkurrenz. Wir verstehen: Das passt nicht für alle.»

Kickmaier sieht aber eine Lösung und reagiert nun flexibel: «Für die Zukunft gibt es zwei Varianten der Katalogrückseite – eine neutrale ohne Kontaktinfos und eine mit. Und für die bereits gedruckten Ausgaben Glur, USA sowie Neuseeland & Südsee stellen wir auf Wunsch gerne individuelle Aufkleber bereit.»

Reisebüros könnten sich dazu direkt bei ihm melden, s.kickmaier@knecht-reisen.ch. «Wir bedanken uns bei unseren langjährigen Partnern für das hilfreiche Feedback und wünschen allen eine erfolgreiche Hochsaison.»

Fazit

Offenbar unterschätzen einige Reiseveranstalter, wie gross die Bedenken unabhängiger Reisebüros sind, den Kunden Kataloge auszuhändigen, auf denen der Veranstalter-Direktkontakt einsehbar ist.

Aus Sicht der Veranstalter mag dieser alte Zopf im Online-Zeitalter wohl nicht mehr so relevant erscheinen, schliesslich lässt sich der Direktkontakt mit wenigen Klicks herausfinden. Doch das Signal an die Partnerbüros lautet halt gleichwohl: wir nehmen in Kauf, dass Kunden am Reisebüro vorbei buchen.

Insofern hat Knecht Reisen auf den Reisebüro-Unmut schnell und unkompliziert reagiert, um auch weiterhin die unabhängigen Reisebüro-Partner bei Laune zu halten.