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Der Tren Maya fährt zeitweise durch den mexikanischen Regenwald und macht bereits die Fahrt selbst zu einem besonderen Erlebnis. Bild: Edelweiss_Loren Bedeli

Mexiko: Auf Schienen durch die Welt der Maya

Anina Meier

Der Tren Maya macht die Yucatán-Halbinsel zur Bahnreise der besonderen Art: komfortabel und entspannt führt die neue Bahnlinie von tropischen Lagunen über farbenfrohe Kolonialstädte bis zu uralten Maya-Stätten.

Die Halbinsel Yucatán begeistert mit einer einmaligen Mischung aus karibischem Lebensgefühl, kolonialem Erbe und jahrtausendealter Maya-Kultur. Seit der vollständigen Fertigstellung des Tren Maya im Juli 2025, der Cancún mit den bedeutendsten Orten der Region verbindet, lässt sich diese Vielfalt so komfortabel wie nie zuvor entdecken – auf einer Zugstrecke, die Landschaft, Geschichte und Moderne elegant miteinander vereint.

Einsteigen in Cancún

Der moderne Bahnhof von Cancún wirkt fast wie ein neuer Eingang zur Halbinsel: weite Glasfronten, saubere Perrons und ein Zug, der pünktlich abfährt. Die Stadt selbst ist für ihre langen Strände, vielfältigen Resorts und lebhafte Gastronomie bekannt. Es ist ein idealer Ausgangspunkt, um Sonne, Meer und mexikanisches Lebensgefühl zu geniessen. Kaum rollt der Tren Maya los, verwandeln sich die türkis schimmernden Küstensegmente zu dichtem Regenwald. Dies ist ein Vorgeschmack auf die Kontraste, die die gesamte Reise prägen.

Bacalar: Die Lagune in allen Blautönen

Die erste Etappe führt ganz in den Süden von Quintana Roo nach Bacalar, wo die «Lagune der sieben Farben» ihre Besucher mit kristallklarem Wasser und ruhiger Atmosphäre empfängt. Das Wasser schimmert je nach Tiefe in hellen Türkistönen bis hin zu tiefem Blau.

Die «Lagune der sieben Farben» beeindruckt mit unterschiedlichen Blau- und Türkistönen. Bild: Edelweiss_Loren Bedeli

Die Region eignet sich perfekt zum Segeln, Schwimmen oder Entspannen am Ufer. Boutique-Hotels, kleine Restaurants und gemütliche Hängesessel machen den Aufenthalt besonders angenehm.

Valladolid: Kolonialer Charme und Maya-Kultur

Nächster Halt: Valladolid. Die Stadt vereint koloniale Architektur, lebhafte Plätze und eine entspannte Atmosphäre. Pastellfarbene Häuser säumen die Gassen, auf dem Hauptplatz mischen sich Marktstände mit gemütlichen Cafés, und in den umliegenden Vierteln finden sich Boutiquen mit hochwertigem Kunsthandwerk.

Rund 25 Kilometer nördlich von Valladolid befindet sich Ek’ Balam: eine ruhigere, weniger frequentierte Alternative zu den grossen archäologischen Stätten der Region. Die gut erhaltenen Bauwerke liegen eingebettet im dichten Dschungel und vermitteln das Gefühl, eine uralte Stadt zu erkunden, die noch immer teilweise von der Natur umschlossen ist. Im Unterschied zu vielen anderen Maya-Stätten ist es hier teilweise erlaubt, die Ruinen zu besteigen.

Die Ruinen von Ek’ Balam befinden sich im Dschungel und bieten eine spannende Alternative zu den stark frequentierten Stätten der Region. Bild: Edelweiss_Loren Bedeli

Zu den absoluten Höhepunkten einer Reise durch Yucatán zählt Chichén Itzá. Die präzise Symmetrie der Kukulcán-Pyramide, das eindrucksvolle Spiel von Licht und Schatten sowie der berühmte akustische Effekt, der an den Ruf des Quetzalvogels erinnert, zeugen vom aussergewöhnlichen astronomischen und architektonischen Können der Maya. Ein Ort, der seinen Status als Unesco-Welterbe eindrucksvoll unterstreicht.

Auf der gesamten Halbinsel pflegen Maya-Gemeinschaften bis heute Sprache, Bräuche und alltägliche Traditionen ihrer Vorfahren. Begegnungen mit einheimischen Familien – etwa im Rahmen von Kochkursen – eröffnen einen authentischen Einblick in die regionale Küche. Handgemachte Tortillas, Tamalitos, Huevo Encamisado und in Erdöfen zubereitete Spezialitäten stehen dabei für Rezepte, die seit Generationen weitergegeben werden.

Izamal: Die gelbe Stadt

Nach dem Besuch des Weltwunders geht es weiter nach Izamal, einer Stadt, die schon von Weitem durch ihr warmes Gelb leuchtet. Die Tradition, die Fassaden einheitlich zu streichen, verleiht Izamal ein einladendes Flair. Zwischen Kopfsteinpflaster, Klosteranlagen und kleinen Kunsthandwerksläden lässt sich wunderbar flanieren.

In der Stadt Izamal werden die Fassaden traditionell in einheitlichen Gelbtönen gestrichen und verleihen der Stadt ihr unverwechselbares Erscheinungsbild. Bild: Edelweiss_Loren Bedeli

Besonders spannend ist der Blick in die Vergangenheit: Izamal war lange vor der Kolonialzeit ein bedeutendes religiöses Zentrum der Maya, mit gewaltigen Tempelanlagen, von denen man heute nur noch die Grundformen erkennt. Viele Steine der alten Pyramiden wurden später für Kirchen und Häuser verwendet. So sitzt man in manchen Innenhöfen buchstäblich auf den Fundamenten vergangener Kulturen.

Mérida: Hauptstadt voller Leben und Rhythmus

Nur eine knappe Stunde von Izamal entfernt liegt Mérida. Hier wirkt der Kontrast wie ein Szenenwechsel. Während Izamal mit ruhiger Harmonie und historischen Fassaden verführt, präsentiert sich Mérida als dynamische Hauptstadt voller Leben, Rhythmus und kolonialem Erbe.

Schon bei der Ankunft mischen sich Strassenmusik, Marktgerüche und farbenfrohe Häuserfronten zu einem typischen Mérida-Moment. In der Altstadt lohnt sich ein Spaziergang vorbei an der eindrucksvollen Kathedrale, prachtvollen Stadtpalästen und Boutiquen, die hochwertiges Kunsthandwerk anbieten.

Eine Reise, die verbindet

Die Fahrt mit dem Tren Maya ist mehr als nur ein Fortbewegungsmittel: Sie verbindet Orte, Epochen und Perspektiven. Zwischen Lagunen, Weltwundern, Cenoten und Kolonialstädten offenbart Yucatán eine faszinierende Vielfalt, in der Geschichte und Gegenwart nahtlos ineinanderfliessen. Wer mit dem Tren Maya reist, erlebt nicht nur die Highlights der Region, sondern auch das Gefühl, sich Schiene für Schiene tiefer in die Kultur und Seele dieser einzigartigen Halbinsel vorzutasten.