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«Viele Menschen möchten bewusster reisen und den Weg bereits als Teil der Ferien erleben», sagt Rebecca Giger im Interview – genau da könne die Fähre ihre Stärken ausspielen. Bild: TN

«Fähren werden deutlich früher gebucht»

Für das Cruise & Ferry Center verlief das Jahr 2025 erfolgreich, insbesondere in den letzten Wochen kamen viele Buchungen rein, wie Geschäftsführerin Rebecca Giger im Travelnews-Interview sagt.

Frau Giger, wie verlief das Reisejahr 2025 für Cruise & Ferry Center?

Rebecca Giger: Erfreulich, insgesamt konnten wir das gute Vorjahr halten. Vor allem in den letzten Wochen kamen nun aber viele Buchungen rein. Das zeigt deutlich, dass viele Fährbuchungen für den kommenden Sommer wieder frühzeitiger getätigt werden.

Auf was führen Sie das zurück?

Eine frühzeitige Buchung bietet Sicherheit. Nicht, dass die Leute schlechte Erfahrungen gemacht hätten. Für die beliebtesten Destinationen Sardinien und Korsika waren im letzten Sommer auch kurzfristig noch freie Plätze verfügbar. Aber wer frühzeitig bucht, hat die Gewissheit, dies zu tiefen Preisen zu machen. Kurzfristig gehen die Tarife in der Regel in die Höhe. Das betrifft auch die Campingplätze. Wer jetzt bucht, findet noch bezahlbare Bungalows in der gewünschten Kategorie.

Könnte dies ein genereller Trend sein – zurück zur frühen Buchung?

Das kann gut sein. In ungewissen Zeiten möchten die Leute die Entwicklung vielleicht erst abwarten, bevor sie buchen. Nun wird wieder früher gebucht, was einen zusätzlichen Effekt mit sich bringt: man kann sich schon viel früher auf die geplante Ferienreise freuen.

Der Camperboom, von dem Sie als Fähren-Anbieterin profitieren, hält aber an?

Der Boom ist immer noch da. Camper- oder Autofahrer, die nach Sardinien oder Korsika mit dem eigenen Fahrzeug möchten, sind auf die Fähre angewiesen. Aber gleichzeitig sind Flugreisen weiterhin günstig, insofern stehen wir auch mit Flug-Pauschalreisen in Konkurrenz. Was uns aber freut: Immer mehr Zugreisende, also Fusspassagiere, setzen auf eine Fährenüberfahrt, ob ab Genua oder Livorno oder Richtung Grossbritannien. Wobei der Umsatz da nicht derselbe ist, weil kein Fahrzeug dazu gebucht wird.

«Was immer mehr gefragt ist, ist Irland  – auch auf Kosten von England.»

Welches sind die Top-Destinationen bei Ihnen? Sind das stets die selben?

Das Ranking bleibt ähnlich: Sardinien, Korsika, Griechenland, Norwegen, Schweden und Finnland stehen vorne. Was immer mehr gefragt ist, ist Irland  – auch auf Kosten von England, wohl wegen dem zusätzlichen Schritt, eine elektronische Reisegenehmigung einholen zu müssen.

Wie haben sich die Preise für Fähren entwickelt?

Insgesamt dürften die Tarife leicht gestiegen sein. Dies ist der Inflation geschuldet und nicht, weil vermehrt neue Schiffe im Einsatz sind. Gleichzeitig bieten die Fährgesellschaften wie GNV aber auch oft gute Preisaktionen an; jüngst etwa beim Black Friday oder die Frühbucher-Rabatte sind stets sehr attraktiv. Und solche Tiefpreise sind das ganze Jahr über auszumachen.

Wie sieht’s mit den Umweltbemühungen der Fährreedereien aus?

Immer mehr Schiffe sind LNG-fähig, könnten mit Flüssigerdgas unterwegs sein. Das Problem ist, dass viele Häfen noch nicht so weit sind.

Mit welchen Erwartungen blicken Sie auf das Reisejahr 2026?

Wir blicken optimistisch auf 2026. Nach zwei stabilen Jahren hoffen wir, dass wir wieder leicht wachsen können. Viele Menschen möchten bewusster reisen und den Weg bereits als Teil der Ferien erleben – genau hier kann die Fähre ihre Stärken ausspielen.

(GWA)