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Shpend Ibrahimi, CEO von Chair Airlines, treibt die Positionierung der Schweizer Airline zwischen starkem Balkan-Geschäft und klassischen Badedestinationen weiter voran. Bilder: Chair Airlines

«Das Balkangeschäft kommt langsam an seine Grenzen»

Der Balkan bleibt für Chair Airlines ein wichtiger Pfeiler. Doch der Blick geht längst darüber hinaus. CEO Shpend Ibrahimi spricht in einem Interview über mögliche neue Ziele, die Grenzen des Balkan-Geschäfts und warum eine Business Class aktuell kein Thema ist.

Chair Airlines gehört zu den Gewinnern der vergangenen Jahre. Während viele – gerade junge Airlines – mit den Folgen der Pandemie kämpften, ist die Schweizer Fluggesellschaft laut CEO Shpend Ibrahimi seit 2022 profitabel unterwegs. Man sei stabil und gesund gewachsen, betont er – und das aus eigener Kraft. «Das Wachstum wurde selbstfinanziert», sagt Ibrahimi in einem Interview mit dem Aviatik-Portal «Aerotelegraph». Angesichts der schwierigen Startbedingungen zeige das, dass das Management einiges richtig gemacht habe.

Auch 2025 lief es rund. Das aktuelle Jahr sei genauso gut wie das letzte, so der Chair-CEO. Entscheidend dafür seien eine konstant hohe Qualität und zufriedene Partner. Diese bildeten die Basis für langfristige, nachhaltige Kooperationen. Nach sechs Jahren am Markt sieht Ibrahimi den wichtigsten Meilenstein bereits erreicht: den Sprung in die Gewinnzone. Seither wächst Chair Airlines weiter – aber bewusst. Man verzichte auf Expansion mit der Brechstange und orientiere sich strikt an Nachfrage, Markttrends, Veranstalterbedürfnissen und verfügbaren Slots. Experimente seien nicht Teil der Strategie.

Stark investiert hat Chair Airlines in das Produkt. Die Kabinenflotte wurde vollständig erneuert, mit neuen ergonomischen Sitzen, Teppichen und einem modernen Unterhaltungssystem. Zudem können Passagiere frisch zubereitete, regionale Menüs vorbestellen, die in Porzellangeschirr serviert werden. Nicht verkaufte Snacks gehen am Tagesende für fünf Franken über den Tresen – der Erlös wird der Stiftung Schweizer Tafel gespendet. Diese Massnahmen würden von den Gästen wahrgenommen und geschätzt, so Ibrahimi.

Chair prüft auch Langstreckenziele

Die Positionierung ist klar: Chair versteht sich als hochwertige Schweizer Ferienairline – nicht als klassische Balkan-Airline. Dennoch bleibt dieses Geschäft wichtig. Rund 40 Prozent der Flüge entfallen weiterhin auf Balkan-Destinationen, oft im Auftrag von Reiseveranstalter Air Prishtina.

Gleichzeitig baut Chair das Angebot in klassische Ferienregionen wie Ägypten, Marokko, Spanien, Griechenland oder Portugal aus. Der Wettbewerb auf dem Balkan habe stark zugenommen, räumt Ibrahimi ein. «Das Balkangeschäft kommt langsam an seine Grenzen. Viel mehr geht da nicht mehr.» Umso wichtiger seien Agilität, Flexibilität und Pünktlichkeit.

Eine Business Class gibt es derzeit nicht, dafür ein attraktives VIP-Paket mit Priority-Leistungen ab 30 Franken pro Strecke. Neue Märkte analysiert Chair sorgfältig, auch der Norden wird laut Ibrahimi nicht ausgeschlossen. Weisse Flecken gebe es in Europa kaum mehr, allenfalls Chancen, wenn Nachfrage und Partner passen. Langstreckenziele mit Tankstopp, etwa in Afrika, befinden sich aktuell in der Evaluationsphase.

Der Winter bleibt für Ferienflieger eine Herausforderung. Chair begegnet der Saisonalität mit Wartungsfenstern und dem Ausbau von Ganzjahresdestinationen. Die Auslastung der Flotte ist hoch: im Schnitt über zehn Flugstunden pro Tag. Heute betreibt Chair Airlines drei Airbus A320 und einen A319. Im kommenden Jahr soll ein weiterer A320 dazukommen. Langfristig setzt das Unternehmen konsequent auf den A320. Grössere Flugzeuge wie der A321 sind aktuell kein Thema. Wachstum ja – aber kontrolliert, profitabel und mit klarem Fokus auf Qualität.

(TN)