On The Move

Mit dem neuen Nightjet der ÖBB geht es ab Dezember 2025 direkt von Zürich nach Hamburg. Bild: ÖBB / Harald Eisenberger

Trends und Neuheiten auf der Schiene: Das müssen Bahnreisende wissen

Reto Suter

Zugreisen boomen. Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer entdecken Europa auf der Schiene – bequem, klimafreundlich und voller Überraschungen. Bahnprofis verraten, welche Ziele im Trend liegen, wo Neues auf die Reisenden wartet – und auf welchen Strecken sie selbst am liebsten unterwegs sind.

Die Vorteile von Bahnreisen liegen auf der Hand: keine langen Einstiegsprozeduren, keine Staus, nachhaltiger unterwegs – und dazu noch Bewegungsfreiheit, grosszügige Gepäckbestimmungen und die Möglichkeit, unterwegs zu arbeiten. Vor allem aber: Die Bahn bringt ihre Passagiere direkt ins Stadtzentrum.

Im Zuge der Klimadebatte entdecken immer mehr Menschen das Zugreisen neu, besonders auf internationalen Strecken. Die Bahngesellschaften reagieren darauf mit einem stetig wachsenden Angebot, modernisierten Zügen und besser vernetzten Linien.

Travelnews war bei einer Präsentation von Bahnprofis dabei und beantwortet die fünf wichtigsten Fragen rund um internationale Zugreisen ab der Schweiz.

Welches sind die Trendziele Schweizer Bahnreisender im Ausland?

Der unangefochtene Favorit unter den Schweizer Zugreisenden bleibt Paris. Nach einer leichten Flaute im vergangenen Jahr – bedingt durch die Olympischen Sommerspiele, die viele von einem Besuch abhielten – erlebt die französische Hauptstadt ein starkes Comeback. Zu den Aufsteigern des Jahres zählen vor allem kleinere italienische Städte wie Verona, Bologna oder Vicenza, die mit Charme, Kultur und guter Erreichbarkeit punkten. Ebenfalls deutlich im Aufwind ist München. Auch Kopenhagen und Rom verzeichnen wachsendes Interesse. Weniger gefragt ist dagegen Venedig, wo die Zahl der Buchungen zuletzt spürbar nachgelassen hat.

München gehört zu den grossen Aufsteigern im internationalen Bahnverkehr. Bild: Adobe Stock

Wie viele internationale Zugverbindungen gibt es ab der Schweiz?

Zehn Länder und rund 120 Destinationen sind per Bahn direkt mit der Schweiz verbunden. Pro Jahr nutzen rund zwölf Millionen Bahnreisende das internationale Angebot. Ein besonderer Fokus liegt auf den Nachbarländern Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich. Für bis zu 17 tägliche Verbindungen pro Richtung zwischen der Schweiz und Frankreich zeichnet TGV Lyria verantwortlich – ein Tochterunternehmen von SBB und SNCF. Im vergangenen Jahr beförderte es 5,7 Millionen Passagiere. Neben einem dichten Fahrplan nach Paris bietet TGV Lyria auch Verbindungen nach Dijon sowie saisonal ab Lausanne nach Marseille an.

Welche Neuheiten stehen im internationalen Bahnverkehr bevor?

Ab dem 4. Dezember 2025 nimmt der neue ÖBB-Nachtzug der jüngsten Generation den direkten Betrieb zwischen Zürich und Hamburg auf. Voraussichtlich im Verlauf des Jahres 2026 werden auch auf weiteren Linien die ÖBB-Nightjets der neuen Generation eingesetzt. Die neuen Fahrzeuge sorgen für eine Steigerung des Komforts. Auch im Tagesverkehr stehen Neuerungen bevor: Ab dem 14. Dezember 2025 bietet die SBB in Kooperation mit Trenitalia mit dem Giruno direkte Verbindungen von Zürich nach Florenz an. Der bisherige direkte Zug nach Genua verkehrt während des Sommerhalbjahrs künftig weiter südlich bis La Spezia. Ein weiteres Highlight folgt im Frühling 2026: Mit Starttermin 15. April sollen direkte Züge von Basel nach Malmö verkehren, mit Halt am Flughafen Kopenhagen (Travelnews berichtete). Für Reisende besonders attraktiv: Kombinationen mit Stockholm und Göteborg sind problemlos möglich. Zudem sind – vor allem im Sommer – Direktverbindungen von Malmö nach Oslo in Planung.

Präsentierten Neuheiten im internationalen Bahnverkehr, von links: Alfonso D'Ambrosio (SBB), Nadja Aeberhard (Railtour), Mike Jakob (Railtour), Jannis Lorenz (Railtour), Linda Luipold (TGV Lyria) und Matteo Spiller (SBB). Bild: TN

Wie kommt man mit dem Zug ans Meer?

Besonders attraktiv sind die Zugverbindungen Richtung Italien, die Reisende direkt an die ligurische Küste bringen. Neben Genua halten die Züge in der Hauptsaison auch in beliebten Ferienorten wie Santa Margherita, Sestri Levante und La Spezia. Ebenso reizvoll ist die saisonale Verbindung von Lausanne über Genf, Avignon und Aix-en-Provence bis in die mediterrane Hafenstadt Marseille. Auch der Blick nach Norden lohnt sich: Die Insel Sylt gilt als besonders spannende Destination. Ab der Schweiz ist sie per Zug via Hamburg in rund zwölf Stunden erreichbar.

Welches sind die Geheimtipps der Bahnprofis?

Mike Jakob von Railtour, preist in seiner leidenschaftlichen Art viele Reiseziele an, etwa Hamburg und Mailand. Besonders ins Schwärmen gerät er jedoch beim kleinen Badeort Camogli nahe Genua: «Der Bahnhof liegt mitten im Dorf, die Hotels direkt am Meer – und die Preise sind nur etwa ein Drittel so hoch wie im mondänen Portofino», sagt der Bahnexperte. «Das ist schlicht genial». Auch Linda Luipold von TGV Lyria hat ihr persönliches Lieblingsziel: Dijon. «In nur zweieinhalb Stunden ab Zürich erreichbar und kulinarisch ein absoluter Traum», schwärmt sie. Jannis Lorenz von Railtour empfiehlt die Kombination Paris–London: Die Fahrt zwischen den beiden Metropolen dauert gerade einmal zwei Stunden und 15 Minuten – schneller, als manch einer erwartet.

Camogli an der ligurischen Küste: Der kleine Badeort mit Bahnanschluss direkt im Dorf gilt als Geheimtipp unter Zugreisenden. Bild: Unsplash

Matteo Spiller von der SBB lenkt den Blick auf eine Destination, die kaum jemand mit Bahnreisen verbindet: Sardinien. «Die Insel hat mehrere attraktive Zugstrecken», sagt er. «Die Sauberkeit im Zug und an den Bahnhöfen war beeindruckend. Besonders geschätzt habe ich das entspannte Reisen und den Blick auf die vorbeiziehenden Landschaften». Nadja Aeberhard von Railtour schwärmt wiederum von einer Zugrundreise durch Grossbritannien – mit Edinburgh als kulturellem Höhepunkt. Und Alfonso D’Ambrosio von der SBB denkt über einzelne Destinationen hinaus: Er hebt den europäischen Bahnverbund Railteam hervor – eine Art Allianz nach dem Vorbild der Fluggesellschaften. Mit einem Erste-Klasse-Ticket haben Reisende Zugang zu den Lounges der teilnehmenden Bahnen.