On The Move
Kommentar Ein Sündenregister ist der falsche Ansatz
Reto SuterDer grüne Nationalrat Christophe Clivaz will Vielfliegern das Leben schwer machen. Sein Vorschlag: eine Abgabe, die mit jedem zusätzlichen Flug innerhalb eines Jahres teurer wird. Der erste Flug bliebe steuerfrei, doch danach soll die Kasse klingeln.
Clivaz verspricht sich davon weniger «übermässiges Reisen» und verweist auf Studien, wonach Gutverdiener deutlich häufiger ins Flugzeug steigen als Menschen mit kleinerem Einkommen. Auch die SP zeigt Sympathien: Man brauche die Abgabe als Ausgleich, weil das Flugzeug steuerlich bevorzugt werde.
Nachhaltige Treibstoffe statt Sündenregister
So weit die Theorie. Doch in der Praxis entpuppt sich der Plan als politisches Luftschloss. Schon der Kontrollaufwand wäre gigantisch. Der Staat müsste für jede Bürgerin und jeden Bürger minutiös Buch führen, wie viele Flüge sie pro Jahr absolviert haben. Das bedeutet: ein neues Register, unzählige Schnittstellen zu Airlines, Datenaustausch quer über den Globus – kurzum, ein Bürokratiemonster.
Hinzu kommt: Der Ansatz ist völlig isoliert gedacht. Der Luftverkehr ist global verflochten. Was bringt es, wenn ausgerechnet die kleine Schweiz ein Sündenregister für Passagiere aufstellt, während die Welt drumherum fröhlich weiterfliegt? Ein symbolischer Alleingang, der den Klimaschutz nicht voranbringt, sondern höchstens das Image von Politikern poliert.
Und es stellen sich Fragen der Fairness: Was ist mit Menschen ausländischer Herkunft, die einmal im Jahr ihre Familie besuchen wollen? Ist dieser Besuch bereits der «verbrauchte» Freiflug – sodass jede weitere Reise, etwa in die Ferien, automatisch teurer wird? Eine absurde Vorstellung.
Wenn die Politik wirklich etwas für den Klimaschutz tun will, sollte sie dort ansetzen, wo es wirkt: bei den Treibstoffen. Ein verbindlicher Ausbau nachhaltiger Flugkraftstoffe bringt Fortschritte, auch wenn er Tickets verteuern könnte. Doch das wäre ehrlicher, effizienter und wirksamer als ein bürokratisches Punktesystem für Reisende.