On The Move
«Alles, was die Swiss ausmacht, bleibt in Zürich»
Nachdem die Lufthansa-Gruppe entschieden hat, ihre Konzernstruktur neu aufzustellen und mehr aus der Frankfurter Zentrale heraus zu bestimmen, stellt sich die Frage, was die Swiss künftig überhaupt noch zu sagen hat. Jetzt hat Swiss-CEO Jens Fehlinger in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» (Abo) dazu Stellung genommen.
Fehlinger widerspricht der Befürchtung, dass die Lufthansa-Gruppe die Schweizer Tochter im Zuge der Konzernreorganisation entmachten könnte. Und zu seinem Job als CEO der Swiss sagt er, «den braucht es definitiv noch». Es gehe nicht darum, Zürich zu schwächen, sondern «die Zusammenarbeit im Konzern neu zu ordnen». Er betont, dass alle Entscheidungen, die das Kundenerlebnis unmittelbar prägen, weiterhin in Zürich fallen werden – etwa Sitzkonfiguration, Lounges oder Servicekonzepte. «Das Wichtigste ist: Alles, was die Swiss ausmacht und was unsere Kunden direkt erleben, bleibt in Zürich.»
Künftig soll die Swiss jedoch enger mit dem Konzern zusammenarbeiten, etwa bei Netzwerkplanung, Preisgestaltung, dem Treueprogramm Miles & More oder in der IT. Dies sei keine Zentralisierung, sondern eine Integration mit Vorteilen für die Kunden: «Statt dass jede Airline ihre App entwickelt, tun wir das für alle. Die App der Swiss bleibt aber massgeschneidert für Swiss-Kunden.»
Auf weitere Vorteile für Swiss-Passagiere angesprochen, sagt er: «Unsere Kunden sagen uns immer wieder, wie kompliziert Umbuchungen sein können – etwa, wenn ein Swiss-Flug ausfällt, aber nebenan eine Lufthansa-Maschine steht. Künftig soll das viel durchlässiger sein. Und Swiss-Passagiere sollen künftig Lounges der Lufthansa-Gruppe besuchen können, wo sich die Swiss heute keine eigene Lounge leisten kann.»
Stellen könnten verlagert werden
Auch Sorgen um den Standort Zürich weist Fehlinger zurück: «Die Hälfte der Exportgüter verlässt die Schweiz über unsere Flugzeuge, rund ein Drittel der Touristen kommt mit dem Flugzeug ins Land. Dieser Verantwortung sind wir uns bewusst.» Einen Stellenabbau in Zürich gebe es aktuell nicht, Stellen könnten jedoch «in beide Richtungen» zwischen Frankfurt und Zürich verlagert werden.
Mit Blick auf Investitionen unterstreicht er: «Die Lufthansa-Gruppe steckt derzeit mehr Geld in die Swiss, als wir verdienen.» Gleichzeitig müssten aber Effizienzsteigerungen erzielt und Ticketpreise aufgrund höherer Kosten – etwa durch Abgaben oder nachhaltigen Treibstoff – angepasst werden.
Neue Flugzeuge sollen zudem das Angebot stärken: Ab Januar 2026 fliegt der neue Airbus A350 zunächst nach Boston, bald darauf auch nach Montreal.
Abschwächung der USA-Nachfrage
Zuletzt musste die Swiss mit einer reduzierten Nachfrage Richtung USA leben. Auch dazu äussert sich Fehlinger.
«Das Nordatlantikgeschäft ist das Rückgrat unseres Netzes und auch das Rückgrat unseres Erfolges. Deshalb wollen wir alle Verbindungen für unsere Kunden dorthin aufrechterhalten. Aber wir sehen in der zweiten Jahreshälfte vor allem in der Economy eine Abschwächung der Nachfrage», räumt der Swiss-CEO ein.
Einen Trump-Effekt lasse sich nicht verneinen. «Aber ich glaube, es gibt viele Gründe. Für das kommende Jahr erwarten wir glücklicherweise eine Erholung. Klar, jetzt sind die Flüge in die USA günstig. Die Flüge sind gut ausgelastet. Insbesondere in der Economyklasse konnten wir die Tickets aber nicht zu den Preisen absetzen, die wir letztes Jahr verlangen konnten.»