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Helvetic Airways übernimmt die Nachtflüge der Swiss auf der Strecke Zürich–Tel Aviv. Bild: Helvetic Airways

Swiss lagert Tel-Aviv-Flüge aus

Die Swiss reaktiviert ihre Nachtflüge nach Tel Aviv. Die grösste Schweizer Fluggesellschaft führt die Verbindungen jedoch nur in der Startphase selbst durch. Danach übernimmt die Wet-Lease-Partnerin Helvetic Airways. Für die kleine Airline bringt der neue Auftrag heikle Diskussionen im eigenen Team mit sich.

Die Swiss baut ihr Angebot nach Tel Aviv wieder aus und reaktiviert erstmals seit Beginn des Gaza-Krieges auch die Nachtverbindung. Ab dem 28. Oktober steht im Flugplan ein Abflug in Zürich um 22.45 Uhr, die Landung in Tel Aviv ist für 03.35 Uhr vorgesehen.

Während im November noch die Swiss selbst als ausführende Airline eingetragen ist, übernimmt ab Dezember Helvetic Airways, wie das Aviatik-Portal «Aerotelegraph» schreibt. Hintergrund ist der fortlaufende Personalmangel bei Pilotinnen und Piloten: «Infolge der anhaltenden Engpässe setzt Swiss weiterhin gezielt Wet-Lease-Partner ein, um das Flugangebot auf der Kurzstrecke zuverlässig aufrechtzuerhalten», teilt die Airline mit.

Heikle Destination mit hohem Ertrag

Tel Aviv gilt für die Lufthansa-Gruppe, zu der auch Swiss gehört, als lukrative, aber politisch heikle Destination. Immer wieder kam es seit Ausbruch des Gaza-Krieges zu kurzfristigen Flugstreichungen, wenn die Sicherheitslage eskalierte.

Die Situation belastet auch das Personal. Im Gesamtarbeitsvertrag der Swiss ist eine sogenannte Flugrücktrittsklausel verankert, die es Besatzungsmitgliedern erlaubt, bestimmte Einsätze ohne Angabe von Gründen abzulehnen. Von dieser Möglichkeit machten seit Kriegsbeginn viele Mitarbeitende Gebrauch – im Januar 2024 zeitweise bis zur Hälfte der Kabinen-Crew für Tel-Aviv-Flüge.

Die Swiss betont: «Wir führen Flüge grundsätzlich nur durch, wenn wir diese als sicher erachten. Die Sicherheit unserer Passagiere und Crews hat für uns stets oberste Priorität. Diese Rücktrittsklausel gilt auf dem gesamten Streckennetz.»

Widerstand bei Helvetic

Anders stellt sich die Lage bei Helvetic dar. Die Airline verfügt über keinen Gesamtarbeitsvertrag und keine vergleichbare Klausel für ihre Mitarbeitenden. Intern sorgt der geplante Einsatz nach Tel Aviv deshalb für Diskussionen. In einem Crew-Forum äussern sich Angestellte kritisch und lehnen Einsätze dorthin teilweise offen ab.

Ein Sprecher von Helvetic erklärt zurückhaltend: «Bei jeder Destination klären wir verschiedene Anforderungen und Kriterien ab. Dieser Prozess ist für Tel Aviv jedoch noch nicht abgeschlossen.»

Noch unklar ist, ob die Helvetic-Crews in Tel Aviv übernachten müssen oder ob die Flüge als reine Turnarounds geplant sind. «Dies ist noch in Abklärung», heisst es von der Swiss.

Fakt ist: Anstelle der gewohnten Airbus A321 oder sogar Langstreckenjets wie dem A330 sollen auf der Strecke künftig Embraer E190-E2 von Helvetic eingesetzt werden – mit rund 135 Sitzen deutlich kleiner. Für die Swiss bringt der Einsatz Stabilität im Flugplan, für Helvetic dürfte er jedoch die gleichen heiklen Fragen aufwerfen, die die Swiss seit Monaten beschäftigen.

(TN)