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Chair Airlines baut die Flotte aus und erweitert das Streckennetz. CEO Shpend Ibrahimi erklärt im Interview die nächsten Schritte. Bilder: Chair

«Eine exklusive Verbindung ab Zürich nach Vlora ist gefragt»

Reto Suter

Die kleine Schweizer Ferien-Airline Chair mischt die Grossen auf: Mit fünf Maschinen, Trendzielen wie Porto und einer Weltpremiere in Vlora. CEO Shpend Ibrahimi erklärt, wie er den Wachstumskurs trotz harter Konkurrenz fortsetzen will.

Die Schweizer Ferienfluggesellschaft Chair Airlines liess vergangene Woche aufhorchen: Gleich fünf neue Reiseziele bedient sie im Sommerflugplan 2026. Möglich macht das ein Ausbau der Flotte: Mit einem vierten Airbus A320 – und damit insgesamt fünf Maschinen – erweitert die Airline ihre Kapazität (Travelnews berichtete).

Am 26. Juni 2026 schreibt Chair sogar ein Stück Luftfahrtgeschichte: Als erste Airline überhaupt wird sie den neuen Flughafen von Vlora in Albanien anfliegen – auf einem Dreiecksflug ab Zürich über Patras nach Vlora und zurück in die Schweiz. Zudem bedient Chair neu auch die portugiesische Metropole Porto, Marrakesch in Marokko und die bosnische Stadt Tuzla.

Herr Ibrahimi, Sie sprechen beim Flottenausbau von einem weiteren Meilenstein für Chair Airlines. Können Sie uns das näher erläutern?

Shpend Ibrahimi: Dass ist korrekt. Der Ausbau unserer Flotte markiert in der noch jungen Geschichte von Chair Airlines einen weiteren bedeutenden Meilenstein. Um ein umfassendes Bild zu zeichnen, möchte ich kurz auf einige zentrale Etappen unseres bisherigen Weges eingehen. Ein entscheidender Punkt war sicherlich, dass wir durch konsequente Prozess- und Qualitätsoptimierung das Vertrauen unserer Partner und Fluggäste gewinnen konnten. Besonders während der Pandemie, die bereits im zweiten Jahr unseres Bestehens einsetzte, konnten wir unter Beweis stellen, dass Chair Airlines ein verlässlicher, verantwortungsbewusster und stabiler Partner ist – auch in schwierigen Zeiten. Diese Herausforderung hat uns letztlich noch stärker gemacht. In relativ kurzer Zeit gelang es uns, dank klarer Qualitätsausrichtung und Kundenfokus, unsere Flotte auf vier Flugzeuge zu erweitern und gleichzeitig den nächsten geplanten Meilenstein umzusetzen: die vollständige Erneuerung unserer Kabinenausstattung mit ergonomischen Sitzen der neuesten Generation sowie einem modernen Inflight-Entertainment-System ein – klarer Mehrwert für das Reise-Erlebnis unserer Fluggäste.

Ab 2026 operieren Sie bereits mit dem fünften Flugzeug. Was bedeutet der Flottenausbau strategisch für die nächsten Jahre?

In erster Linie bedeutet er mehr Flexibilität. Wir können unser Destinations-Portfolio erweitern und evaluieren, ob zusätzliche Abflughäfen wie Bern oder Genf künftig ein Thema sein könnten. Wir sehen weiterhin erhebliches Potenzial und sind überzeugt, dass unser Wachstum noch nicht abgeschlossen ist. Unsere Positionierung als kleine, aber feine Boutique-Ferien-Airline erlaubt uns, agil und schnell auf Marktveränderungen sowie auf neue Kundenbedürfnisse zu reagieren. Kurze Entscheidungswege und effiziente interne Prozesse zählen dabei zu unseren Stärken.

«Porto ist eine äusserst gefragte Trenddestination mit grossem Marktpotenzial»

Unter anderem Patras und Vlora sind neu im Flugplan: Warum haben Sie sich genau für diese beiden Ziele entschieden?

Der grosse Vorteil für Kundinnen und Kunden bei Patras: Die Transferzeit vom Flughafen zu den Hotels und Stränden beträgt lediglich 15 bis 30 Minuten, das bedeutet mehr Zeit für Erholung und weniger Zeit im Bus. Vlora wiederum bedienen wir als erste Airline exklusiv ab Zürich. Albanien gilt nach wie vor als Geheimtipp, und wir sehen in dieser Destination grosses touristisches Entwicklungspotenzial. Die Region rund um Vlora besticht durch wunderschöne Strände, die vom Flughafen aus schnell erreichbar sind.

Vlora ist noch wenig bekannt. Wie wollen Sie diese Destination im Schweizer Markt positionieren und bekannt machen?

Schon jetzt zeigen sich erste Partner interessiert, auch wenn dazu noch keine Details genannt werden können. Gleichzeitig erreichen uns viele Anfragen von Reisenden, die mit der Region vertraut sind. Unsere Marktanalysen zeigen: Eine exklusive Verbindung ab Zürich nach Vlora ist gefragt. Vielleicht auch noch ein interessanter Aspekt: Chair Airlines bietet die Möglichkeit, Vlora und Pristina zu kombinieren. So können Touristinnen und Touristen Albanien auf einer Rundreise besser kennenlernen; beispielsweise mit Hinflug nach Pristina, anschliessender Entdeckungsreise mit dem Mietwagen durch das Land, Badeferien an den Stränden nahe Vlora und Rückflug ab dort – oder umgekehrt.

Mit Porto tritt Chair in ein stark umkämpftes Feld ein. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass Sie sich gegen Swiss, TAP und Easyjet behaupten können?

Porto ist eine äusserst gefragte Trenddestination mit grossem Marktpotenzial. Wir überlassen es den Kundinnen und Kunden, mit wem sie fliegen möchten, sind aber überzeugt, dass unser Angebot in Bezug auf Qualitätsstandard, Servicelevel und Preis-Leistungs-Verhältnis absolut konkurrenzfähig ist. Auch auf dieser Strecke sehen wir sehr gute Chancen, uns zu behaupten.

Tuzla in Bosnien ist eine Premiere ab Zürich. Welche Zielgruppen sprechen Sie mit dieser Verbindung an – Diaspora, Ferienreisende oder eine Mischung aus beidem?

Wir richten uns durchaus auch an Individualreisende, aber in erster Linie sprechen wir mit dieser Verbindung die bosnische Diaspora an, der wir nun eine direkte und komfortable Flugmöglichkeit ab Zürich bieten können.

Zum Schluss: Wie schaffen Sie es, sich gegen Swiss und Edelweiss, die Platzhirsche in Zürich, zu behaupten?

Chair Airlines steht für eine innovative Schweizer Ferienfluggesellschaft mit einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis. Unsere Stärke liegt in der Kombination aus Qualität, Flexibilität und persönlichem Service.