On The Move

Nach dem Closing der Hotelplan-Übernahme richtet sich der Blick der Branche auf die personellen und strategischen Weichenstellungen. Bild: TN

Hotelplan-Deal: So reagiert die Branche auf das Personalbeben

Reto Suter

Die personellen Entscheide nach dem Hotelplan-Closing sind gefallen – und sorgen für gemischte Reaktionen. Einig ist sich die Reisebranche aber in einem Punkt: Jetzt zählt die gelungene Integration.

Eines kann man Dertour nicht vorwerfen: Zögerlichkeit. Kaum war das Closing der Hotelplan-Übernahme am vergangenen Freitag offiziell, legte der Konzern sämtliche Personalentscheide auf Management-Stufe offen. Besonders aufsehenerregend: Laura Meyer, CEO der Hotelplan Group, und Nicole Pfammatter, CEO von Hotelplan Suisse, verlassen das Unternehmen (Travelnews berichtete).

Travelnews hat Stimmen aus der Branche eingefangen – und der Tenor ist eindeutig: Die neue Aufstellung hält wenige Überraschungen bereit, doch Fragen bleiben.

Lob und Skepsis

Dominic Eckert, Inhaber von Dreamtime Travel, lobt den proaktiven Umgang: «Man hat sich offensichtlich in den vergangenen Monaten intensiv Gedanken gemacht und sich gut vorbereitet, um am Tag des Closings proaktiv zu agieren und die Kommunikation in die eigene Hand zu nehmen», sagt er. «Das wirkt professionell und schafft Vertrauen bei allen Involvierten.»

Roland Zeller, langjähriger Brancheninsider, hält fest: «Sowohl Laura Meyer wie auch Nicole Pfammatter haben in den vergangenen rund eineinhalb seit der Verkaufsankündigung der Migros einen super Job gemacht. Jetzt braucht es aber Luft für die Verschmelzung der Firmen.» Gleichzeitig sei er überrascht, wie viele Hotelplan-Leute im neuen Organigramm vertreten sind. Ob das auf Dauer so bleibe, werde sich zeigen.

Ein weiterer Branchenkenner, der nicht namentlich zitiert werden will, spricht von einer klaren Übergangslösung: Bei Markus Glesti, bisheriger stellvertretender CEO der Hotelplan Group, sei das Mandat wohl tatsächlich auf rund zwölf Monate angelegt – und auch die Doppelbesetzung im CFO-Bereich dürfte laut dem Branchenprofi kaum von Dauer sein.

Was gehört jetzt auf die Agenda?

Für die Branchenkenner ist klar: Nach den personellen Weichenstellungen rückt nun die Integration in den Mittelpunkt. Globetrotter-Chef André Lüthi mahnt auf der Business-Plattform Linkedin: «Bei allem Respekt für wirtschaftliche Optimierungen ist zu hoffen, dass die gelebte Hotelplan-Kultur weiterhin ihren Platz hat – und nicht gewinnorientierten Excel-Tabellen weichen muss.»

Roland Zeller ist überzeugt, dass Dertour die Übernahme genau durchgerechnet und Synergien identifiziert hat. «Die grössten Hebel sind mit Sicherheit im Filialnetz, in der IT und im Einkauf auszumachen. Genau daran wird die Dertour-Crew in den nächsten 12 bis 24 Monaten arbeiten», so seine Analyse.

Thomas Meier, Geschäftsleiter von Twerenbold Reisen, betont, dass es jetzt Fingerspitzengefühl braucht: «Die Käufer sind gut beraten, die Stärken der gekauften Firma zu erkennen und diese aktiv am Laufen zu halten – oder noch besser gewinnbringend in die eigene Organisation mit zu berücksichtigen. Bereiche, die liefern, sollten nicht einem Skaleneffekt geopfert werden», findet er.

Dominic Eckert richtet seinen Fokus auf die künftige Markenstrategie. «Aus Branchensicht wird spannend sein, wie die verschiedenen Marken – insbesondere die bestehenden Spezialisten-Marken sowie der Multi-Destination-Spezialist Travelhouse – künftig positioniert werden», erklärt er. Auch die Frage der Filialen werde bald beantwortet werden müssen: «Mittelfristig wird es darum gehen, wie man mit den Doppelspurigkeiten bei den Standorten umgeht.»

Damit ist die Richtung klar: Nach dem Personalbeben folgt die eigentliche Bewährungsprobe – die Verschmelzung zweier Organisationen, die starke Traditionen mitbringen.