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Nachdem die Weko grünes Licht für den Hotelplan-Deal gegeben hat, schaut die Branche gespannt zum Hauptsitz von Dertour Suisse. Bild: Dertour Suisse

Kommentar Weko segnet ab – doch die wahren Fragen kommen erst

Reto Suter

Die Wettbewerbskommission (Weko) hat den Verkauf von Hotelplan an Dertour bewilligt – nach einer Prüfung, deren Ausgang kaum überraschte. Doch der Hauptakt beginnt erst jetzt: Die Fusion von Hotelplan und Dertour wirft Fragen über Jobs, Strukturen und die künftige Vielfalt im Reisemarkt auf.

Jetzt also doch: Fast zwei Jahre nach den ersten Gerüchten ist es offiziell: Die Migros-Reisetochter Hotelplan geht zu grossen Teilen an Dertour über. Die Weko hat den Deal abgesegnet, nach einer dreimonatigen vertieften Prüfung.

Ob es diese wirklich gebraucht hätte? Wohl kaum. Denn von Beginn weg war klar: Reisende werden auch künftig genügend Möglichkeiten haben, ihre Ferien zu buchen – sei es im klassischen Reisebüro, über Online-Plattformen oder direkt bei Airlines und Hotels.

Für Dertour war die Verzögerung ärgerlich. Statt die Fusion rasch voranzutreiben und von den Hotelplan-Talenten zu profitieren, musste das Management tatenlos zuschauen, wie Knecht-CEO Sebastian Kickmaier in aller Ruhe eine Reihe von Profis aus dem Hotelplan-Team abwerben konnte.

Und auch für die Belegschaft von Hotelplan war die monatelange Hängepartie ein zermürbendes Spiel. Seit den ersten Verkaufsgerüchten stand die Frage im Raum: Gibt es meine Filiale auch künftig noch? Bleibt mein Job bestehen? Die Unsicherheit hat Spuren hinterlassen.

Droht jetzt der grosse Einheitsbrei?

Und dann sind da die kleineren Reisebüros, die teilweise mit Skepsis auf den Deal blicken. Für sie ist klar: Wenn Dertour nun Hotelplan schluckt, ist es eine Illusion zu glauben, dass wirklicher Wettbewerb zwischen Kuoni und Hotelplan bestehen bleibt – auch wenn beide Marken (vorerst) erhalten werden.

Manche fühlen sich an die Übernahme der Swiss durch die Lufthansa zurückerinnert: Zwei Logos, ein Konzern. Die Produkte und Preise sind weitgehend identisch, Unterschiede minimal. Bei der Swiss funktioniert das Modell, weil die Geografie zählt – Abflug ab Zürich oder Frankfurt macht für Reisende eben einen Unterschied.

Bei Veranstaltern wie Hotelplan und Kuoni sieht das anders aus: Ob das Hotel auf Mallorca über die eine oder die andere Marke verkauft wird, läuft für die Reisenden letztlich aufs Gleiche hinaus. Einzig echter Wettbewerb sorgt hier für Vielfalt und bessere Konditionen. Genau diese Vielfalt könnte nun leiden. Die Angst der Kleinen: zunehmender Einheitsbrei.

Wie es jetzt weitergeht, wird spannend zu beobachten sein. Welche Strukturen bleiben bestehen? Wer verliert seinen Job? Und wie sehr nutzt die neue Nummer 1 im Schweizer Reisemarkt ihre Schlagkraft aus? Sicher ist: Die Übernahme ist kein Schlusspunkt – sondern erst der Beginn eines neuen Kapitels, das die Branche noch lange beschäftigen wird.