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Kommentar Das Kaffee-Verbot ist reine Schikane
Reto SuterWer bei Ryanair oder Easyjet mit einem frischen Coffee-to-go in den Flieger steigt, hat neuerdings schlechte Karten. Heissgetränke von aussen sind verboten (Travelnews berichtete). Wer trotzdem nicht auf seinen Kaffee verzichten will, darf sich später gerne einen servieren lassen. Natürlich nicht kostenlos.
Offiziell verweisen die Airlines auf das Sicherheitsrisiko: Heisse Flüssigkeiten könnten bei Turbulenzen gefährlich sein. Ein nachvollziehbares Argument, das auf den ersten Blick plausibel klingt – wenn man ausser Acht lässt, dass Kaffee und Tee auch während des Flugs ganz regulär von der Crew ausgeschenkt werden. Offenbar ist es weniger gefährlich, wenn der heisse Kaffee gegen Aufpreis aus dem Bordwagen kommt, als wenn er aus dem mitgebrachten Becher stammt.
Kritiker vermuten deshalb zu Recht wirtschaftliche Interessen hinter dem Verbot: Wer keinen Coffee-to-go mitnehmen darf, greift vielleicht eher zum teuren Bordgetränk. Ein Verdacht, der sich durch die Praxis einiger Airlines erhärtet, die beim Alkohol seit Jahren ähnlich vorgehen.
Eigenverantwortung unerwünscht
Eigene alkoholische Getränke mitzubringen, ist vielerorts verboten – wegen Exzessen einzelner Gruppen, faktisch trifft es aber alle. Die Mehrheit der Reisenden wird damit kollektiv bestraft, weil sich einige nicht benehmen können. Auch der unverdächtige Familienvater, der sich nach hektischen Stunden vor dem Abflug mit einem mitgebrachten Dosenbier an Bord entspannen möchte, geht leer aus – oder muss bezahlen.
Andere Airlines wie Lufthansa, Eurowings oder Condor zeigen, dass es auch anders geht: Dort bleibt man gelassen und vertraut offenbar auf die Eigenverantwortung der Passagiere. Von einer Einschränkung der Mitnahme von Heissgetränken ist mindestens vorerst nichts zu hören – und das ist auch gut so. Denn Reisekomfort besteht nicht nur aus Beinfreiheit und Pünktlichkeit, sondern auch aus kleinen Freiheiten, die nicht unnötig reglementiert werden sollten.
Ein Kaffee vor dem Abflug ist kein Luxus. Ihn mitnehmen zu dürfen, sollte keine Ausnahme, sondern selbstverständlich sein.