On The Move

Florian Tomasi leitet neu die Schweizer Niederlassung von Schauinsland-Reisen. In seinem ersten Interview als Schweiz-Chef gewährt er Einblick in seine Pläne. Bild: TN

«Das Bauchgefühl sagte ganz klar: Mach das

Reto Suter

Nach über zwei Jahrzehnten Branchenerfahrung hat Florian Tomasi den nächsten Karriereschritt gewagt. Im Gespräch mit Travelnews verrät der neue Schweiz-Chef von Schauinsland-Reisen, welche Hebel er jetzt in Bewegung setzt – und wo er das grösste Potenzial für Wachstum sieht.

Kaum jemand in der Schweizer Reisebranche hat so viele Perspektiven eingenommen wie Florian Tomasi – und dabei ein ebenso breites wie tiefes Wissen aufgebaut: Sieben Stationen in 25 Jahren, darunter alles namhafte Unternehmen wie TUI, FTI, Hotelplan, Vögele Reisen und Chair, prägen seinen beruflichen Werdegang.

Anfang Jahr hat er ein neues Kapitel aufgeschlagen: Tomasi ist bei der Schweizer Niederlassung von Schauinsland-Reisen an Bord gegangen. In den ersten sechs Monaten wurde er vom bisherigen Länderchef Stefan Gutknecht eingeführt – jenem Mann, der die Schweizer Niederlassung während sechs Jahren aufgebaut und etabliert hat.

In seinem ersten Interview als Schweiz-Chef spricht Tomasi darüber, was ihn an seiner neuen Rolle reizt, was er anders machen wird als sein Vorgänger und wie viel Potenzial er für Schauinsland-Reisen in der Schweiz sieht.

Herr Tomasi, Wenn Sie an den Anruf von Stefan Gutknecht vor gut einem Jahr zurückdenken – was ging Ihnen durch den Kopf, als er Sie für die Schweiz-Leitung ins Spiel brachte?

Florian Tomasi: Ich habe das Wirken von Schauinsland-Reisen in der Schweiz schon länger mit Interesse verfolgt – insbesondere während meiner Zeit als CCO bei Chair. Als der Anruf von Stefan Gutknecht kam, entwickelte sich rasch ein vertiefter Austausch zwischen uns. Schnell hatte ich das Gefühl: Das könnte sehr gut passen – sowohl menschlich als auch inhaltlich. Das Bauchgefühl sagte ganz klar: Mach das!

Was reizte Sie konkret an der Stelle?

Für mich ist es mehr als nur ein Job – es ist eine Herzensangelegenheit. Ich bin seit 25 Jahren in der Reisebranche unterwegs, viele Jahre davon im Tour Operating. In der Rolle als Schweiz-Chef von Schauinsland-Reisen kann ich genau das einbringen, was mir liegt und Freude macht: Ich bin nah dran an den Themen Flug, Vertrieb und Marketing – und genau in diesen Bereichen sehe ich auch grosses Potenzial für uns.

Anfang 2025 haben Sie den Job bei Schauinsland-Reisen angetreten. Wie lief die Einarbeitung mit dem bisherigen Schweiz-Chef Stefan Gutknecht?

Wir kennen uns seit vielen Jahren, unsere Wege haben sich immer wieder gekreuzt – mal intensiver, mal lose. Umso schöner, dass wir nun diese Übergangsphase gemeinsam gestalten konnten. Die Einarbeitung war intensiv, aber sehr konstruktiv: Wir haben uns zusammen in viele Themen vertieft und bestehende Prozesse analysiert. Es war eine lehrreiche Zeit – und ein fliessender Übergang, wie man ihn sich nur wünschen kann.

Florian Tomasi (links) mit seinem Vorgänger, Stefan Gutknecht. Bild: TN

Wie gut ist Ihr Kontakt zum Mutterhaus in Deutschland?

Der Kontakt zum Mutterhaus in Deutschland war von Beginn an ausgesprochen unkompliziert. Schauinsland-Reisen lebt eine sehr zugängliche, teamorientierte Unternehmenskultur – man wird herzlich aufgenommen und ist rasch Teil des Ganzen. Die Kolleginnen und Kollegen in Duisburg haben stets ein offenes Ohr für Anliegen aus der Schweiz. Gemeinsam mit Stefan Gutknecht war ich zudem mehrfach vor Ort, um zentrale Themen zu vertiefen und den Austausch mit den Fachabteilungen zu stärken.

«Mein Ziel ist es, das Vertrauen in unsere Marke in der Schweiz weiter zu stärken»

Gibt es für jemanden mit Ihrem Werdegang überhaupt einen passenderen Job? Immerhin bringt die neue Aufgabe bei Schauinsland-Reisen all das zusammen, was Sie in den letzten 25 Jahren geprägt hat – vom Airline-Business über den Vertrieb bis hin zum Marketing.

Nach einem halben Jahr kann ich sagen: Ja, diese Aufgabe vereint vieles, was mir wichtig ist. Meine Erfahrungen aus Airline, Vertrieb und Marketing fliessen täglich ein. Ich war viele Jahre auf Airline-Seite tätig, gleichzeitig verfüge ich über ein breites Netzwerk in der Schweizer Reisebürolandschaft. In der neuen Rolle kann ich beides verbinden – das operative Know-how mit der Freude am persönlichen Austausch. Ich bin viel unterwegs, besuche Büros, führe Gespräche. Genau das liegt mir – und macht für mich den Reiz dieses Jobs aus.

Wie präsent werden Sie künftig bei den Schweizer Reisebüros sein?

Der direkte Austausch mit unseren Partnern liegt mir sehr am Herzen – ich schätze das persönliche Gespräch und den offenen Dialog. Die Reisebüros sollen wissen, dass sie mit mir eine verbindliche Ansprechperson haben, die jederzeit erreichbar ist. Nebst dem täglichen operativen Geschäft plane ich, etwa die Hälfte meiner Zeit aktiv in Vertriebsaktivitäten und in den Aufbau sowie die Pflege von Partnerschaften mit Reisebüros zu investieren. Die übrigen 50 Prozent widme ich dem Thema Flug- und Yield-Management.

Welche Vision verfolgen Sie mit Schauinsland-Reisen in der Schweiz?

Unser Leitsatz lautet «Urlaub in besten Händen» – und genau das soll für unsere Kunden spürbar sein. Unser klarer Fokus liegt auf dem B2B-Geschäft: Wir wollen als zuverlässiger Partner für Reisebüros auftreten, mit hochwertigen Produkten, persönlichem Service und einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis. Mein Ziel ist es, das Vertrauen in unsere Marke in der Schweiz weiter zu stärken. Darüber hinaus sehe ich Chancen, unser Portfolio zu erweitern – etwa mit Kreuzfahrtpauschalen oder der Einführung der Marke Explorer.

«In gewissen Bereichen werde ich mit der Zeit sicher punktuell eigene Akzente setzen»

Welches Potenzial sehen Sie für Explorer im Schweizer Markt?

Explorer bietet die Möglichkeit, individuelle oder vorgefertigte Rundreisen flexibel zusammenzustellen – und mit Badeferien zu kombinieren. Das passt sehr gut zur Schweiz: Die Reisebüros hier sind ausgesprochen bausteinaffin, und genau da setzt Explorer an. Ich bin überzeugt, dass dieses Produkt auf grosses Interesse stossen wird und sich als wertvolle Ergänzung in der Beratung etabliert. Mit unserem System «TripBuilder by Explorer» ermöglichen wir Reisebüropartnern, individuelle Reisen einfach, schnell und passgenau auf die Wünsche ihrer Kunden zuzuschneiden. Mein Tipp: Probiert es aus – es lohnt sich!

Schauinsland-Reisen ist ein deutsches Unternehmen. Was funktioniert im Schweizer Markt anders als in Deutschland?

Grundsätzlich sind die Ansprüche an Servicequalität und Verlässlichkeit im gesamten deutschsprachigen Raum hoch – das gilt sowohl für Reisebüros in Deutschland als auch in der Schweiz. Dennoch spüre ich im Schweizer Markt eine besonders ausgeprägte Erwartungshaltung, was Geschwindigkeit und Präzision im Tagesgeschäft betrifft. Viele Büros möchten Buchungen möglichst effizient und reibungslos abwickeln – ohne lange Rückfragen oder Verzögerungen. Schauinsland-Reisen kann hier punkten: Die Kolleginnen und Kollegen in Duisburg sind hervorragend aufgestellt, reagieren schnell und professionell und zeigen grosses Verständnis für die spezifischen Abläufe und Bedürfnisse in der Schweiz. Diese Offenheit und Flexibilität schätze ich sehr.

Wie wichtig ist die Schweizer Niederlassung für Schauinsland-Reisen?

Die Schweiz ist für Schauinsland-Reisen ein bedeutender Markt, in dem wir uns sehr gut entwickeln. Die Umsätze hierzulande tragen positiv zum Gesamterfolg des Unternehmens bei. Auch im laufenden Jahr liegen wir erfreulich auf Kurs. Mit klarer Strategie und echter Überzeugung investieren wir weiter in diesen Markt – mit dem Blick nach vorn und dem Anspruch, gemeinsam mit unseren Partnern nachhaltig zu wachsen.

Was möchten Sie anders machen als Ihr Vorgänger Stefan Gutknecht – und was möchten Sie bewusst weiterführen?

Stefan und ich ticken in vielen Punkten ähnlich – das hat auch unsere Übergangszeit deutlich gezeigt. Er hat mit viel Engagement enge Beziehungen zu den Reisebüros aufgebaut und verfügt über grosse Expertise im Flugbereich. Beides schätze ich und möchte es unbedingt fortführen. Das Fundament, das er geschaffen hat, steht äusserst solide – es besteht kein Anlass für grundlegende Veränderungen. In gewissen Bereichen werde ich mit der Zeit sicher punktuell eigene Akzente setzen – aber nicht mit der Brechstange, sondern wohlüberlegt.