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Eine Boeing 787-8 der Air India war kurz nach dem Start in Ahmedabad abgestürzt. Neue Tonaufnahmen aus dem Cockpit werfen nun brisante Fragen auf. Bild: Air India

Neue Erkenntnisse zum Absturz der Air-India-Maschine

Der tragische Absturz einer Air-India-Maschine von Mitte Juni wirft viele Fragen auf. Nach der Auswertung des Cockpit-Voice-Recorders verdichten sich die Anzeichen, dass einer der Piloten bewusst in den Flugverlauf eingegriffen hat.

Die Boeing 787-8 Dreamliner war auf dem Weg von Ahmedabad in Indien nach London, als sie kurz nach dem Start zu Boden stürzte. 241 Menschen an Bord kamen ums Leben, ebenso 19 Personen am Boden. Nur ein Passagier überlebte das Unglück.

Bereits kurz nach dem Absturz hatte die indische Flugsicherheitsbehörde bekannt gegeben, dass weder mechanische Defekte noch Wartungsfehler festgestellt wurden. Nun rücken die Tonaufnahmen aus dem Cockpit in den Mittelpunkt der Untersuchungen.

Laut der italienischen Zeitung «Corriere della Sera», der zwei mit dem Fall vertraute Quellen Informationen zugespielt haben, übergab der Kapitän seinem Ersten Offizier noch vor dem Start das Kommando mit den Worten: «Das Flugzeug ist in Ihren Händen.» Ein durchaus üblicher Vorgang, wie erfahrene Piloten bestätigen. Doch was danach geschah, lässt die Luftfahrtwelt aufhorchen.

Panik im Cockpit – und dann Stille

In den Aufzeichnungen des Cockpit Voice Recorders ist klar zu hören, wie während des Steigflugs die beiden Treibstoffschalter manuell von «Run» auf «Cutoff» gestellt werden – das charakteristische Klicken ist laut den Quellen deutlich zu hören.

Es folgt ein mehrfach wiederholter, panischer Ausruf des Ersten Offiziers: «Warum haben Sie die Triebwerke abgestellt?» Eine andere Stimme – möglicherweise die des Kapitäns – entgegnet: «Ich war das nicht.» Danach herrscht Schweigen im Cockpit.

Die Triebwerke versuchten zwar, automatisch wieder zu starten, doch da war es bereits zu spät. Die Maschine befand sich im unkontrollierbaren Sinkflug. Augenblicke später schlug sie in einem Vorort von Ahmedabad auf.

Die Ermittler konnten die Stimmen bislang nicht eindeutig zuordnen, da es keine Bildaufnahmen aus dem Cockpit gibt. Besonders brisant: Mohan Ranganathan, einer der führenden Flugsicherheitsexperten Indiens, beruft sich auf Aussagen von Air-India-Piloten, wonach der Kapitän in der Vergangenheit psychisch auffällig gewesen sei und längere Zeit krankgeschrieben war.

Ob es sich um eine tragische Verkettung menschlicher Fehler handelt – oder um Absicht –, ist derzeit unklar. Der Abschlussbericht wird frühestens 2026 erwartet.

(TN)