On The Move
So entwickeln sich die Palma-Flugtarife
Gregor WaserDie Badeferien-Rennstrecke Zürich - Palma ist traditionell sehr umkämpft. Auf keiner anderen Flugstrecke ab Zürich mischen so viele Airlines mit. Schliesslich ist im Sommerhalbjahr die Mallorca-Nachfrage überaus gross, denn die vielseitige Ferieninsel liegt nur 80 Flugminuten von Zürich entfernt.
Nun ist auf diesen Sommer hin auch noch Easyjet in den Ring gestiegen. Der Billigcarrier hat fünf neue Strecken ab Zürich aufgenommen, darunter Palma, und greift damit die etablierten Airlines an. Wohlweislich hat sich die spanische Airline Vueling wenige Wochen nach der Easyjet-Ankündigung gleich mal von der umkämpften Rennstrecke verabschiedet und will sich wohl nicht auf eine befürchtete Preistreiberei einlassen.
Aktuell bedienen fünf Airlines die Strecke Zürich - Palma. Neben Easyjet sind dies Swiss, Edelweiss, Condor und Chair. Welche Auswirkungen hat der Easyjet-Einstieg auf die Flugpreise? Travelnews hat während einem halben Jahr die Preisentwicklung zweier bestimmter Flugdaten im Auge behalten:
- In der Vorsaison unter der Woche: 17. bis 24. Juni
- In der Hochsaison am Wochenende: 19. bis 26. Juli
Wir haben jeweils den tiefsten Preis in der Economy Class eruiert. Dieser sieht – ausser bei Edelweiss – noch kein Check-in-Gepäck vor.
Bei der Grösse des Kabinengepäcks bestehen Unterschiede:
- Der Edelweiss Economy Saver beinhaltet ein Check-In-Gepäck für 23kg, ein zusätzliches Sportgepäck à 23kg, die Mitnahme eines Handgepäckstücks (8kg, 55 x 40 x 23 cm) sowie eines persönlichen Gegenstands (40 x 30 x 10 cm, z.B. Hand-, Laptop- oder Schultertasche).
- Der Swiss Economy Light Tarif und der Edelweiss Economy Saver beinhalten die Mitnahme eines Handgepäckstücks (8kg, 55 x 40 x 23 cm) sowie eines persönlichen Gegenstands (40 x 30 x 10 cm, z.B. Hand-, Laptop- oder Schultertasche).
- Beim Chair Basic Tarif ist ein Kabinen-Handgepäck mit max. 8kg (55 x 40 x 20 cm) vorgesehen.
- Beim Easyjet Standard (als «Reisen ohne Ballast» angepriesen ...) ist nur ein kleines, unter dem Sitz zu verstauendes Handgepäckstück (max. 45 x 36 x 20 cm) im Preis dabei.
- Beim Condor Economy Zero ist nur eine kleine Tasche, max. 40 x 30 x 10 cm inkludiert.
Acht Erkenntnisse
1. Die Travelnews-Annahme von anfangs Januar 2025, dass mit dem Easyjet-Einstieg alle anderen Airlines sofort preislich reagieren, hat sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: sowohl beim Juni- wie beim Juli-Reisedatum sind die Flugtarife in den beiden Folgemonaten Februar und März tendenziell angestiegen.
2. Im Januar, also fünf respektive sechs Monate vor Abflug, waren die Flugpreise in der Regel am günstigsten. Frühbuchen lohnt sich.
3. Die ansteigende Preiskurve hat sich in Richtung der Abflugsdaten wieder gesenkt. Der Palma-Preis für den Juni-Flug ist bei Swiss eine Woche vor Abflug so günstig wie nie zuvor. Auch Edelweiss und Chair haben die Tarife für den Juni-Flug wenige Tage vor Abflug um rund 20 Prozent gesenkt. Last-Minute-Buchungen lohnen sich in der Nebensaison weiterhin.
4. Die ansteigende und zuletzt wieder abflachende Preiskurve deckt sich mit Aussagen aus der Schweizer Reisebranche. Im Januar und Februar sprachen Reisebüros von einer sehr guten Buchungslage, entsprechend zogen die Flugpreise an mit einem Höhepunkt im März. Ab April zeichnete sich bei Reisebüros und Reiseveranstaltern eine gewisse Ernüchterung ab, was Sommerbuchungen betraf. Diese nachlassende Nachfrage widerspiegelt sich in den sinkenden Airline-Tarifen. Die Yield-/Preisevaluationssysteme der Airlines, teils von Künstlicher Intelligenz gestützt, reagieren auf die Nachfrage-Situation.
5. Die Light-, Saver-, Basic-Tarife erziehen die Flugpassagiere, auf Check-in-Gepäck zu verzichten und die Handgepäck-Möglichkeiten auszuschöpfen – und sorgen dafür, dass in der Flugkabine ein Stress und Kampf um die Gepäckablage ausbricht, der immer wieder mal zu Flugverspätungen führt, bis alles verstaut ist.
6. Der Aufpreis für Check-in-Gepäck ist bei Easyjet am grössten, mit 91 Franken pro Weg im Juli-Beispiel – was den tiefen Grundpreis wieder relativiert.
7. Ob der Mallorca-Flug in der Zwischensaison im Juni unter der Woche oder in der Hochsaison am Wochenende erfolgt, wirkt sich preislich bei allen fünf Airlines deutlich aus. Durchs Band sind die Preise am Juli-Wochenende um 80 bis über 100 Prozent höher als bei Dienstags-Flügen im Juni.
8. Die Performance, Benutzerfreundlichkeit und Übersicht der einzelnen Buchungsabläufe unterscheiden sich deutlich. Der Ablauf bei Chair benötigt am meisten Geduld, nach jedem Klick folgen einige Wartesekunden. Umständlich ist der Ablauf bei Edelweiss, zwingendermassen gilt es auf «keine Sitzplatzreservation» zu klicken, um Zusatzkosten zu vermeiden. Condor spielt stets auch Umsteigeverbindungen ein, was nicht zur Übersicht beiträgt. Easyjet und Swiss ermöglichen einen vergleichsweise schlanken Ablauf.