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Wenn die Flugzeuge fehlen: Die stille Ebace 2025
Maurice GauchDie Ebace in Genf gehörte einst zu den wichtigsten Branchentreffen der Business Aviation. Doch 2025 war vieles anders: Vom 20. bis 22. Mai fand die Messe in reduzierter Form und mit neuem Konzept statt.
Erstmals verzichtete die Ebace auf das traditionelle Static Display am Genfer Flughafen. Das bedeutete: keine Jets vor Ort, keine Live-Besichtigungen, keine rollenden Debüts. Das neue Konzept war eine Premiere – vielleicht auch das letzte Mal in Genf.
Statt auf Flugshows setzten die Veranstalter auf Networking-Zonen, B2B-Lounges sowie drei Themenbühnen mit Fachvorträgen und Diskussionsrunden. Laut Angaben der Organisatoren registrierten sich rund 4000 Gäste für die Messe, auf der etwa 100 Aussteller vertreten waren.
Vorhang auf für den Smartflyer
Zu den Highlights zählte das Schweizer Start-up Smartflyer, das mit seinem Flugzeugkonzept «SFX1» eine neue Denkweise in der Luftfahrt präsentierte: leise, lokal emissionsfrei im Reiseflug und mit alltagstauglicher Reichweite.
Der viersitzige Smartflyer ist ein hybridelektrisches Flugzeug für Kurz- und Mittelstrecken. Im Fokus steht ein serieller Hybridantrieb – ein Elektromotor, gespeist von einem Generator mit Verbrennungsmotor. Diese Kombination senkt den Treibstoffverbrauch, reduziert den Lärm deutlich und verringert den CO₂-Fußabdruck im Vergleich zu herkömmlichen Leichtflugzeugen.
Besonders auffällig: Der im Leitwerk verbaute Elektromotor sorgt für aerodynamische Vorteile und ein ruhiges Flugerlebnis. Die Batterien in den Flügeln unterstützen Start und Reiseflug. Zudem kann das Frontmodul des Flugzeugs je nach Einsatz flexibel getauscht werden – etwa zwischen reinem Batteriepaket oder Range Extender. Smartflyer richtet sich an Pilotenschulen, Geschäftsreisende und private Nutzer, mit einem klaren Fokus auf nachhaltiges, flexibles Fliegen.
Ebenfalls erstmals auf der Ebace – und überhaupt zum ersten Mal in Europa – präsentierte sich Falcon mit einem eigenen Messestand. Das Unternehmen gilt als etablierter Anbieter hochwertiger Luftfahrtdienstleistungen.
Unter der Marke Falcon Luxe entstehen exklusive Innenausstattungen für Privatjets, während mit Elite eine eigene Flotte betrieben wird. Für Wartung und technische Betreuung sorgt Falcon Technis. Der Auftritt in Genf diente klar dazu, die europäische Expansion voranzutreiben.
Kaum eine Zukunft für die Ebace in Genf
Die Veranstalter der Ebace haben bislang weder ein konkretes Datum noch einen Standort für die nächste Ausgabe der Messe bekannt gegeben. Normalerweise wurde dies bereits während der Messe für das Folgejahr kommuniziert.
Sicher scheint jedoch: Sie wird laut Veranstaltern voraussichtlich Ende Mai oder Anfang Juni 2026 stattfinden – und wohl nicht mehr in Genf. In Branchenkreisen gilt der Abschied vom langjährigen Austragungsort bereits als beschlossene Sache.
Viele Aussteller zogen sich in den vergangenen Jahren zurück, nicht zuletzt wegen der hohen Standkosten. Nun steht Europas wichtigste Business-Aviation-Messe an einem Wendepunkt. Eine inhaltliche und organisatorische Neuausrichtung gilt als unumgänglich, wenn die Veranstaltung auch in Zukunft relevant bleiben soll.
Dass Flugshows und Static Displays keineswegs ein Auslaufmodell sind, zeigt die Aero Friedrichshafen, die jeweils im April stattfindet. Tobias Bretzel, Show Director der Aero, sagt zu Travelnews: «Wir bieten mit der Aero Friedrichshafen eine Messe zum Anfassen. Für die kommende Ausgabe vergrössern wir den Business Aviation Dome und das Static Display und optimieren auch baulich. Wir haben die Ressourcen, mehr Aussteller zu begrüssen – sowohl in Zahl als auch Fläche.»
In Bezug auf das Konzept der Aero erklärt Bretzel weiter: «Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz mit verschiedenen Bereichen der Luftfahrtindustrie, um Synergien zwischen General Aviation und Business Aviation zu schaffen – zumal viele Aussteller in beiden Bereichen tätig sind und auch unsere Besucher daran interessiert sind.»
Ob sich die Ebace mit neuem Standort und frischem Konzept erfolgreich neu positionieren kann, wird sich 2026 zeigen. In rund sechs Wochen wollen die Veranstalter hierzu weitere Informationen bekannt geben.