On The Move
Tested Ein Buchungs-Albtraum, der nie enden will
Reto SuterAls ich vor zwei Monaten meinen ersten Artikel über das Thema Flugbuchungen via Booking schrieb, war mir nicht klar, was ich damit lostrete. Die Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten – und sie waren gespalten: Von kopfschüttelndem Unverständnis («Wie kann ein Branchenkenner sowas machen?!») über methodische Kritik («Einzelfall ohne Aussagekraft») bis hin zu Dankbarkeit und Solidarität. Letztere kam von Reisenden, die Ähnliches erlebt hatten – und sich über die offene Darstellung freuten. Insgesamt überwog das positive Feedback. Und genau deshalb folgt jetzt: Teil 2.
Hinflug nach Jerez mit Vueling via Barcelona, Rückflug mit Condor über Frankfurt – so lautete die Reiseroute in der Buchungsbestätigung für unsere Familienferien im Frühling 2025. Dann die erste Wendung: Condor entschied, dass sie die gebuchte Verbindung doch nicht fliegt.
Die Benachrichtigung kam per E-Mail – und zwar in einer Tonalität irgendwo zwischen Spam-Filter-Alarm und Fake-Nachlass aus Nigeria. Der Absender: «Go To Gate», ein Drittanbieter, von dem ich nicht wusste, dass er überhaupt Teil meiner Buchung war. Inhaltlich hiess es sinngemäss: Ihr Rückflug existiert nicht mehr. Aber Sie können gerne eine Rückerstattung beantragen. Das klang erst einmal simpel. War es aber nicht.
Rückerstattung? Ja, vielleicht. Irgendwann.
Laut Mail sollte das Ganze maximal 15 Arbeitstage dauern. Nach drei Wochen ohne jedes Lebenszeichen hakte ich nach – und erhielt eine jener standardisierten Supportantworten, bei denen man nie genau weiss, ob sie von einem Menschen oder einem Chatbot stammen. Man warte noch auf das Geld der Airline. Klingt plausibel – wäre da nicht Condor.
Die Medienstelle der Fluggesellschaft bestätigte mir auf Anfrage höflich, dass der Ticketpreis bereits zwei Tage nach der Stornierung an «Go to Gate» überwiesen worden sei. Das Geld war also längst unterwegs – nur leider nicht in meine Richtung. Bewegung kam erst in die Sache, als ich zusätzlich die Medienstelle von Booking kontaktierte. Plötzlich funktionierte es mit der Rückerstattung. Als Ersatz buchte ich schliesslich auch den Rückflug mit Vueling – ab Jerez via Barcelona nach Zürich.
In der Booking-App stand alles auf grün: Flugzeiten bestätigt, Ticketnummern korrekt. Nur: Ein Blick auf die Website von Vueling zeigte ein anderes Bild. Hin- und Rückflug wurden verschoben – auf andere Tage und andere Zeiten. Keine Benachrichtigung, kein Hinweis in der App. Digitales Ghosting auf Flugbuchungsebene. Auf Nachfrage hiess es von Booking, die Änderungen seien technisch nicht durchgedrungen. Man entschuldigte sich und verwies auf «Go To Gate», wo ich die Flüge stornieren könne, um anschliessend die Rückerstattung zu erhalten. Gesagt, getan – doch bis heute ist kein Rappen bei mir eingetroffen.
Unsere Ferien in Andalusien fanden am Ende dennoch statt – mit der Swiss. Die Krönung der Absurdität: Am Tag vor der Rückreise in die Schweiz erhielt ich einen Reminder von Booking, Wochen nach der Stornierung. Ein Mail mit dem Hinweis: Vergessen Sie nicht, einzuchecken!
Was als neugieriger Selbstversuch begann, endete als waschechter Booking-Bumerang. Wer sich Nerven, Zeit und digitale Geisterflüge ersparen will, bucht besser gleich dort, wo man im Fall der Fälle auch jemanden erreicht: direkt bei der Airline oder im Reisebüro. Ich für meinen Teil warte weiterhin auf mein Geld – und nehme inzwischen Wetten an, was zuerst kommt: die Rückerstattung oder der nächste Check-in-Reminder für einen Flug, der nie stattfindet.