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Proteste gegen geplanten Kreuzfahrthafen bei Rom
Ein neuer Kreuzfahrthafen in Fiumicino, westlich von Rom, sorgt für hitzige Diskussionen. Die US-Reederei Royal Caribbean plant über ihre Tochtergesellschaft Fiumicino Waterfront Srl die Errichtung eines gigantischen Hafens für Kreuzfahrtschiffe und Megayachten – mit 700 Ankerplätzen, davon 30 für Yachten bis zu 110 Metern Länge. Während Befürworter das Projekt als wirtschaftliche Chance für die Region sehen, formiert sich massiver Widerstand aus der Bevölkerung und von Umweltschutzverbänden.
Am vergangenen Wochenende versammelten sich laut dem «Standard» rund 300 Demonstrierende mit Sonnenschirmen und Liegestühlen vor dem alten Leuchtturm von Fiumicino, um gegen das Hafenprojekt zu protestieren. Besonders umstritten ist ein neu errichteter Zaun an einem Strandabschnitt nahe des geplanten Hafenareals. Die Betreiberfirma betont, dass es sich lediglich um eine Schutzmassnahme für das konzessionierte Gebiet handle, nicht um eine Vorabmassnahme für den Hafenbau. Doch die Skepsis bleibt gross.
Die Gegner des Projekts argumentieren, dass der Bau an der sensiblen Flussmündung des Tibers gravierende ökologische Schäden verursachen könnte. Fiumicino verfüge über keinen geeigneten Meeresboden für grosse Kreuzfahrtschiffe, betonen sie. Zudem sei der Bau eines Hafens in dieser Region ein Eingriff in die Natur und würde die Strände für Einheimische unzugänglich machen.
Der geplante Hafen soll nicht nur Luxusyachten anziehen, sondern auch Kreuzfahrtschiffe anlegen lassen, die derzeit im Hafen von Civitavecchia, rund 70 Kilometer nördlich von Rom, anlegen. Die Idee hinter dem Bau: eine Entlastung des grössten Kreuzfahrthafens Italiens und eine bessere Anbindung an die Ewige Stadt. Kritiker argumentieren jedoch, dass die Touristenströme aus Kreuzfahrtschiffen oft wenig zur lokalen Wirtschaft beitragen, da sie Rom meist nur für Tagesausflüge besuchen.
Der Bürgermeister von Fiumicino, Mario Baccini, sieht im Hafen eine grosse Chance für seine Stadt. Das Projekt werde Fiumicino auf ein «hohes internationales Niveau» bringen, erklärte er. Zudem sollen bei der Umsetzung Umwelt- und Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt werden. Ob das reicht, um die Proteste zu besänftigen, ist fraglich.