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Bei der Swiss buchen vermehrt Privatpersonen Plätze in der First und der Business Class. Bild: Swiss

Swiss: Das Geschäft mit dem Luxus boomt

Die Nachfrage nach den teuersten Sitzen in den Flugzeugen hat bei der Swiss stark angezogen. Eine eindeutige Erklärung für den Boom gibt es nicht.

Die Sitze in der First Class sind bei der Swiss momentan so gefragt wie selten. Die Fluggesellschaft bestätigt gegenüber der «NZZ am Sonntag» Abo, dass die erste Klasse besser gebucht ist als vor Corona. Und dies, obwohl sich die Geschäftsreiserei noch immer nicht vollständig erholt hat. Das heisst: Es leisten sich vermehrt Privatpersonen die ganz teuren Tickets.

Die Swiss ist in einer besonders guten Position, um von diesem Trend zu profitieren. Sie ist die einzige Airline weltweit, die auf all ihren Langstreckenverbindungen eine First Class anbietet. Und: Auch der Anteil an Premium-Sitzen ist bei ihr am höchsten. Das zeigt eine Auswertung des Churer Instituts für Luftfahrtinformationen CH-Aviation. Die Swiss bietet rund drei Prozent aller Erstklass-Sitze im Markt an. Sie stellt aber nur rund 0,45 Prozent aller Sitze im Langstreckensegment.

Rund 22 Prozent der von der Swiss angebotenen Sitze auf der Langstrecke sind entweder First oder Business. Damit lässt sie andere, auf zahlungskräftige Kundschaft abzielende Airlines wie British Airways (20 Prozent) oder Emirates (15 Prozent) hinter sich.

Wer mit der Swiss Mitte November nach New York und zurück fliegen will, zahlt zurzeit für das günstigste Ticket in der Holzklasse, das nur die Mitnahme von Handgepäck erlaubt, rund 690 Franken. Das billigste First-Class-Ticket (Umbuchung nicht inbegriffen) in derselben Maschine gibt’s für rund 7400 Franken. Das ist viel Geld, aber überraschend viele Schweizerinnen und Schweizer scheinen es sich leisten zu können – und zu wollen.

Branche mutmasst über die Gründe

Doch warum erlebt die First, wie übrigens auch die Business Class, gerade jetzt einen Aufschwung? Ganz genau weiss das niemand. Auf der Hand liegt, dass sich während der Pandemie das Fernweh aufgestaut hat und die Menschen jetzt, wo Wegfliegen wieder sicher ist, das Verpasste nachholen wollen. Der Preis ist zweitrangig geworden. Auch, weil viele in der Pandemie Geld ansparen konnten.

Ein weiterer Grund könnte sein, dass Reisen während Corona eine beschwerliche Angelegenheit war. Testen, warten und Abstand halten waren angesagt. Die Verpflegung wurde teilweise ausgesetzt. Aus dieser Erfahrung haben Reisende ihre Lehren gezogen. Komfort wird wieder geschätzt. Man zahlt lieber etwas mehr, dafür soll es bequem sein.

Und nicht zuletzt haben Airlines während der Pandemie Business- und sogar First-Class-Sitze teilweise massiv unter Wert verkauft, um wenigstens ein bisschen Auslastung zu haben. Manch ein Normalsterblicher ist so auf den Geschmack gekommen und will jetzt nicht mehr auf die Exklusivität verzichten.

Ob der Boom anhält? Luftfahrtexperte Thomas Jaeger, Gründer und Chef von CH-Aviation, ist skeptisch: «Privatpersonen werden sich nicht ewig das Premium-Ticket leisten. Das ist vor allem dem Nachholeffekt nach Corona geschuldet.» Entscheidend sei, ob sich die Geschäftsfliegerei wieder erholen wird. Richtung Nordamerika seien die Werte fast wieder da, wo sie vor der Pandemie waren. «Aber nach China und Japan haben sie sich viel langsamer erholt als erwartet.»

(TN)