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Posierten am Freitag vor dem A350 der Cathay Pacific, von links: Patrick Yu (Cabin Crew), Brian Tsoi (GM Airport Service Delivery), Kinto Chan (Regional GM Europe), Florian Raff (Head of Aviation Development & Statistics Flughafen Zürich), Ashish Kapur (Area Manager Northern Europe), Stefan Wermelinger (VP Aviation Development, Flughafen Zürich) und Carol Chan (Cabin Crew). Bild: CX

Cathay Pacific ist nach drei Jahren zurück

Gregor Waser

Erstflug nach Hongkong nach langer Pause: Kinto Chan, der Regional General Manager Europe von Cathay Pacific, äussert sich zum Comeback und den Erwartungen des Hongkong-Carriers.

Am Freitag startete in Zürich Flug CX 382 um 11.55 Uhr mit dem Reiseziel Hongkong. Nach fast dreijähriger Coronapause bedient Cathay Pacific wieder die Schweiz. Was ist vom Restart zu erwarten? Wer reist nach Hongkong? Wie sind die Aussichten für Cathay Pacific? Im Interview kurz vor dem Abflug äussert sich Kinto Chan, der Europa-Chef des Hongkong-Carriers.

Kinto Chan, sind Sie bereit für das Comeback?

Wir freuen uns enorm, wieder ab Zürich zu fliegen, dies nach fast drei Jahren Pause. Wir sind vorbereitet und können es nicht erwarten, die 280 Passagiere zu begrüssen.

Entspricht das Buchungsaufkommen ihren Erwartungen?

Unsere Erwartungen sind übertroffen, damit haben wir nicht gerechnet, von Beginn weg wieder eine Auslastung von 98 Prozent zu haben. Zunächst wollten wir im Dezember nur vier Flüge durchführen, haben aber nun die Anzahl auf neun erhöht.

Ist das gesamte Cathay-Netzwerk wieder verfügbar?

Total haben wir wieder 67 Destinationen in Asien im Angebot, weitere vier in Australien.

Kinto Chan, Regional General Manager Europe, Cathay Pacific, freut sich über die starke Nachfrage auf den Zürich-Hongkong-Flügen. Bild: TN

Wie blickt Cathay Pacific insgesamt auf die Entwicklung im Jahr 2022 zurück?

Das Jahr gilt es in zwei Phasen zu betrachten. Anfangs Jahr waren die Reiserestriktionen in Hongkong noch sehr strikt. So führten wir auch erst wenige Flüge durch, was Europa betrifft, nur London, Amsterdam, Paris und Frankfurt. Nun seit September mit der Aufhebung der meisten Restriktionen - es gibt keine Quarantäne-Pflicht mehr in Hongkong, zeigte sich, dass die Nachfrage enorm schnell zurückkommt, insbesondere auch jene von Asien nach Europa.

Ist dies nun ein Dezember-Phänomen oder hält die Nachfrage im Januar an?

Wenn wir die einzelnen Flüge im Januar anschauen, etwa auch jene nach Frankfurt und Mailand, ist die Nachfrage weiterhin sehr stark. Und was wir nicht vergessen dürfen: viele Firmen konnten die letzten fast drei Jahre ihre Partner und Lieferanten in Asien kaum besuchen. Hier ist eine sehr grosse Nachfrage spürbar.

Verraten Sie uns doch bitte, wer sitzt heute beim Erstflug im Flieger?

Was wir feststellen, auch viele kleinere und mittlere Firmen haben gebucht. Da spielt mit, dass die Reise nach Festlandchina mit einem Business-Visa möglich ist. Statt der dreiwöchigen Quarantäne sind nur noch fünf Tage vorgeschrieben. Und weil es ab Europa noch keine Direktflüge nach Beijing oder Shanghai gibt, nutzen viele die Möglichkeit via Hongkong.

Und wer sitzt sonst noch im Flugzeug? Leute, die ihn Hongkong bleiben oder weiterfliegen?

145 der 280 Passagiere, das sind 52 Prozent, planen einen Aufenthalt in Hongkong, die anderen 48 Prozent fliegen weiter.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit der Swiss?

Sehr wichtig. 100 der 280 Passagiere stammen von überall her in Europa und die fliegen mit der Lufthansa Group, unserem strategischen Partner, zunächst nach Zürich. Zürich wird somit für uns zu einem immer wichtigeren Hub in Europa.

«Wir möchten den bestmöglichen Service bieten und für ein tolles Flugerlebnis sorgen.»

Wie schaut die Verteilung auf die einzelnen Klassen aus?

Bis vor drei Jahren hatten wir auf dem Hongkong-Zürich-Flug eine sehr grosse Nachfrage in der Business Class, was mit den Verbindungen der beiden Finanzzentren zu tun hat. Mit der Wiederaufnahme ist die Business-Class-Nachfrage noch nicht in diesem Mass zurück, dafür eine sehr grosse Nachfrage der Leisure-Kunden und von kleineren Firmen. Wenn eines Tages alle Restriktionen aufgehoben sind, dürfte sich das Verhältnis Business-Economy wieder auf den früheren Stand hin bewegen.

Europa erlebte im Sommer ein ziemliches Flugchaos. Cathay Pacific stockt nun die Flüge sehr schnell auf. Können Sie das alles bewältigen, auch personell?

Wir haben die schnelle Entwicklung der Aufstockung in Europa und den USA natürlich verfolgt und sahen, dass viele Passagiere unangenehme Flugerfahrungen machen mussten. Wir konnten uns nun entsprechend vorbereiten, auch dank einer längeren Anlaufzeit. Und Sie kennen unsere Philosophie: wir möchten den bestmöglichen Service bieten und für ein tolles Flugerlebnis sorgen. In diesen Monaten können wir alleine in Hongkong 4000 Leute neu anstellen, um für die Wiederaufnahme des Flugsystems vorbereitet zu sein. Entsprechend fahren wir den Betrieb in gemässigtem Tempo hoch, um die Qualität hochhalten zu können. Bis Ende 2022 betreiben wir erst wieder 30 Prozent des ursprünglichen Flugverkehrs und bis Ende 2023 sind gut 70 Prozent geplant.

Mit welchem Flugzeut-Typ wird Cathay Pacific künftig nach Zürich fliegen?

Urprünglich bedienten wir bis 2017 Zürich mit einer Boeing 777 - und der preisgekrönten First Class. Seit 2017 sind wir mit einem Airbus A350-1000 respektive A350-900 hier und dieser Flugzeug-Typ bietet zahlreiche Vorteile. Nicht nur ist er mit einem 20 bis 25 Prozent tieferen Kerosinverbrauch umweltfreundlicher, der A350 ist auch sehr effizient mit einer grösseren Economy-Kabine, was uns erlaubt, uns noch besser im Leisure-Markt in der Schweiz zu positionieren.