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Seit einer Woche offen und bereits über eine Million Passagiere registriert: Die neue Londoner Elizabeth Line. Bild: AdobeStock

Ab sofort kommt man einfacher durch London

Vor wenigen Tagen eröffnete die Elizabeth Line, welche die ÖV-Transportkapazität in der britischen Metropole wesentlich vergrössert und zahlreiche Verbesserungen mit sich bringt.

1863 wurde die erste U-Bahn in London eröffnet, damals ein Meilenstein. Am 24. Mai 2022 kam es wieder zu so einem Meilenstein: Mit der Eröffnung der Elizabeth Line wurde das Londoner U-Bahnsystem massiv erweitert und verbessert - und nach 32 Jahren Planung, 13 Jahren Bau, einer um vier Jahre verzögerten Eröffnung und einem masslos überzogenen Budget konnte endlich eines der grössten und wichtigsten Personenverkehrsprojekte Grossbritanniens abgeschlossen werden.

Genau genommen handelt es sich nicht einfach um eine weitere U-Bahn-Linie. Die neue Bahnlinie verläuft über 113 Kilometer vom äussersten Westen zum äussersten Osten Londons, mit Abzweigungen an beiden Enden. SIe verbindet Berkshire und den Flughafen Heathrow im Westen mit Essex und Kent im Osten. Es ist ein neuer Schnellzug durch das Herz der Stadt, mit Stopps an wichtigen Knotenpunkten wie Bond Street, Tottenham Court Road oder Whitechapel. Die Elizabeth Line hält an 41 Bahnhöfen, neun davon sind neu und topmodern, und der 20 Milliarden Pfund (über 24 Milliarden Franken) teure Bau soll jährlich bis zu 200 Millionen Menschen transportieren - wobei die erste Million bereits innert der ersten Betriebswoche geschafft wurde.

Kurz: Es ist eine Ost-West-Verbindung, wie sie London bisher noch nicht hatte. Insgesamt erhöht sich die Kapazität des ÖV-Bahnnetzes im Grossraum London dank der Elizabeth Line um satte 10 Prozent, was auch für Entlastung sorgen soll. Wobei die Linie noch nicht vollständig offen ist: Eröffnet wurde erst der zentrale Teil. Direktverbindungen von Ost nach West werden laut TfL (Transport for London) erst im Herbst 2022 verfügbar sein. Bis dahin wird noch weiter gebaut - doch es schien wichtig zu sein, den offiziellen Eröffnungsakt der purpurnen Linie noch vor dem «Platinum Jubilee» von Königin Elisabeth und auch in deren Anwesenheit durchzuführen.

Zur Strecke gehören auch mehrere neue Tunnels. Alle Züge zwischen Reading und Heathrow nach Paddington und von Shenfield nach Liverpool Street, die bisher unter dem Namen TfL Rail verkehrten, wurden in Elizabeth Line umbenannt. Aktuell verkehrt die Linie noch als drei getrennte Bahnen im Osten, Westen und im Zentrum. Zwischen Shenfield und dem zentralen Abschnitt der Strecke müssen Passagiere in Liverpool Street umsteigen und zum/vom neuen Bahnhof der Elizabeth-Linie in Liverpool Street laufen, zwischen Reading oder Heathrow und dem zentralen Abschnitt müssen sie in Paddington umsteigen und zu Fuss zum/vom neuen Bahnhof Paddington der Elizabeth-Linie gehen. Wie gesagt wird ab Herbst 2022 mit Fertigstellung der Tunnels dann die Nonstopverbindung von Ost nach West möglich werden. Ab voller Kapazität, mit 24 Zügen pro Stunde, wird aber erst ab Mai 2023 auf dieser Strecke verkehrt werden. Zudem ist aktuell die Bond Street noch nicht angeschlossen: Der neue Bahnhof der Elizabeth Line in der Bond Street soll aber noch in diesem Jahr öffnen.

Die Fahrtzeiten der Elizabeth Line sind Montag bis Samstag von 06:30 bis 23:00 Uhr im Fünf-Minuten-Takt, später im Jahr soll sie dann auch sonntags fahren. Das System wurde in das TfL-Netz integriert und bietet Umsteigemöglichkeiten zu anderen Diensten wie der U-Bahn, dem DLR, der London Overground und der National Rail. Die Stationen der kompletten Elizabeth Line finden Sie unter diesem Link.

(JCR)