Sind es Puppenhäuser? Vogelhäuschen? Oder kleine Tempel?

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Neben vielen Wohnhäusern stehen sie, auf Stelzen oder Sockeln. Einige aus Teakholz, manche aus Gips oder Beton, die meisten ganz farbig: gelb, rosa, grün. Unübersehbar sind sie bei einer Bootfahrt auf dem Chao Phraya oder auf den Klongs von Bangkok. Was hat es mit diesen Geisterhäuschen auf sich?

Mit Blumen, Kerzen, Räucherstäbchen und farbigen Bändern sind sie geschmückt, einige mit blinkenden Lichterketten und bei genauerem Hinsehen: Früchte, Reis und Süssigkeiten werden von den Hausbewohnern in Schälchen ins Innere der Häuschen gelegt. Auch Getränke werden hingestellt, Coca-Cola, rote Fanta oder Mekong, in einigen Gläsern und Fläschchen steckt sogar ein Röhrchen. Und kleine Figuren stehen drin, Tänzerinnen, Elefanten, Pferde. Verspielt und überraschend sind sie, diese geschmückten, verzierten Häuschen, bezaubernd und inspirierend.

San Phra Phuum heissen sie auf Thai, was so viel heisst wie Geisterhäuschen.

Sobald man in Thailand ein Grundstück bebaut, wird gleichzeitig ein Geisterhäuschen aufgestellt, um jene Geister, die bisher auf dem Grundstück gewohnt haben und die man nun vertreibt, mit einem neuen Zuhause zu beschenken und milde zu stimmen. Der Dorfschamane oder ein Seher wählt den geeigneten Standort aus. Auf keinen Fall darf der Schatten des neuen Hauses auf das Geisterhäuschen fallen. Es ist kein einfaches Unterfangen, die Geister milde zu stimmen. Das Ritual ist umfangreich und basiert auf einem alten animistischen Glauben und Brauch, der vom Buddhismus aber geduldet wird. Buddhistische Mönche weihen die Geisterhäuschen sogar ein.

In Zeiten der Not und des Unglücks fallen die Opfergaben üppig aus.

Die Bewohner des Geisterhäuschens sind nicht nur die vertriebenen Geister des Grundstücks, die Chao Thi, die es nun für das künftige ungetrübte Nebeneinander zu beschenken gilt. Hier wohnen auch die Schutzgeister, die Phra Phuum. Mit den Opfergaben werden die Geister wohlgesinnt. Besonders in Zeiten der Not und des Unglücks fallen die Opfergaben üppig aus. Und die Phra Phuum sind noch mehr als Erd- und Schutzgeister. Man kann ihnen auch Träume mitteilen oder sie mit Anbeten und Beschwichtigen um die Erfüllung eines Wunsches bitten. Der Respekt, den man den Geistern entgegenbringt, wird honoriert — mit Wohlwollen und Milde, vielleicht mit einer Glückssträhne. Auf der Suche nach innerer Ruhe stehen die Schutzgeister und Schutzengel jedenfalls zur Seite, wissen die Gaben, Bitten und den Respekt zu schätzen. Für Frieden ist gesorgt.

(GWA)